Lamm zu Ostern

Projekt: Bio-Direktvermarktung stärken – fruchtbares Land ernährt die Stadt , MehrWertSchöpfung durch Fleischgenuss aus Weidehaltung

Von Dezember bis April bringt Konrad Lautenschlager alle Mutterschafe mit ihren Lämmern im offenen Stall unter. Typisch für die Rhönschafe ist der schwarze, bis hinter die Ohren unbewollte Kopf
© Barbara Ströll.

Die Nachfrage nach Lammfleisch ist vor Ostern besonders groß. Bio-Bauer Konrad Lautenschlager aus Ensdorf verkauft normalerweise etwa ein Drittel seiner Lämmer in dieser Zeit. Der größte Anteil geht an die Gastronomie.

Wegen der Pandemie müssen Restaurants und Wirtshäuser heuer über Ostern geschlossen bleiben und haben alle Bestellungen storniert. Direktvermarkter Konrad Lautenschlager hat nun viele schlachtreife Lämmer im Stall stehen, von denen er aktuell noch nicht weiß, wie er sie anderweitig vermarkten soll.
Der Bio-Bauer hält überwiegend Rhönschafe. Jedes seiner 200 Mutterschafe bringt jährlich ein Lamm zur Welt. Manchmal kommen sie zu zweit. Damit die große Nachfrage zu Ostern gestillt werden kann, richtet der Bauer es so ein, dass ein Teil seiner Schafe bereits im Oktober auf der Weide lammt. „Das kann man mit dem Bock steuern.“ erklärt er. Die Oktoberlämmer haben dann sechs Monate Zeit heranzuwachsen. Ab Dezember leben sie mit ihren Müttern im luftigen Stall. Dort sind sie vor Nässe geschützt und können gut versorgt werden. Konrad Lautenschlager ist es sehr wichtig seine Tiere artgerecht zu ernähren. Schafe sind Wiederkäuer und damit Grasfresser. Auf der Weide fressen sie nur Gras. Damit die Lämmer auch über den Winter heranwachsen können, brauchen die Tiere zusätzlich eiweiß- und kalorienreiches Kraftfutter. Im Stall bekommen sie zweimal täglich ein viergängiges Menü: als Vorspeise eine Portion Kraftfutter aus Hafer, Erbsen und Luzerne-Cobs. Dann folgen mit Heu und Silage zwei Hauptgänge und zum Schluss gibt es Stroh. Der Strohanteil ist heuer relativ hoch, weil Lautenschlager wegen der Trockenheit im letzten Jahr nicht genug Gras für Heu und Silage schneiden konnte. Auch der Hafer ist wegen der Frühjahrstrockenheit schlecht gewachsen, so dass er Bio-Hafer zukaufen musste. Mindestens 10 Tonnen Hafer braucht er, um die Herde gut ernährt durch den Winter zu bringen. In der Regel erzeugt Konrad Lautenschlager sein Futter komplett selbst.
250 Lämmer kommen auf seinem Betrieb jedes Jahr auf die Welt. In ihrem natürlichen Jahresrhythmus werden die Schafe im Herbst „bockig“. Folglich werden die meisten Lämmer in den Monaten Januar bis März geboren. Diese jungen Milchlämmer schlachtet Lautenschlager nicht. Sie dürfen jetzt bald mit der Herde raus auf die Weide. Die Mutterschafe spüren nun, dass es an der Zeit ist auf die Weide zu gehen und werden langsam unruhig. Konrad Lautenschlager wird sich ein paar Tage nach Ostern mit seiner Herde zu Fuß auf den Weg zur ersten Weide machen. Dort sprießt dann das junge Gras. „Das ist das beste Futter für die Mutterschafe, weil es besonders eiweißreich ist und sie dann mehr Milch für ihre Lämmer haben.“ erklärt der leidenschaftliche Bio-Bauer, der auch promovierter Forstwirt und gelernter Metzger ist.

06.04.2020

Region: Amberg-Sulzbach und Stadt Amberg