Markus und Lisa Nagengast

Die Experimentierfreudigen

Mancherorts bekommt man wie bei Markus und Lisa Nagengast das Gefühl, es entwickelt sich gerade ein ganz neuer Bauernstand. Menschen, die unternehmerisch denken, selbstbewusst eine neue Generation Landwirte repräsentieren und voller Begeisterung und Idealismus viel im ökologischen Landbau zustande bringen. Dabei noch große und kleine Strukturen bedienen, etwa durch die Kombination von Ackerbau und Hofladen.
Markus hat die Nachfolge auf dem elterlichen Hof voller Überzeugung angetreten – die Umstellung auf Bio stand da erst mal nicht zur Debatte. Als er aber auf einer Reise durch Rumänien sieht, wie dort mit einer eigenen Art der Dreifelderwirtschaft aus Getreide, Hackfrüchten und Futterpflanzen erfolgreich Landwirtschaft betrieben wird, kommt er ins Nachdenken. Bei rund 200 Hektar Fläche bedeutet das für ihn schon eine enorme Einsparung, vor allem auch an Dünge- und Spritzmitteln. Wieder zurück in Deutschland kommt bald die Entscheidung zur Umstellung. „Zu sehen, dass es woanders funktioniert, das gibt die Zuversicht, die es braucht, sich an Neues zu wagen“, erzählt er.

Neben Hafer, Roggen, Weizen und Dinkel hat Markus auch Freude an Spezialkulturen wie Linsen, Hirse und Buchweizen – Letzterer ist vor allem im Hinblick auf eine glutenfreie Ernährung interessant und wird seit einiger Zeit wieder verstärkt kultiviert, nachdem sein Anbau im 20. Jahrhundert stark zurückgegangen war. Neben dem Getreide und den Ackerfrüchten wagen Lisa und Markus noch ein weiteres Experiment. Lisas Traum von Pflanzenölen aus eigenem Anbau wird verwirklicht, ohne dass die beiden wissen, worauf sie sich da einlassen: Bis sie starten können, sind, neben der Anschaffung der Ölpresse, auch einige Umbauten und eine Lawine an Bürokratie zu erledigen. Doch dann läuft es: Neben Raps und Sonnenblumen werden auch Leindotter, Hanf und Schwarzkümmel zu Öl veredelt. Gerade Letzterer ist eine Rarität, findet in orientalischen Gerichten Verwendung und auch in der Kosmetik. Daneben wird ihm auch eine entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung zugeschrieben. "Die Kultur ist heikel; Schwarzkümmel keimt spät und ist anfangs konkurrenzschwach", gibt Markus zu. Das heißt übersetzt, das Beikraut wächst schneller als der Schwarzkümmel und erstickt am Ende die Kultur. Neben Hacken ist daher auch immer wieder Handarbeit gefragt. Er hat sich nicht entmutigen lassen und baut sie schon im sechsten Jahr an. Und sie wächst allen Unkenrufen zum Trotz und bringt reiche Ernten. Seine Freude am Experimentieren mit unterschiedlichen Kulturen hat das weiter beflügelt. So gibt es auch mit Hanf Experimente, um zu sehen, welche Sorte sich für den jeweiligen Standort gut eignet, wie ertragreich sie sind und wie leicht die Ernte der faserreichen Pflanze vonstattengeht.
Die Öle werden inzwischen im Hofladen, auf Mottomärkten wie auf der Nürnberger Bauernmeile und auch ganz zeitgemäß im Onlineshop angeboten.

Es waren die Kinder, die auch gerne Hühner am Hof gehabt hätten. Die Ölkunden sahen die Tiere und die Nachfrage wuchs schnell. Inzwischen leben 120 Legehennen in einem kleinen Hühnermobil und ergänzen mit Eiern das Angebot des Hofes. Zusammen mit den anderen Erzeugnissen ist so ein interessantes Warenangebot entstanden, das sich wohl aufgrund der Experimentierfreude noch weiterentwickeln dürfte.

Kontakt:
Biolandhof Nagengast
Bergstr. 18
91352 Hallerndorf

https://www.biolandhof-nagengast.de/

Region: Fränkische Schweiz