Familie Gründel

Pflugloser Ackerbau

Familie Gründel
© Daniel Delang

„Ein guter Bauer muss beobachten, nachdenken, dann: säen und faul sein!“ Es sind überraschende Erkenntnisse, die Klaus Gründel da kundtut. Manch einer mag ungläubig die Augenbrauen hochziehen, wenn er so etwas hört. „Mei, bei den jungen Kollegen, die sind stolz drauf, wenn sie schon nachts um zwei Uhr mit Beleuchtung Gülle ausfahren. Diese Form der Landwirtschaft ist für mich eine Sackgasse, auch wenn ich anerkenne, dass Ackergröße und große Maschinen auf Junglandwirte mit hohem Testosteron eine große Anziehung ausüben“, sagt er – und zwinkert.


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Wünschen würde er sich für die Zukunft der Landwirtschaft etwas anderes. Anfangs war er unsicher, ob er überhaupt in die Landwirtschaft einsteigen mag. Klaus ist das letzte von sechs Kindern. Als der Vater krank wird, entschließt er sich, doch den Hof zu übernehmen, und lernt auf einem Biobetrieb. In der Fachschule für Ökolandbau in Landshut/Schönbrunn macht er seinen Meister.
Seine Vision hat sich mit der Zeit geformt: in Partnerschaft mit und Verantwortung für die Natur die Erzeugnisse selbst veredeln und dann auch direkt zu vermarkten, um den Kontakt und Austausch mit dem Verbraucher zu haben. Wie groß und vielfältig diese Aufgabe ist, sollte sich im Verlauf der nächsten Jahrzehnte herausstellen. Auch, dass es dazu mehr braucht als einen Bauern.
Zunächst aber erfolgt die Umstellung. Der Vater teilt die Vision, spricht auch von Schöpfungsverantwortung, bringt aber auch erhebliche Zweifel in die Diskussion ein. Und Klaus Gründel findet seine Berufung. Er optimiert seinen Hof – auf seine Weise. Optimieren bedeutet z.B., dass behornte Tiere in einem Tretmiststall stehen und er auf das Ausbringen von Gülle verzichtet. Behornt funktioniert, wenn es genug Platz und Futter gibt, wenn die Herdenstruktur feststeht – was deutlich erleichtert wird, wenn die Kühe länger leben. Dazu kommen die Haltung und das Gemüt des Bauern selbst. Die beeinflussen, wie sich das Tier benimmt. Das beeindruckt: Klaus Gründel beobachtet umfassend und nimmt sich Zeit – dabei denkt er sich und seinen Einfluss mit.
Optimieren bedeutet für ihn auch, dass ein starker Fokus auf der Bodenfruchtbarkeit liegt. In einem Gebiet wie dem Jura, wo die Wasserhaltefähigkeit des Bodens schlecht ist und der Humusgehalt somit alles entscheidet, eine kluge Wahl. Humus kann das 20-fache des eigenen Gewichts an Wasser halten, es bindet CO2 und sorgt für reiche Ernten. Am besten entwickelt sich der Boden, wenn er nicht ständig bearbeitet wird. Das wirkt der Verdichtung entgegen. Luzerne sind besonders tiefwurzelnd, sie sind dadurch trockenheitsresistent und haben Zugang zu tieferliegenden Bodenschichten und deren Mineralien. Eine schlaue Fruchtfolge mit vielen Leguminosen und der richtige Zeitpunkt beim Säen sind entscheidend, damit die Kunst der pfluglosen Bodenbearbeitung gelingt. Wobei Klaus bei der Bodenbearbeitung auch von Striegeln und Hacken absieht. Daher kommt auch der Spruch mit dem faulen Bauern.
Nun ist vom Hof aber noch kein Produkt veredelt und verkauft. Als Nicole, Klaus' Ehefrau damit konfrontiert wird, dass Klaus den Hof übernimmt, macht sie klar: Ich will nicht Bäuerin sein. Dennoch ist im Verlauf der letzten 23 Jahre eine ganze Menge entstanden: Das Brot, das mittlerweile vom passionierten Bäcker Hartmut Müller an zwei bis drei Tagen die Woche gebacken und Mittwoch, Donnerstag und Freitag am Markt zusammen mit anderen Produkten verkauft wird, geht auf ihre Initiative zurück. Wobei sie hier voll der Vision ihres Mannes folgt: Produkte veredeln und direkt vermarkten. Neben den Erzeugnissen der Backstube sind es lauter Waren von Freunden, die am Markt angeboten werden. „Im Grunde mache ich es mir einfach. Alle Produkte, die wir selber gerne essen und von unseren Freunden und Bekannten hergestellt werden, verkaufe ich auch am Markt“, sagt sie. Darunter fällt zum Beispiel auch Käse aus Wiggensbach.
Als nächstes Ziel hat das Paar die Direktvermarktung von Milch und das Fleisch ins Auge gefasst. Aktuell scheint sich für die Milchprodukte eine Möglichkeit anzubahnen, beim Fleisch träumen sie von einer mobilen Version à la Schlachtung mit Achtung. Es fehlt nur noch jemand, der es umsetzt. Dabei steht der Hof der Familie Gründel nicht alleine da: Vier Biobetriebe haben sich zusammenschlossen, nicht nur, um Maschinen gemeinsam anzuschaffen und zu teilen, sondern auch, um die Verarbeitung und Vermarktung ihrer Produkte voranzutreiben.

Region: Obermain-Jura