Schutz und Wiederansiedlung von heimischen Ackerwildkräutern im Landkreis Mühldorf

Artenreicher Acker mit Mohn und Kornblume
© Hilarius Häußler

Seit den 1960ern wird eine starke Verarmung von Ackerwildpflanzen beobachtet. Die Gründe dafür sind Nutzungsaufgabe ertragsschwacher Äcker, Einsatz von Mineraldünger, optimierte Saatgutreinigung, Herbizideinsatz, veränderte Bodenbearbeitung, Verengung der Fruchtfolgen, Vergrößerung der Feldschläge und der Verlust von Strukturelementen in der Kulturlandschaft. In der aktuellen Roten Liste Bayerns (SCHEURER & AHLMER 2003) gelten 12 Ackerwildkrautarten als ausgestorben und 20 als gefährdet und stark gefährdet. Von allen Lebensräumen ist die Artenvielfalt auf den Äckern am stärksten zurückgegangen. Ackerwildkräuter sind heute die am stärksten gefährdete Pflanzengruppe Deutschlands und die Bestandssituation wird immer dramatischer (ANLIEGEN NATUR 36(2), 2014). Dies hat auch erhebliche Auswirkungen auf die Tierwelt: Viele Wildbienen aber auch Feldvögel wie das Rebhuhn und Feldlerchen leiden auf wildkrautverarmten Äckern unter Nahrungsknappheit und mangelnder Lebensraumqualität. Der Tagwerk-Förderverein möchte im Rahmen des Projekts Ökomodellregion Isental zusammen mit der unteren Naturschutzbehörde Mühldorf, dem Bund Naturschutz, der Wildlandstiftung, der Hochschule Weihenstephan, Renaturierungsökologie und der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Abteilung Ökolandbau, dieser Entwicklung entgegensteuern.

Da viele der einst im Gebiet verbreiteten Arten inzwischen nur noch selten gefunden werden oder ganz erloschen sind, erscheint eine gezielte Wiederansiedlung auf geeigneten, extensiv genutzten Flächen sinnvoll. Ein im Landkreis Mühldorf angesiedelter Saatgutvermehrungsbetrieb für Wildpflanzen soll deshalb Samen von gefährdeten Ackerwildkräutern auf Ackerstandorten im Landkreis Mühldorf beernten und vermehren. Dies geschieht nach den Vorgaben des Verbandes deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten e.V. mit regionalem Saatgut.

Ziele des Projekts
Das Saatgut von bereits zehn ausgewählten Ackerwildkräutern wurde gesammelt und wird weiterhin gesammelt, vermehrt und auf ausgewählten Bio-Betrieben und extensiv bewirtschafteten Flächen in der Region ausgebracht. Die künftige Bewirtschaftung dieser Flächen soll so erfolgen, dass sich die Arten auf den Aussaatflächen vermehren können und ein Ausbringen von weiterem Saatgut nicht mehr erforderlich ist. Die Pflanzenvielfalt und die ökologische Bewirtschaftung der Felder soll Wildbienenarten, Schmetterlingen und Feldbrütern Nahrung und Lebensraum bieten.

Durch Umweltbildungsmaßnahmen werden für Schulen Aussaataktionen im Herbst und Bestimmungsschultage im Sommer angeboten. Mit der Aussaat im Herbst bekommen die Kinder eine Bindung zum Acker und dem Ausgesäten und kommen im Sommer darauf zurück an den Acker und bestimmen, was sie im Vorjahr an Ackerwildkräutern ausgesät haben. Die verschiedenen Sämereien werden vor der Aussaat in Becherlupen genau betrachtet von den Kindern. Dadurch lernen sie die Artenvielfalt auf dem Acker kennen und die Vielfalt wertzuschätzen, die sie vermittelt bekommen.

Projektpartner
Zusammen mit der unteren Naturschutzbehörde Mühldorf, dem Bund Naturschutz, Kreisgruppe Mühldorf, der Wildland-Stiftung Bayern, setzt die Ökomodellregion Isental das Ackerwildkraut-Projekt im Landkreis Mühldorf um. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft und der Lehrstuhl für Renaturierungsökologie der Technischen Universität München stehen dem Projekt wissenschaftlich und mit fachlichem Rat bei. Der Saatgutvermehrungsbetrieb von Georg Hans in Obertaufkirchen setzt die Beerntung und die Samenvermehrung der Ackerwildkräuter aus dem Landkreis Mühldorf um.

Feldtafel und Flyer zum Projekt

Poster AWK final

Flyer überarbeitet_final_10-10-16



Kontakt
Rosa Kugler
Projektmanagerin
Bürozeiten: Mo, Mi (14-tägig), Fr
+49 (0)8081 9379 51

Mai 2020

Region: Mühldorfer Land (ehem. Isental)

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