Die Streuobst-Wiese - das unbekannte Wesen?

Infos vom Naturschutzbeauftragten Holger Linke

Projekt: Der Umweltbeauftragte - ein kommunaler Ansatz!

Obstbäume
© Daniel Delang

Infos vom Helmstädter Naturschutzbeauftragten Holger Linke:

Mit den nächsten Zeilen möchte ich Sie über die Streuobstwiese als wichtiges Kulturgut und
Beitrag zum Erhalt der Biodiversität informieren!

Der Streuobstanbau ist eine extensive Form des Obstanbaus, bei der zum Großteil stark-
wüchsige, hochstämmige und großkronige Obstbäume in weiträumigen Abständen stehen.
Chemische Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger kommen kaum zum Einsatz.
Zum Streuobst gehören die Obstarten Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume, Quitte und
die Walnuss, seltener der Speierling.
Übers Jahr werden die Obstarten geerntet und zu Marmeladen, Kompott und Saft verarbeitet.
Most oder Apfelsaft gehören zur Grundversorgung der Bevölkerung.
Traditionell waren die meisten Höfe und Siedlungen von Streuobstwiesen umgeben,
leider sind in Bayern von 1965 bis 2012 rund 70 Prozent der Streuobstbäume verschwunden.
Und so gehört die bunte Obstwiesenwelt zu den stark gefährdeten Lebensräumen!
Die Streuobstwiese bietet fantastische Lebensbereiche über mehrere Etagen:
Die Wiesen im Unterwuchs sind arten- und blütenreich und bieten Insekten, Wild- und
Honigbienen, Hummeln und Schmetterlingen reiche Nahrungsgrundlage.
Am Wurzelbereich leben Spitz- und Feldmaus, Igel, Hase und kleine Reptilien.
Am Stamm wachsen Moose und Flechten, in der rissigen Rinde leben Käfer und Spinnen.
Ökologisch besonders wertvoll sind morsche Stellen im Holz, hier findet man
selten gewordene totholzbewohnende Insekten.
In Baumhöhlen und großen Astlöchern nisten Singvögel und Spechte, finden
Fledermäuse ein Quartier, der Steinkauz hat hier seinen Unterschlupf.
In der Krone finden u.a. Gartenrotschwanz, Distelfink, Goldammer, Wiedehopf,
Neuntöter, Wendehals und Zilpzalp Brutplätze, Garten- und Siebenschläfer
suchen Nahrung.
Für eine Vielzahl von Insekten stellt das Blattwerk Nahrung und Lebensraum dar.
Die Massenblüte im Frühjahr dient Wild- und Honigbienen als unverzichtbare
Nektar- und Pollenquelle. Imker schätzen die Obstwiese als Standort für ihre
Wanderbienenkästen.

Streuobstwiesen sind der Lebensraum von über 5000 Tier- und Pflanzenarten und
eine wahre Schatzkammer direkt vor der Haustür.
Doch mit jeder Obstwiese, die verschwindet oder verbuscht, verlieren viele Tier-
und Pflanzenarten Stück um Stück ihren Lebensraum.
Was können Sie als Verbraucher dagegen tun:
Sorgen Sie dafür, dass sich ihre Nutzung für den Besitzer auch wirtschaftlich lohnt.
Kaufen Sie Obst und Obstprodukte (Saft, Marmelade, Schnaps) aus Streuobstbeständen unserer Region.
Fragen Sie in den Geschäften immer wieder nach fränkischer Ware aus Streuobst-
beständen.
Kaufen Sie nicht nach äußerem Anschein, sondern nach Qualitätskriterien wie
Geschmack und Spritzmittelbelastung, kaufen Sie alte Obstsorten.
Obst aus regionalen Beständen kommt erntefrisch und vollreif auf den Tisch

24.09.2020

Region: Waldsassengau