Neue Gentechnikverfahren beunruhigen Biolandwirte

Gesellschaftliche Diskussion erwünscht

Projekt: Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen

Menschen im Saal

Vortrag in Miesbach zur neuen Gentechnik
© Ellmeier

Gut besuchte Veranstaltung in Miesbach beleuchtet den Einsatz der Genschere CRISPR/Cas und deren Folgen.

Die Neue Gentechnik
Unter Neuer Gentechnik wird die Anwendung einer Genschere (Enzyme) verstanden, die die Erbsubstanz (DNA) auftrennt und diese dann ausschaltet oder verändert.
Im Gegensatz zu bisherigen Gentechnikverfahren werden dabei keine artfremden Gene verwendet.

Industrie, ExpertInnen und Teile der Politik wollen die Gentechnikgesetze auf EU-Ebene ändern, so dass Organismen aus Neuer Gentechnik ohne eingehende Risikoprüfung freigesetzt werden könnten.


Die Veranstaltung
Zum Informations- und Diskussionsabend lud nun die Zivilcourage Miesbach ein.
"Kommt jetzt die Gentechnik in der Landwirtschaft durch die Hintertür?" war die Fragestellung im Gasthof Bräuwirt in Miesbach.

Es referieren und diskutieren mit:
  • Dr. Christoph Then, Geschäftsführer Testbiotech e.V.
  • Annemarie Volling, Gentechnik-Expertin, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)
  • Walter Haefeker, Präsident des Europäischen Berufsimkerverbands
  • Bernhard Stoll, Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG), Geschäftsführer Raiffeisen Kraftfutterwerk Kehl GmbH
  • Moderation: Rüdiger Obermaier, Zivilcourage Miesbach

Unterstützende Organisationen: Bayerischer Bauernverband KV Miesbach, Bund Naturschutz KG Miesbach, Landesbund für Vogelschutz KG Miesbach, Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal e.V.

Gefordert wird nun auch für die Neue Gentechnik:
  • strikte Zulassungsprüfung
  • Rückverfolgbarkeit
  • Kennzeichnungspflicht.

Erfreulicherweise waren auch LandwirtInnen trotz des guten Heuerntewetters gekommen. Kreisobmann Josef Huber (auch Mitglied der Steuerungsgruppe der ÖMR) und Martin Huber (Vertreter des Vorstands LVÖ) gaben Einblicke in die Sichtweise der bäuerlichen Familienbetriebe.
Die anwesenden Vertreter der Kommunalpolitik versprachen, das Thema mitzunehmen.

Aus der Sicht der Öko-Modellregion Miesbacher Oberland
Dankbar ist man über Veranstaltungen dieser Art. Die frühzeitige Beteiligung aller ist immer der beste Weg für eine zukunftsfähige Lösung.

Mit großer Sorge nimmt man die Einwände der anwesenden Biolandwirte war, der Ökolandbau sei dadurch gefährdet. "Durch die Vermischung mit den veränderten Organismen könne man keine Gentechnikfreiheit mehr garantieren", so die Aussage.

Im Landkreis Miesbach könnte die weitere Nutzung des Siegels "gentechnikfrei" ein Wettbewerbsvorteil für Produkte der Region (wie bisher auch schon) sein. Molkereien zahlen dafür derzeit 1 Cent mehr pro Liter Milch. Auch das wäre in Zukunft erstrebenswert. 80 % der Verbraucher wünschen sich Lebensmittel ohne Gentechnik. Diesen Nachfrage sollte bedient werden. Dafür ist aber eine klare Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit notwendig.

Fragwürdig ist wieder einmal die drohende Abhängigkeit von Züchtungsfirmen und Industrie. Die Öko-Modellregion Miesbacher Oberland setzt sich für regionale Bio-Wertschöpfungsketten ein und für die Resilienz der Region, ob dafür die Neue Gentechnik notwendig ist, sollte weiter diskutiert werden.

Weitere Infos gibts bei der Zivilcourage und demnächst auch im Kreistag.

15.07.2022

Region: Miesbacher Oberland