Schmidstadt ist ein besonderer Ort. Alle acht landwirtschaftlichen Betriebe wirtschaften hier ökologisch – wohl eine seltene Konstellation, vielleicht sogar die erste dieser Art in einem Dorf der Region. Die Höfe stehen nicht einfach nebeneinander. Sie tauschen sich aus, arbeiten zusammen und ergänzen einander. Was auf den Feldern wächst, soll nicht möglichst anonym in weite Handelswege verschwinden, sondern Teil einer Versorgung werden, die vor Ort beginnt und vor Ort Nutzen stiftet.
In diesem Gefüge hat der Betrieb von Harald und Judith Heinl eine eigene Aufgabe übernommen: Hülsenfrüchte und Buchweizen.
Vom Spargel zu den Spezialkulturen
Der Hof wird im Nebenerwerb geführt. Harald Heinl arbeitet hauptberuflich als Umweltgutachter für Zertifizierungsunternehmen; studiert hat er Umwelt- und Verfahrenstechnik. Landwirtschaft ist für ihn dennoch keine Nebensache. Seit Generationen gehört der Betrieb zur Familie. 1997 stellten seine Eltern den früheren Milchviehbetrieb auf Ackerbau um. Später wurde Spargel angebaut, dazu Erdbeeren – Kulturen, die dem Hof Bekanntheit brachten, aber auch viel Handarbeit verlangten.
Als die Arbeitsbelastung zu groß wurde, stand eine Entscheidung an. Einfach auf klassische Marktfrüchte setzen, etwa Raps anbauen und abliefern, wäre möglich gewesen. Doch das war nicht die Richtung, die Harald Heinl suchte. Ihn reizte die Frage, welche Kulturen zum Hof, zu den Böden und auch zu einer zeitgemäßen Ernährung passen könnten.
2019 stellte er den Betrieb auf ökologische Wirtschaftsweise um. Damit fügte sich der Hof in die Entwicklung von Schmidstadt ein. Zugleich stellte sich eine sehr praktische Frage: Wie bleibt ein Acker fruchtbar, wenn auf dem Betrieb keine Tiere mehr gehalten werden und damit kein eigener Wirtschaftsdünger zur Verfügung steht?
Die Antwort fand Heinl in Kulturen, die auf den ersten Blick eher unscheinbar wirken: Linsen, Buchweizen und – versuchsweise – Kichererbsen.
Pflanzen, die mehr können
Auf rund fünf der insgesamt 30 Hektar wachsen heute Beluga-, grüne Puy- und rote Tellerlinsen. Buchweizen gehört inzwischen fest zur Fruchtfolge, während die Kichererbse eher ein Wagnis bleibt. Sie braucht Wärme und eine lange Vegetationszeit. In manchen Jahren kommt sie gut zurecht, in anderen wird es im oberbayerischen Klima zu kühl, damit die Pflanzen zuverlässig ausreifen.
Linsen sind ebenfalls keine Kultur für einfache Lösungen. Sie wachsen filigran und benötigen im Feld eine Stützfrucht, meist Hafer. Gemeinsam stehen die Pflanzen stabiler; bei der Ernte müssen sie später aber wieder sauber voneinander getrennt werden. Kommen im Sommer starke Regenfälle, kann der Bestand zu Boden gedrückt werden. Dann liegen die reifen Pflanzen so flach, dass der Mähdrescher sie kaum noch aufnehmen kann. Auch Buchweizen verlangt Geduld: Er blüht weiter, während an den unteren Teilen der Pflanze die Körner bereits reifen.
Solche Kulturen lassen sich nicht mit derselben Selbstverständlichkeit anbauen wie Weizen, Gerste oder Roggen. Sie verlangen Beobachtung, Erfahrung und die Bereitschaft, mit ihren Besonderheiten zu leben. Gerade das scheint Harald Heinl zu liegen. Buchweizen sei inzwischen fast seine Lieblingsfrucht geworden, erzählt er: „Der gelingt einfach immer!“
Neben dem Anbau spielt dabei auch die Wirkung auf den Boden eine Rolle. Leguminosen wie Linsen können mithilfe von Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft binden und in den Kreislauf des Bodens einbringen. In einer vielfältigen Fruchtfolge sind sie damit nicht nur Lebensmittel, sondern auch ein Baustein für die Bodenfruchtbarkeit im Ökolandbau.
Vom Acker in die Küche
Doch zwischen dem Feld und dem Teller liegt noch einiges an Arbeit. Linsen, Buchweizen und die Stützfrucht müssen nach der Ernte getrocknet, gereinigt und sortiert werden. Steinchen, Pflanzenreste und Haferkörner dürfen am Ende nicht in der Packung landen. Für kleinere Betriebe ist diese Aufbereitung oft die eigentliche Hürde: Wer nur Rohware abliefert, gibt einen wichtigen Teil der Wertschöpfung aus der Hand.
Die Familie Heinl hat sich deshalb entschieden, einen Schritt weiterzugehen. Mit Unterstützung der Öko-Modellregion und ihrer Kleinprojekteförderung investierte der Betrieb in eine eigene Schälmaschine. Damit lassen sich Buchweizen und Linsen so aufbereiten, dass sie in der Küche schneller garen und leichter zu verwenden sind. Was viele aus dem Supermarkt als gelbe oder rote Linse kennen, ist häufig bereits geschält – auch hinter diesem scheinbar einfachen Produkt steckt also Technik und Sorgfalt.
Die Investition macht aus einer anspruchsvollen Feldfrucht ein alltagstaugliches Lebensmittel. Sie schafft einen Mehrwert, der auf dem Hof bleibt, und erleichtert zugleich den regionalen Küchen den Zugang zu heimischen Eiweiß- und Kohlenhydratquellen.
Die Produkte der Familie Heinl finden ihren Weg zu regionalen Partnern, in Hofläden und in die Frische Küche nach Amberg. Auch ernährungsphysiologisch fügt sich das gut in die Zeit. Hülsenfrüchte liefern Eiweiß, komplexe Kohlenhydrate und Ballaststoffe. Sie sind eine Bereicherung für eine ausgewogene Ernährung und ergänzen die traditionelle eher fleischbetonte Ernährung in der Oberfpalz hervorragend. Es entsteht ein neues, regionales Lebensmittel, das die Menschen in der Region unkompliziert zubereiten und essen können.