Albert und Eva Warmuth

Von hier in die Welt

Albert und Eva Warmuth

Albert und Eva Warmuth
© Daniel Delang

Albert Warmuth bezeichnet sich selbst als „satten Zuckerrübenbauern“, wenn er an seine Zeit als konventioneller Landwirt zurückdenkt. Dann kam plötzlich Hans Schöneberg in die Region und gründete einen Biobetrieb. „Meinem Betrieb ging es gut, ich habe nichts hinterfragt und dann kam Hans mit seinen Ziegen, wilden Ideen und Lebensfreude und dem Biogedanken. Ich war sofort fasziniert und überzeugt, dass man davon nicht leben kann. Bei mir dachte ich aber: Wenn ich einen Betrieb sehe, der davon gut lebt, dann stelle ich auch um.“

Doch vorerst ist es nicht so weit, Albert, dessen Vater viele Jahre Bürgermeister war und der aus einer anderen Generation stammt, hat den Freigeist in Albert schon immer argwöhnisch beäugt. Irgendwie zu Recht, dann nach ein paar Jahren ist es so weit: Albert lernt den Betrieb von Armin Knauf kennen und sieht damit einen Biobetrieb, der ähnlich strukturiert und überlebensfähig ist. Also stellt er kurzerhand um. Gegen den Willen des Vaters, wie er betont. „Der hat es nicht verstanden und sich sogar geschämt für mich. Ich konnte es schon nachvollziehen: Als er den Hof übernommen hatte, da wollte man vor allem alle satt bekommen. Das waren ganz andere Ziele direkt nach dem Krieg. In meiner Generation war das anders, geprägt von Tschernobyl, sahen wir ganz andere Aufgaben.“ Abgehalten hat ihn die Sorge des Vaters nicht, es wurde viel gestritten und doch immer gemeinsam weitergemacht. Albert spricht respektvoll und mit viel Verständnis von der Landwirtegeneration seines Vaters. Und macht gleichzeitig klar: Für uns war es anders.

Mit der Umstellung wollten wir das Motto „aus der Region, für die Region leben.“ Das war damals revolutionär auf dem Land. Und es hat auch nie wirklich funktioniert. Eines Tages, nach einem dreitägigen Markt, wo zwar jeder das bunte Gemüse bewundert, aber kaum einer gekauft hatte, steht fest: So geht es nicht. In vielen Jahren passt sich der Betrieb immer wieder an sich verändernde Bedingungen an.
Mittlerweile werden auf 53 Hektar Hokkaidos angebaut. Sie landen im Handel und werden zu Kürbisketchup und Brotaufstrichen weiterverarbeitet. Am Ende ist alles gut. Der Hof erwirtschaftet Gewinn, das Modell geht auf und der Vater erlebt das auch noch und die Familie ist versöhnt. Was sie so lange hat durchhalten lassen? Sturheit? Ja, vielleicht. Aber wenn man die Lebenslust dieses Paares sieht, die Kreativität, dann scheint es die pure Freude an der Partnerschaft mit der Natur zu sein, die ihnen die Kraft gegeben hat.

Dazu haben sie das erste Strohhaus im Süden Deutschlands gebaut, sie bewohnen es noch heute, nach 20 Jahren steht es da wie zur Fertigstellung. „Wir machen jetzt nur noch Freudeprojekte“, erklärt Eva Warmuth und zeigt auch gleich, was sie damit meint. Neben den zahlreichen Skulpturen am Hof, die sie als Künstlerin fertigt, sind es ätherische Öle, die es ihr angetan haben. „Wir produzieren neben Kürbissen ja auch im großen Stil Basilikum und andere Kräuter, ich habe eine Blütenessenz destilliert und experimentiere damit jetzt herum. Die Kürbisse sind für mich Lichtspeicher. Es ist eine Pflanze des Südens, sie kommt extrem gut mit Trockenheit zurecht und ist damit für unsere regenarmen Sommer perfekt. So, wie wir den Kürbis studiert haben, wollen wir weiter die Kniffe der Natur verstehen. Die Weisheit der Natur nutzen, um das Paradies zu gestalten, als das die Erde gemeint ist. Das ist mein Antrieb.“ Eva strahlt während sie spricht, es ist pure Lebensfreude.

Kontakt:
Eva und Albert Warmuth
Öhnbergstr. 20,
97618 Hollstadt
E-Mail: info@strohhaus-warmuth.de

Region: Rhön-Grabfeld