Andreas Kremer

Aus Liebe zur Heimat und den Enkeln

Andreas Kremer, Hafer
© Daniel Delang

Es gibt Studien, die zeigen, was meist mit kleinen Höfen passiert: Erst einmal wandern die Betriebe vom Vollerwerb in den Nebenerwerb, dann, ein bis spätestens zwei Generationen später werden die Flächen verpachtet. Meist leben die Flächeneigentümer in den größeren Städten – sie können also nicht beobachten, was mit den Flächen passiert. Hier verlieren sie oder die nächste Generation gänzlich den Bezug zum Land und dann ist der Verkauf nicht mehr weit. Es sei denn, die Zeiten werden als so unsicher erlebt, wie gerade eben, dann wird weiter meistbietend verpachtet. „Meistbietend verpachtet“, das heißt: ausgebeutet. Überdüngt, überspritzt, der Boden verdichtet ‒ das ist das zwangsläufige Resultat einer hohen Pacht.

Andreas Kremer wäre nun so ein Kandidat gewesen: Er hätte die Flächen, die er im Nebenerwerb bewirtschaftet hat, in seiner Rente verpachten können. Meistbietend. Das hätte ihm seine Rente finanziell versüßt und niemand hätte ihm einen Vorwurf gemacht.
Doch es sollte ganz anders kommen. Andreas Kremer bekommt zunehmend Probleme mit den Spritzmitteln. Schon lange treibt es ihm um: „Wenn meine Enkel auf der Terrasse bei uns im Garten spielen, das Feld direkt daneben, und ich spritze, dann ist klar, dass die Abdrift direkt in unseren Garten geht.“ So entwickelt er einen immer größeren Widerwillen gegen das Spritzen der Felder. Er bespricht sich mit seiner Familie. Schwiegertochter Isabell, genannt Isa und die drei Enkel, allen voran Fabian interessieren sich für das Land und die Landwirtschaft. Aber nicht so, wie es gerade läuft. Das Interesse gibt Andreas Kremer Hoffnung. Dann kommt noch die Wirtschaftlichkeit: Andreas Kremer schaut nach, welchen Wert die Restmengen an Spritz- und Düngemittel in seinem Lager hatten. Da kommt er auf stolze 1500 Euro. Für zwölf Hektar Land. „Die Mittel haben auch ein Ablaufdatum. Im nächsten Jahr gibt es meist wieder etwas Neues.“ Abgesehen von der Last der Entsorgung ist das auch eine echte finanzielle Belastung.
Das eigene schlechte Gewissen, die finanzielle Belastung, das Interesse der Kinder und Enkel – alles miteinander führt schließlich dazu, dass Andreas Kremer im stolzen Alter von 67 Jahren noch mal ganz neue Wege beschreitet. Er beschließt, auf Ökolandbau umzustellen. Die Kinder und Enkel sind begeistert dabei. Das Ziel: Bodenaufbau, unbelastete Lebensmittel, teilweise Selbstversorgung ‒ und wieder Tiere am Hof. Und, wie Isa betont: „Es soll innerhalb der nächsten Jahre ein Nebenerwerbsbetrieb werden, der sich insofern rechnet, als wir kein Geld mitbringen und unsere Arbeit bescheiden bezahlt haben möchten.“ Isa ist Köchin und eine begnadete Bäckerin, da ergeben sich viele Möglichkeiten für ein artgerecht-ökologisches Zubrot.
Wenn man die drei Generationen beobachtet, dann scheint es da aber noch um etwas ganz anderes zu gehen: Es ist eine Liebe zur Heimat spürbar, zur Landschaft, zur Natur und den Tieren. Sie möchten erhalten, was sie so sehr lieben. Enkel Florian beobachtet die Hühner ganz genau: Wann gehen sie raus, wohin gehen sie, wohin nicht. Er bemerkt, wie ängstlich die Tiere sind, wenn sie keinen Schutz finden und baut ihnen eine Strecke, wo es viel Unterschlupf gibt auf dem Weg zur Streuobstwiese. Er freut sich und ist auch ein bisschen stolz, dass die Tiere sein Angebot nutzen.
Auch am Acker experimentiert Fabian zusammen mit dem Großvater: Da wachsen Kartoffeln – unterschiedliche Sorten. So können sie beobachten und lernen, was hier am besten wächst und was die zukünftigen Kunden gerne kaufen, weil es ihnen schmeckt. Auch wagt sich Andreas Kremer direkt an Mischfruchtanbau: Linsen mit Hafer, Linsen mit Leindotter und Hafer. Kleine Felder mit innovativen Feldfrüchten. Über seiner Fläche gibt es auf einem Hügel eine Bank und einen schattenspendenden Baum. Man hat einen wunderbaren Blick auf die Gegend. Die Liebe dazu spürt man bei der ganzen Familie. Sie möchte die Landschaft erhalten und vielfältig gestalten. Das tut sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Region: Obermain-Jura