Solidarische Landwirtschaft Ebermannstadt

Immer mehr Menschen tun sich zusammen, um selbst die Ernährungswende voranzubringen. Bei der langen Kette sich aneinanderreihender Skandale um die Agrar- und Lebensmittelindustrie wundert dies kaum. Denn die Möglichkeiten für Bürger, sich so zu ernähren, dass sie wirklich wissen, wo es herkommt und dass bei der Produktion weder die Natur noch die Mitarbeiter ausgebeutet wurden, ist in Supermärkten unmöglich.
Dabei ist klar: In der Art und Weise, wie wir unser Land bewirtschaften, wie wir die Lebensmittel herstellen und woher sie kommen, liegt ein großer Hebel für die zwei drängendsten Probleme unserer Zeit: den Klimawandel und den Verlust der Biodiversität.

Gemüse selbst anzubauen verursacht beispielsweise kaum einen CO2-Ausstoß. Obst oder Gemüse von Übersee einfliegen zu lassen, verursacht mit 14 Kilo CO2 fürs Kilo Avocado mehr als ein Kilo Fleisch vom Weiderind. Ein eigener Acker bietet zudem die Möglichkeit mit Blühflächen etwas für die Insekten zu tun und mit Gründüngung, Jauchen und Kompost direkt zum Bodenaufbau beizutragen.
Aus diesem Wunsch, einen Teil zur Lösung beizutragen, hat sich das Konzept der solidarischen Landwirtschaft etabliert. Menschen teilen sich die Kosten und die Ernte für nachhaltigen, ökologischen Gemüseanbau.
Birgit Bertelshofer wurde – getrieben von dem Wunsch, etwas zu verändern – auf dem Land aktiv. Bei einer ersten Informationsveranstaltung erschienen an die 40 Gleichgesinnte, der Startschuss für die Solawi Ebermannstadt. Sie ist selbst im Gartenbau tätig und kann damit notwendiges Know-how beisteuern. Mit dabei ist auch Stefanie Blumers: „Ich hab seit Jahren darauf gewartet, dass es irgendwo eine Solawi gibt.“ Als die Initiative dann direkt in ihrer Heimatstadt startet, ist sie sofort dabei.

Die gemeinsame Suche nach einem Acker ist nach einigen Monaten erfolgreich. Als nächstes soll ein Gärtner eingestellt werden, derzeit wird der Acker mit einem Gärtner-Minijob und viel Freiwilligenarbeit bewirtschaftet. Auch Stefanie hilft häufig mit. Die Arbeit am Acker gehörte nicht zu ihrer ursprünglichen Motivation, mitzumachen. „Aber jetzt tut es mir richtig gut, regelmäßig am Acker mitzuwerkeln.“
Neben der Arbeit genießen alle, in einer Gemeinschaft Gleichgesinnter zu sein. „Man fühlt sich oft so machtlos“, meint Birgit, „aber mit der Solawi, ist etwas entstanden, das wir selbst in der Hand haben. Es mag ein kleiner Beitrag sein angesichts des Zustands unserer Welt. Aber es ist ein Beitrag, den wir wirklich leisten können.“
Die Solawi hat sich mittlerweile in einem Verein organisiert, und 80 Menschen in und um Ebermannstadt sind begeistert dabei.

Kontakt:
https://solawi-ebermannstadt.de/

Region: Fränkische Schweiz