Susanne und Hans Kredler

Das Besondere als Familientradition

Hans und Susanne Kredler
© Daniel Delang

Beim Betreten der Bäckerei Kredler, erahnt man kaum, wie groß die Bäckerei ist. Der Verkaufsraum wirkt nur wenig größer als andere. Doch sobald man die Produktionsräume betritt, wird klar, welche Mengen an Brot hier gebacken werden: Fünf Filialen beliefert der Familienbetrieb, bei dem 35 Menschen beschäftigt sind. Frau Kredler betreibt nach dem frühen Tod ihres Mannes gemeinsam mit dem Schwiegervater Hans Kredler die Bäckerei. Zusätzlich wurde ein Bäckermeister eingestellt. Er leitet die Backstube, Frau Kredler managt die Verwaltung und hilft überall, wo es gebraucht wird.

Hans Kredler ist ein begeisterter Anhänger der frühen Vollkornbewegung, genaugenommen des Dr. Schnitzer. Die Bäckerei beginnt Ende der 60er-Jahre im Auftrag von Dr. Schnitzer die ersten Vollkornbrote mit biologischen Backzutaten zu produzieren. Damit schreibt Hans Kredler ein Stück Naturkostgeschichte: Bald werden die Brote in alle Regionen Deutschlands verkauft und verschickt. In der Bäckerei entwickelt sich neben dem Bäckerladen ein reger Betrieb mit Versandgeschäft. Die Partnerschaft mit Dr. Schnitzer besteht über Jahrzehnte und endet erst mit dem Aufschwung der Biobranche. Plötzlich sind biologische Vollkornbrote in guter Qualität überall in Deutschland erhältlich. Der Versand des Vollkornbrotes flaut ab und macht unter diesen Umständen auch ökologisch immer weniger Sinn. Schließlich wird der Betriebszweig eingestellt.
Jahre später beginnt der Sohn Michael Kredler auf Nachfrage eines Biobauern wieder Dinkelbrot zu backen. Obwohl das Brot biozertifiziert ist, sucht man vergeblich nach der entsprechenden Information im Ladengeschäft. Das ist ungewöhnlich. Die Bioschiene mit Dr. Schnitzer war ein reines Versandgeschäft. Der Kundenstamm vor Ort hat davon wenig mitbekommen. Doch die Kunden kaufen sein Dinkelbrot gern.
Ein starres Festhalten an Konzepten sucht man bei der Bäckerfamilie vergeblich. Das Angebot entwickelt sich durch die Nachfrage und Chancen, die sich ergeben. Denn zur Wandlungsfähigkeit kommt die Bereitschaft, immer wieder etwas Besonderes zu probieren. Die Verarbeitung von bioregionalem Getreide zum Beispiel erfordert echtes handwerkliches Können, weil das Getreide jedes Jahr anders ist. Der Bäcker muss durch spezielle Methoden die Backeigenschaften des Mehls testen. Das Ergebnis: Neben dem breiten Angebot an Bio-Dinkelspezialitäten werden nun seit einigen Jahren auch Brote für Menschen produziert, die an einem Enzymdefekt leiden, eiweißfreies Brot. Und damit bleibt die Bäckerei schließlich auch einer Tradition des Hauses treu: Sie probiert wieder etwas Besonderes und verschickt die Backwaren in alle Regionen Deutschlands.

Region: Amberg-Sulzbach und Stadt Amberg