Sepp und Rosina Gabriel

Zu jeder Kuh eine Beziehung

Sepp und Rosina Gabriel
© Daniel Delang

„Bei welcher Kuh wollen wir denn das Foto machen?“ – „Gehen wir zur Franziska, die ist die Bravste“, sagt Rosina Gabriel, kniet sich neben die liegende Kuh und streichelt ihr sanft über Hals und Rücken. Aber eigentlich sind alle Kühe brav und zutraulich auf dem abgelegenen Hof im Weiler Ried bei Frasdorf. Eine ruhige und schöne Atmosphäre herrscht hier auf der Weide hinter dem Stall, die die herbstliche Nachmittagssonne in ein warmes, goldenes Licht taucht.

Aber wie kommt es, dass die Kühe hier so außergewöhnlich zutraulich sind? „Das ist unseren Sennerinnen und Sennern auf der Alm zu verdanken“ lacht Rosina, „die sich den Sommer über täglich intensiv um die Kalbinnen kümmern“.
2013 hat Rosina den Hof von ihren Eltern übernommen. Ihre erste „eigene“ Kuh war die Franziska. 2015 haben die Gabriels auf Bio umgestellt und bewirtschaften den Milchviehbetrieb seither nach den Naturland Richtlinien. Diese schreiben zwar keine horntragenden Kühe vor, aber „die Hörner gehören zur Kuh“, so Sepp, der als gelernter Zimmerer den neuen Laufstall fast komplett in Eigenregie gebaut hat.
Und so lebt eine bunte Herde aus 20 Milchkühen mit Hörnern im neuen Liegeboxen Laufstall. Fleckvieh, Pinzgauer, Braunvieh und manchmal auch ganz wilde Kreuzungen. Denn auf dem Hof der Gabriels wird viel Wert auf langlebige Kühe gelegt. Und deshalb bekommen die Kühe beim Besamen mehrere Chancen. „Wenn eine Kuh nicht aufnimmt, probiere ich die Besamung mit einer anderen Rasse und das klappt dann meistens“ erklärt Rosina und so hat Frida, Franziskas Mutter bereits 10 Kälber zu Welt gebracht und deshalb läuft auf der Kälberweide auch die Viola herum, eine Kreuzung aus Fleckvieh und Wagyu.
Rosinas Vision ist es alle „Altkühe“, also ihre langjährigen Mitarbeiterinnen und fast schon Freundinnen, im örtlichen Schlachthaus zu schlachten und das Fleisch ab Hof zu vermarkten. Denn sie einfach dem Viehhändler mitzugeben bringen die Gabriels kaum übers Herz. Ebenso ist es mit den Kälbern, die nicht für die eigene Nachzucht benötigt werden. Auch sie sollen in bekannte Hände abgegeben werden und nicht auf dem anonymen Kälbermarkt landen.
Und Viola, die Wagyu-Kreuzung? Die bereitet den Weg in die Bio-Rindermast. Sodass dann noch öfter als bisher auch Ochsen- und Färsenfleisch am Hof der Gabriels eingekauft werden kann.

Region: Hochries-Kampenwand-Wendelstein