Michael Popp und Ralf Huber

Mitinitiatoren der Öko-Modellregion im Landkreis Freising

Michael Popp und Ralf Huber
© Daniel Delang

Ralf Huber – beharrlich eingefahrene Gleise verändern
Landwirtschaft ist ein Thema, bei dem viele schnell in ein Schwarz-Weiß-Denken verfallen: hier öko, da konventionell, hier groß, da klein, hier wachse dort weiche, hier Konkurrenz dort Kooperation und Solidarität. Doch das war schon immer falsch. Gegenseitiges Verständnis für die Probleme und Belange der jeweils anderen ist der Schlüssel, damit alle ihren Beitrag zu einer gesunden und guten Versorgung leisten können.
Ein Beispiel, bei dem die Einordnung nicht so leichtfällt, ist Ralf Huber. Er hat die Öko-Modellregion im Kulturraum Ampertal mit initiiert. Schon 1990 stellt er auf Bio um. Er denkt in großen Strukturen und will vor allem die Vermarktung von Bioprodukten im größeren Stil vorantreiben. Als stellvertretender Kreisobmann ist er sehr aktiv im Bayerischen Bauernverband. Auch bei den Protesten von "Land schafft Verbindung" beteiligt er sich. Dass Bauern gegen die neue Düngeordnung auf die Straße gingen, hat er begrüßt. Von der Politik fühlt er sich allein gelassen und bringt es auch deutlich zum Ausdruck.
Sein Hof ist sehr besonders organisiert: Er liegt in einem Wohngebiet, und die Garagen und Gehöfte sind an Unternehmen vermietet. Auf einem viehlosen Ackerbaubetrieb erzeugt er Saatgut. Siebzig Prozent seiner Fläche dienen ihm dafür. Für sich und seine Kollegen hat er ein Getreidelager gebaut, das 25 Landwirte nutzen. Hier liefern sie Mengen von 1,5 bis zu 100 Tonnen an. Daneben experimentiert er auch mit Soja und Hanf. Letzteres gilt als "Brainfood" – und wird an die Firma Hans geliefert, die Bio-Energieriegel produziert. "Heute muss sich jeder Landwirt etwas einfallen lassen, wenn er nicht mehr wachsen kann oder will", meint er angesichts der ungewöhnlichen Organisation seines Betriebs.
Ralf Huber wünscht sich ein deutliches "Ja!" zur regionalen Vermarktung und fordert mehr politischen Gestaltungswillen in Richtung regionales Bio. In der Öko-Modellregion sieht er eine Chance für neue Kontakte und Geschäftsanbahnungen, die die Öko-Landwirtschaft vor Ort in Geschäfte und Gemeinschaftsverpflegungen bringt.


Michael Popp - hartnäckig und frohmütig
Michael Popp ist der zweite Initiator der Öko-Modellregion Kulturraum Ampertal – und als eher ruhiger, zurückhaltender Charakter erschienen, in gewisser Hinsicht das genaue Gegenteil von Ralf Huber. Aber nur auf den ersten Blick. Denn in der Zielsetzung sind sich die beiden sehr einig. Vor allem aber ist er beharrlich in der Verfolgung seiner Ziele. Die beiden ergänzen sich also hervorragend.
Zunächst zum Elektroinstallateur ausgebildet, sollte er nach Ableistung des Grundwehrdienstes bei der Bundeswehr den kleinen Hof seines Onkels übernehmen. Einige Jahre nach der Übernahme begann er nach alternativen Bewirtschaftungsformen Ausschau zu halten. Die intensive Bodenbewirtschaftung brachte ihm nicht den erhofften Erfolg. Durch seine Beschäftigung bei einer Genossenschaft bekam er neue Einblicke in das Thema "Gesunder Boden": Fruchtbarkeit, Humusaufbau, Fruchtfolge, Düngung, schonende Bearbeitung – all das erweiterte seinen Horizont. Als die Genossenschaft 2016 Insolvenz anmelden musste, nahm er sein Wissen mit und setzt es seitdem in seiner Beratungsfirma BBS (Beratung Betriebsmittel Service) zugunsten seiner Kunden ein.
Michael ist nach wie vor im Nebenerwerb als Landwirt tätig. Auf seinem Hof erzeugt er Eier, Kartoffeln und mit 25 Bienenvölkern auch Honig. Daneben pflanzt er sowohl Spezialkulturen und als auch Altbewährtes, darunter Kartoffeln, Kleegras und Luzerne. Gerade Letztere hat als Leguminose für die Stickstoffansammlung im Boden eine hohe Bedeutung, umso mehr, als sie Trockenperioden, wie sie in den letzten Jahren häufiger vorkommen, als Tiefwurzler mit weit verzweigtem Rhizom besser verträgt. Da Michael regionale Kreisläufe wichtig sind, setzt er das auch bei den Wertstoffen um – und erzeugt selbst Kompost in Warmrotte, wobei im Kompost Temperaturen um die 60 Grad Celsius erzeugt werden, um Schädlingslarven und -eier abzutöten. Denn Kompost ist eines der potentesten Mittel, die uns für die Speicherung von CO2 zur Verfügung stehen. Gleichzeitig wird die Bodenqualität radikal verbessert.
War Michael zu Beginn seiner Ausbildung der Überzeugung, dass man als Einzelner ohnehin wenig Einfluss auf eingefahrene Abläufe habe, so sieht er das heute radikal anders. Er sagt über sich selbst: "Ich bin kein Missionar und mache auch Fehler. Aber Lösungen für aktuell auftretende Herausforderungen zu finden, darin sehe ich heute unser aller Aufgabe."

Region: Kulturraum Ampertal