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Biokälber auf Biobetrieben mästen

Erzeuger und Mäster vernetzen sich über Messengerdienst

Bio-Kälber in Bio-Betrieben mästen - dazu vernetzen sich Bio-Milchviehhalter und Bio-Mastbetriebe.
Bio-Kälber in Bio-Betrieben mästen - dazu vernetzen sich Bio-Milchviehhalter und Bio-Mastbetriebe.
© Daniel Delang
Potenzial in Bio-Mastbetrieben
Ende Mai trafen sich Bio-Landwirte mit Milchviehhaltung, Mutterkuhhaltung und Kalbinnen-Aufzucht und Rindermast sowie auch ein Viehhändler im Schloßstadl Schmidmühlen zu einem persönlichen Austausch, organisiert von den Oberpfälzer Öko-Modellregionen.

Die Ergebnisse der Umfrage zeigten, dass Bio-Milchviehhalter ein großes Interesse an der Zusammenarbeit mit bioregionalen Mast- und Aufzuchtbetrieben hätten. Bio-Mastbetriebe würden derzeit vorrangig Färsen und Ochsen mästen, die zu 65 % aus der Region (bis 50 km Umkreis) kämen. 20% der Bio-Mutterkuhhalter nähmen bereits Jungtiere aus der Bio-Milchviehhaltung auf. Fast die Hälfte der an der Umfrage beteiligten Bio-Mutterkuhalter könnte sich vorstellen, Jungtiere aus der Bio-Milchviehhaltung zu mästen. Das erzeugte Bio-Fleisch würde laut Angaben derzeit überwiegend direkt vermarktet.

Erzeuger und Mäster vernetzen sich - seien auch Sie dabei!

Sie sind Milchviehhalter und haben Fresser an Öko-Mäster abzugeben? Sie sind Mäster und haben Mastplätze für Biorinder?
Im Rahmen des Messengerdienstes SIGNAL tauschen sich Milchviehbetriebe, Mäster, Viehhändler… aus und können zur Vermarktung von Bio-Kälber direkt miteinander in Kontakt treten.
Treten Sie der Interessensgruppe „Biokälber“ im Messengerdienst SINGAL bei, indem Sie folgendem Link und den weiteren Anweisungen folgen:
>> Ja, ich möchte der Interessensgruppe "Biokälber" beitreten
(Bei Klick landen Sie auf der SIGNAL-Startseite. Der Beitritt ist kostenfrei. Der Austritt aus der SIGNAL-Gruppe ist jederzeit problemlos möglich.)

Bio-Fleisch als Koppelprodukt in der Milchviehhaltung
Theresa Hautzinger, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „mehrWERT Öko-Milch+Fleisch“ an der Hochschule Weihenstephan – Triesdorf (HSWT) stellte die Wertschöpfungskette Bio-Fleisch und Milch dar. Bio-Fleisch sei ein Koppelprodukt in der Bio-Milchviehhaltung, das – unter anderem bedingt durch die sich verändernde Nachfrage – derzeit weniger stark nachgefragt würde als Bio-Milch. In der Regel verlässt das Bio-Kalb die Bio-Wertschöpfungskette und oft auch die Geburtsregion. Ziel des Forschungsprojektes sei es, Kälber aus der bayerischen Bio-Milchviehhaltung in der Bio-Wertschöpfungskette und der Herkunftsregion zu halten. Derzeit gebe es in Bayern 3000 Öko-Milchviehbetriebe, aber nur 200 Öko-Mäster, sprich, es werden viel mehr Öko-Kälber geboren als es Mastplätze gebe.

