ORO und die Bio-Zertifizierung von Streuobst

Ein Vorzeigeprojekt mit unermesslichem Wert für die Artenvielfalt

Geschäftsführer der ORO

ORO-Geschäftsführer Joachim Wiesböck
© Daniel Delang

„1958 gründeten 44 Obstbauern die ORO Obstverwertung e.G. in Rohrdorf. Das Ziel war damals wie heute die Verarbeitung und Vermarktung des heimischen Streuobstes zu wohlschmeckenden Säften.“, so der heutige Geschäftsführer Joachim Wiesböck. „Damals wie heute verwenden wir keine Konservierungsstoffe.“ Die zahlreichen Auszeichnungen und Medaillen belegen die Qualität der Säfte. Natürlich hat sich das Verfahren seit 1958 weiterentwickelt. Heute setzt ORO eine sogenannte Dekanterpressung ein. Dabei wird unter Luftabschluss im Zentrifugalverfahren ein Apfelsaft gewonnen, der viel mehr Fruchtfleisch und damit Ballaststoffe beinhaltet als das früher möglich gewesen wäre. Der Saft wird unmittelbar nach dem Pressen für ein bis zwei Minuten auf 85° bis 90° Celsius erhitzt, das genügt zur Sterilisation. Anschließend wird er sofort wieder gekühlt und eingelagert. Später erfolgt dann die Abfüllung in Glasflaschen als Direktsaft, ohne Zugabe von Zusatzstoffen.

Das Ergebnis des besonders schonenden Verfahrens ist ein Geschmackserlebnis, das seinesgleichen sucht. Besonders weich, voll und sanft wird der aromareiche Streuobst-Apfelsaft wahrgenommen. Das Besondere an den ORO-Säften ist die »konsequente« Regionalität, die die Selbstvermarktungsorganisation ausmacht: Nach dem Motto »Aus der Region – für die Region« werden die Äpfel der unzähligen Anlieferer in Form von Apfelsaftprodukten vertrieben.

„Wir beziehen unsere Äpfel und Birnen von Streuobstwiesen im und um den Landkreis Rosenheim. 2020 hat ORO eine Bio-Sammelzertifizierung etabliert und so können wir nun verschiedene Bio-Streuobstsäfte anbieten.“ Bio unterliegt in der EU strengen Kontrollen. Und auch wenn kaum einer der Streuobst-Lieferanten, egal ob bio oder nicht, sein Streuobst düngt oder spritzt, braucht es eine Kontrolle, damit der Saft mit „Bio“ ausgelobt werden darf. Jeden Streuobst-Lieferanten einzeln zu kontrollieren, wäre bei der Ertragsmenge nicht kostendeckend. Daher gibt es eine Bio-Sammelzertifizierung, bei der die Streuobst-Lieferanten ihren Obstanger zertifizieren lassen können. Die Kosten und die Organisation für die Zertifizierung übernimmt ORO.
„Bio-Saft von Bio-Betrieben pressen wir seit 20 Jahren, auch im Lohn. Aber erst mit Einführung der Sammelzertifizierung verfügen wir über die Bio-Obstmengen, mit denen wir neue Bio-Saftprodukte wie die Bio-Apfelschorle einführen konnten. Unser Ziel ist, die gesteigerte Nachfrage nach Bio mit Produkten aus heimischem Bio-Streuobst zu decken“, so Herr Wiesböck. 30 Streuobst-Lieferanten nehmen an der Sammelzertifizierung teil. Sie erhalten höhere Obst-Erlöse, ohne dass für sie Mehrkosten durch die Bio-Zertifizierung entstehen. Das Engagement von ORO und den Streuobst-Lieferanten trägt zum typischen Landschaftsbild im Rosenheimer Land bei, bei dem schöne alte Höfe von großen Streuobstwiesen umgeben sind. Das tut nicht nur dem Auge gut, sondern ist auch für die Artenvielfalt von unermesslichem Wert.

Für Joachim Wiesböck ist es ein Herzensanliegen, Zusammenhänge zu vermitteln und kleine funktionierende Wertschöpfungspartnerschaften in der Region zu etablieren, die den Zusammenhalt stärken. „Corona hat uns gezeigt, dass nicht jede Branche zur Globalisierung taugt. Mir ist es auch ein persönliches Anliegen, dass wir uns bei der Ernährung wo immer möglich auf unsere schöne Region und die Kulturlandschaft, die die Bauern hier haben entstehen lassen, besinnen.“

Kontakt:
ORO Obstverwertung eG
Urbanstr. 1-5
83101 Rohrdorf
www.oro-saft.de

Region: Hochries-Kampenwand-Wendelstein