Simsseer Weidefleisch

"Wenig macht glücklicher als das Zusammenleben hier"

Rudi und Maria Finsterwalder vor dem Salettl
© Daniel Delang

Begegnungen mit charismatischen Menschen wirken oft inspirierend. So geschah es auch, als Rudi und Maria Finsterwalder bei einem Architekturwettbewerb Karl-Ludwig-Schweisfurth, den Gründer der Herrmannsdorfer Landwerkstätten und "spiritus rector" der "Symbiotischen Landwirtschaft" kennen lernten. Aus der neu entstandenen Freundschaft wurde die Idee des "Simseer Weidefleischs" geboren.

Auf ihrem Anwesen Landlmühle in Stephanskirchen, wo Rudi Finsterwalder aufgewachsen ist, halten sie nun nach den Prinzipien der symbiotischen Landwirtschaft Schweine. Eine Kreuzung von alten Haustierrassen, und Hühner der Rasse "Les Bleus", die genetisch mit den berühmten Bresse-Hühnern verwandt sind. In der hofeigenen Biometzgerei wird das Fleisch der Schweine schlachtwarm verarbeitet – nach dem Vorbild der Herrmannsdorfer Landwerkstätten; auch das nach dem Vorbild von Karl Schweisfurth. Biobauern der Umgebung liefern je nach Angebot neben Schweinen auch Rinder, Lämmer und Wild aus eigener Jagd an. Auch heimische Fischer liefern ihre Ware.
Ein Glücksfall, dass alles so zusammenpasste: der Standort, die Umgebung, die Akzeptanz der Bewohner und die kommunale Ermutigung durch den örtlichen Bürgermeister. So entsteht eine enge Gemeinschaft, in der man sich kennt und vertraut und ein Ort, der sinnbildlich für „das gute Leben auf dem Lande“ stehen kann.
Was dem Ehepaar Finsterwalder ebenfalls wichtig ist: die enge Verzahnung von Erzeugern und Verbrauchern. Deshalb gründeten sie gleich zwei Genossenschaften: die Simsseer Weidefleisch eG, in der die Erzeuger zusammengeschlossen sind, und die Simsseer Verbraucher eG, in der die beteiligten Kunden und Unterstützer vereint sind. Wer Anteile erwirbt, erhält Gutschriften auf Einkäufe sowie auf die Zinsen seiner Einlagen. Auch dies eine vertrauensbildende Maßnahme.
Neben der Metzgerei gibt es noch das Salettl – eine Wirtschaft, in der die eigenen Erzeugnisse geschmackvoll inszeniert werden. Es wird eine gehobene Küche zu erschwinglichen Preisen angeboten. Jetzt, zu Corona-Zeiten, ist der Gastronomiebetrieb freilich eingebrochen. "Aber der Privatverkauf aus der eigenen Metzgerei hat angezogen und gleicht so den Verlust aus", verrät Rudi Finsterwalder.
Rudi und Maria Finsterwalder haben sich einen Traum erfüllt. Ursprünglich war die Landlmühle mal als Kreativquartier gedacht. Gekommen ist es dann anders: „Uns ist bewusst geworden, wie sehr wir verlernt haben, in kleinen Strukturen zu denken. Den Ökolandbau und Lebensmittelhandwerk in ein Viertel zu integrieren, das ist für uns gelebte Nachhaltigkeit und Resilienz. So wurde aus dem Plan eines Kreativviertels jetzt ein buntes Miteinander aus kleinen und größeren selbständigen Betrieben, mit dem Salettl und der Metzgerei als Zentrum und Treffpunkt.“ so Rudi begeistert. Als nächstes ist eine Gemüse-Solawi geplant. Ein modernes Dorf mit Vorbildcharakter. Das Leben ist damit für Rudi und Maria Finsterwalder freilich auch intensiver geworden. Ihrem Architektenberuf sind sie immer noch treu und so geht ihnen die Arbeit nicht aus, aber "wenig macht glücklicher als das Zusammenleben hier" – symbiotische Landwirtschaft, die auch den Menschen einschließt.

Kontakt:
Simsseer Weidefleisch eG + Simsseer Verbraucher eG
Finsterwalderstraße 1
83071 Stephanskirchen
Telefon: 0170 2017274
E-Mail: info@simsseer-weidefleisch.de

Region: Hochries-Kampenwand-Wendelstein