Selbst-Bewusstsein, Storytelling und google

Rückblick auf das Betriebsentwicklungsseminar „Neue Wege in der (Direkt-)Vermarktung“

Projekt: Entwicklungsperspektive Ökolandbau , Förderungen regionaler Wertschöpfungketten, Netzwerke und Kooperationen , Information und (Bewusstseins-)Bildung

Teilnehmer beim Vortrag auf Exkursionsbetrieb

Die Teilnehmer erleben, wie es funktioniert die eigene Geschichte marketingwirksam zu erzählen
© G. Jahn

Über den Tellerrand schauen, das eigene (Betriebs-)Potential erkennen und selbst konkrete Schritte zur Umsetzung benennen. Darum ging es beim 2-tägigen Betriebsentwicklungsseminar in Oberelsbach, zudem die Öko-Modell Rhön-Grabfeld gemeinsam mit der FIBL Akademie einlud.

Woran können sich Betriebe bei der Preisgestaltung orientieren? Auf die Frage gab Stefan Rettner (Beratung für Direktvermarktung und Betriebsentwicklung), am Beispiel Rindfleisch Antwort. Er bestärkte die Teilnehmer darin bei der Preisgestaltung selbstbewusst zu sein und die Besonderheiten des Betriebs und der Produkte hervorzuheben. Und zu kommunizieren! Auf dem Biohof May erlebten die Teilnehmer direkt, was es bedeutet die eigene Geschichte marketingwirksam zu erzählen und die eigene Philosophie nach außen zu tragen. „Jeder hat eine eigene Geschichte – das rauszufinden, sei gar nicht so schwer“, so Petra Wähning von genussinvest. Zum Einstieg eigne sich oft die einfache Frage nach der persönlichen Motivation.
Ergänzend informierte Lisa Lang, Ansprechpartnerin für Direktvermarktung beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt, über das breite Informations- und Unterstützungsangebot durch die ÄELFs.

Wie können Verbraucher stärker an den eigenen Betrieb gebunden werden? Hier eignen sich verschiedene Formen der Bürgerbeteiligung wie solidarische Landwirtschaft (Solawi) oder Genussrechte. Bei der Solawi kann entweder der ganze Betrieb oder nur ein Betriebszweig über Mitglieder finanziert werden. Diese werden dann in Ernteteilen ausgezahlt. Solawis können gerade für Bio-Betriebe eine interessante Zukunftsoption darstellen. Bei Genussrechten handele es sich, so Petra Wähning, um „kulinarische Zinsen für investiertes Kapital“. Menschen aus dem Betriebsumfeld finanzieren z.B. Investitionen und der Zins wird in Produkten des Betriebs ausgezahlt. Eine ähnliche Option bieten Genussgutscheine. So werden regionale Kunden-Produzenten-Bindungen und Wirtschaftskreisläufe gestärkt.

Nach einem Tag voller Input, ging es am zweiten Tag ans Eingemachte: Die Teilnehmer durften sich in um ihr mitgebrachtes Anliegen kümmern – basierend auf dem Effectuation-Ansatz. Denn, wir leben in einer sich immer schneller verändernden Welt, Projektplanung im herkömmlichen Sinne greift nicht mehr. Während man noch plant, haben sich die Umstände schon wieder geändert.“, so die Referentin. Ein anderer Weg: Pläne und Ideen in Kontakt mit der Umwelt entwickeln und umsetzen. So können sich auch äußere Umstände statt als Hindernisse im Plan als „Glücksfälle“ in der Entwicklung zeigen. Es ging darum die eigenen Ressourcen und Mittel in Bezug auf das eigene Anliegen zu erkennen. Und dann ganz konkret sich selbst Aufgaben zu stellen. Zur Motivation wurden am Ende spontan Buddy-Teams gebildet: Als Kontrollsystem für die eigenen Ziele.
Besonders erfreut zeigte sich Dr. Maike Hamacher über die rege Teilnahme aus der Öko-Modellregion Rhön-Grabfeld. Sie sei gespannt was sich weiteres aus den Impulsen des Seminars in der Region entwickelt.

Das Seminar ist Teil des Bundesprogrammes Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) - initiiert und finanziert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

14.04.2022

Region: Rhön-Grabfeld