Bio-Gärtnerei Oberpflanz mit großer Gemüsevielfalt

Hofladen und SoLaWi unter einem Dach

Dr. Roland Greiner und Matthias Sabatier von der Bio-Gärtnerei Oberpflanz

Dr. Roland Greiner und Matthias Sabatier von der Bio-Gärtnerei Oberpflanz
© Daniel Delang

Aufgelassene Pflanzereien gibt es gar nicht so wenige in Bayern. Das Geschäft mit den Gewächshäusern war früher einträglich, als die Versorgung mit Gemüse aus der Region noch normal war. Die meisten Gärtnereien haben sich dann, mit dem Siegeszug des Supermarktes auf Zierpflanzen spezialisiert. Mit den aufstrebenden Baumärkten und deren Pflanzenangebot wird auch dieses Geschäft immer weniger rentabel.
Übrig sind, meist angegliedert an ein noch von den ursprünglichen Betreibern bewohntes Haus, die Gewächshäuser, in denen meist nur noch sensible Gartenpflanzen überwintern. Genau dieses Schicksal hat auch die Gärtnerei an der Obertraublingerstraße in Regensburg erfahren.
Bis dann Matthias Sabatier auf das Anwesen aufmerksam wurde und begann, von den Möglichkeiten einer Mehrfachnutzung als Café, Treffpunkt für Verbraucher mit Interesse an regionalen Versorgungstrukturen und einer kleinen Gärtnerei zu träumen. Schon nach kurzer Zeit war man sich einig. Matthias begegnet auch bald Roland Greiner, und damit steht der Umsetzung nichts mehr im Wege:
Jetzt werden die Gewächshäuser wieder für Jungpflanzen genutzt. Der Boden bekommt Pferdemist und wird so für die startende Saison vorbereitet. Im Freiland wachsen Frühlingszwiebel, Kohlrabi, Radieserl, Fenchel und eine bunte Vielfalt an Salaten.
Von den vielen Nutzungsmöglichkeiten nimmt derzeit vor allem die Gärtnerei den größten Raum ein. „Der Besitzerin war es wichtig, dass es vorrangig eine Gärtnerei und kein Café ist. Das wäre von der Nutzung her eh so schwierig geworden, dass wir uns schweren Herzens von der Idee eines Treffpunkts im Gewächshaus verabschiedet haben.“

SoLaWi Oberpflanz
Was geblieben ist, ist die Idee der regionalen Versorgung mit Produkten aus Öko-Landbau. Anbieter aus der Region finden in der Solawi „Oberpflanz“ Abnehmer. Die Ernteteiler der Oberpflanz Solawi wiederum haben die freie Auswahl zwischen den Erzeugnissen im „Hofladen“ und dem frisch geernteten Gemüse. „Das alles steht noch am Anfang. Wir sind jetzt eine kleine Gemeinschaft mit 35 Anteilen. Wie das Konzept sich trägt, können wir im ersten Jahr noch gar nicht sagen“, erzählt Roland.
Akut ist auch im Garten so viel zu tun, dass kaum Zeit für anderes bleibt. Daher setzen die beiden auch auf Gemeinschaft: Sobald sich jemand dem Hofladen widmet, der auch Öffentlichkeitsarbeit, und Besuche bei den Erzeugern organisiert, kann das alles gemeinschaftlich wachsen.
Denn das ist die ausdrückliche Idee der beiden: Die Ernährungswende geht uns alle etwas an. Und jeder darf sich daher bei der Solawi Oberpflanz einbringen mit seinen besonderen Fähigkeiten und Interessen. Auch eine kleine Verarbeitungsküche zur Fermentation der Gemüse ist vorgesehen.

„Es ist für uns vor allem ein soziales Experiment: Gelingt es, genug Menschen zu motivieren und von der Idee einer regional-resilienten Selbstversorgung aus dem Umland zu begeistern? So sehr zu begeistern, dass sie sich einbringen? Dass eine Gemeinschaft daraus wird, die sich auch trifft und gemeinsam Ausflüge zu Erzeugern organisiert und Infoabende veranstaltet? Das ist jedenfalls unser Wunsch und unser Ziel. Denn Gärtnerei, Erzeugerladen, Gemeinschaft mit Teilhabe organisieren und all den Fragen von Selbstführung und Entscheidungsfindung – dazu braucht es mehr als uns beide“, wirbt Matthias für das Projekt.
Ein erster Schritt ist nun, die Ziele und die Vision der beiden so klar zu fassen und zu vermitteln, dass mehr Menschen sich diese großartigen und nachhaltigen Ideen zueigen machen und bei der Umsetzung und dem gesunden Wachstum helfen.

Region: Region Regensburg