Fresseraufzucht gibt es im Ökolandbau nicht
Den konventionellen Betriebszweig „Fresseraufzucht“, sprich, dass Tiere im Alter von fünf bis sechs Wochen mit einem Lebendgewicht von 80 bis 90 kg an einen Aufzuchtbetrieb abgegeben werden, um dort 14 bis 15 Wochen bis zur Abgabe an einen Mastbetrieb aufgezogen zu werden, gibt es im Ökolandbau nicht.
Lösungsansätze könnten unter anderem Kooperationen mit Bio-Mastbetrieben sein. Auch die kuhgebundene Kälberaufzucht könnte die Problematik entzerren. Mehrerlöse für die Mast von Bullenkälbern könnten über Milch und Fleisch generiert werden, denn die meisten Mastbetriebe vermarkteten das erzeugte Fleisch direkt ab Hof. Hautzinger zeigte auf, dass im Rahmen eines Pilotprojektes im Schwarzwald Landwirte von der kuhgebundenen Kälberaufzucht begeistern waren, die ihnen Arbeitserleichterung und mehr Zeit für die Tierbeobachtung bescherten. Diesbezüglich kamen aber auch kritische Stimmen aus den Reihen der Teilnehmer. „Ich habe beobachtet, dass sich in der 3. Generation unserer Mutterkuhherde Mensch und Herde entfremdet haben“, meinte ein Teilnehmer aus dem Nürnberger Land. Laut seinen Erfahrungen wären die Muttertiere so stark auf ihre Kälber fixiert gewesen, dass sie niemanden mehr an sich herangelassen hätten. Diese Rückmeldungen hatte Hauzinger ebenfalls vereinzelt in einer Umfrage erhalten.
„Bei hohen Milchpreisen ist die kuhgebundene Aufzucht teuer“ resümiert die Wissenschaftlerin. Herausforderungen seien neben dem Image-Problem des Rindfleisches auch die unzureichenden Vermarktungsstrukturen und die Konkurrenzsituation zur Öko-Mutterkuhhaltung, fasste Hautzinger zusammen. Die kuhgebundene Aufzucht rechne sich insbesondere bei der Nutzung von Altgebäuden[Kuschel J1] und funktioniere mit verlässlichen Partnern im vor- und nachgelagerten Bereich, so die Wissenschaftlerin.

Biofleisch-Absatz sinkt
„18% des Bio-Fleischmarktes sind Fleischersatzprodukte, Tendenz steigend“, machte Naturland-Berater Konrad Maier deutlich. Des Weiteren nehme der Absatz an Bio-Fleisch ab, sei aber höher als im Corona-Jahr 2020. Auch seiner Meinung nach sei das Bruderkalb problematisch, welches hohe Aufzuchtkosten verursache und wofür die Märkte fehlten. Da etwa 30% der Mutterkuh-Betriebe biozertifiziert seien, kämen die Mastbetriebe günstig an Fresser. „Abhilfe könne einerseits durch Betriebskooperationen mit Ammenkuhhaltern geschaffen werden“, ist Maier überzeugt. Aber auch die Erschließung neuer Märkte, die Quersubventionierung des Bruderkalbes über eine Art „Solidaritätsaufschlag“ auf Milchprodukte oder eine staatliche Bruderkalbprämie könnte sich Konrad Maier als Lösung vorstellen.

Krankheiten und Rangkämpfe vermeiden
Ein Aspekt, warum Bio-Mastkälber häufig überregional bezogen würden, sei, dass größere Mengen an Masttieren aus Bundesländern wie etwa Sachsen von einem Anbieter bezogen werden könnten. „Die Landwirte möchten größere Anzahlen an Kälbern aus einem Stall und nicht von mehreren Tierhaltern. Dadurch vermindere sich das Risiko für die Einschleppung von Krankheiten und Rangkämpfe in den Herden“ schilderte Viehhändler Michael Bauer seine Erfahrungen.

Im Anschluss an die Vorträge tauschten sich die Tierhalter untereinander aus, machten Vorschläge und äußerten Wünsche, um in diesem seit Jahrzehnten schwelenden Thema vielleicht etwas zu bewegen. „Mir gefällt es, wenn die Rinder auf der Weide sind. Wir sollten möglichst viele Nebenerwerbslandwirte mit dem sprichwörtlichen „Weidefieber“ anstecken, um diese für die Mast von Öko-Tieren zu gewinnen“, meinte ein Landwirt aus Burglengenfeld, dessen Tiere bereits seit Jahrzehnten auf der Weide stünden.


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