Demeterhof Aufmuth

visionärer Tausendsassa der Bio-Milchwirtschaft

Andi und Original Allgäuer Braunvieh
© Daniel Delang

Das Thema Milch ist seit Jahren ein Dauerbrenner in der Diskussion, wenn es um Ernährung, faire Preisgestaltung für die Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung geht. Milch von Demeter-Höfen hatte zwar schon immer ein gutes Image – was nicht zuletzt an einer Tierhaltung und Erzeugung mit Augenmaß und mit Blick auf das Tierwohl liegt. Dennoch: Auch dies war einigen nicht genug.

2014 sitzen mehrere Allgäuer Demeter-Milchbauern zusammen und überlegen, wie man sich dem scheinbar unumstößlichen Grundsatz des "Wachse oder weiche" entziehen kann. Zu ihnen gehört auch Andreas Aufmuth. Auf seinem Hof in Ruderatshofen, den er mit seiner Frau Sandra bewirtschaftet, hält der junge Landwirt das Original Allgäuer Braunvieh, eine sanfte Zweinutzungsrasse mittlerer Größe mit guter Milchleistung, aber auch mit gutem Fleischansatz. Die Ruhe und Freundlichkeit, die er selbst ausstrahlt, überträgt sich auch auf seine Herde – oder ist es umgekehrt? Jedenfalls ist es für Besucher eine wohltuende Erfahrung zu sehen, wie auf dem Hof von Andreas und Sandra altes, traditionelles Wissen sich mit Offenheit für das Neue vereinigt und zum Wohl für Mensch und Tier umgesetzt wird. Auch die Kinder des Paares sind schon von diesem "Ruhevirus" angesteckt: Luis, 9, und Pia, 6 Jahre alt, sind jedenfalls schon aufmerksame Tierbeobachter und helfen eifrig mit.

Auch für Demeter-Bauern sind Marktzwänge und schwankende Preise eine ständige Gefahr. Und gemeinsam mit seinen Kollegen überlegte Andreas, wie sie ein qualitativ hochwertiges Produkt auch hochpreisig vermarkten könnten und sich damit abheben und ein Stück unabhängiger machen. Die Lösung: reine Heumilch. Kein Kraftfutter, keine Silage, Milch von behornten Tieren und von alten Zweinutzungsrassen. Die Produkte werden im Lohn veredelt, das bedeutet, eine Molkerei füllt für die Bauern Milch mit eigenem Label ab, gleiches geschieht mit der Heumilchbutter und dem Käse, die neu im Sortiment sind. Auch das spart Kosten und ermöglicht trotzdem den Aufbau einer eigenen Marke. Eigeninitiative, auch in Verwaltung und Vermarktung wird hier dennoch großgeschrieben. Bis heute sind die findigen Bauern digital organisiert und sparen so Kosten für Festangestellte und Büro, indem sie auch noch diese Aufgaben übernehmen.

Man könnte mit diesem Ergebnis zufrieden sein – denn der Handel wollte das Produkt unbedingt listen und auch im Fachhandel ist es immer öfter zu sehen. So weit, so gut. Doch dabei soll es nicht bleiben. Die Runde geht noch einen Schritt weiter: Es folgt – nicht zuletzt auf Drängen der Bäuerinnen – die kuhgebundene Kälberaufzucht.

Kalben muss die Kuh jährlich, soll sie weiterhin Milch geben. Schon lange war es aber insbesondere den Bäuerinnen der Initiative ein Dorn im Auge, dass vor allem die männlichen Kälber an konventionelle Viehhändler vermarktet werden. Denn nicht alle Kälber können zur Nachzucht verwendet werden.

Das sollte sich ändern. Alle Bauern der Initiative verpflichten sich daher, die Kälber am Hof zu halten, und zwar als ammengebundene Kälberaufzucht. Die ersten drei Monate, bis sich der Pansen der jungen Tiere so weit entwickelt hat, dass sie Raufutter aufnehmen können, bleiben sie nun bei der Mutter oder einer Amme. Ältere Kühe mit guten Muttereigenschaften eignen sich dabei gut als Amme. Nach dieser Zeit geht es für die Kälber in den "Kindergarten", dort werden die Tiere auch an den Kontakt mit dem Landwirt gewöhnt.

Daraus entwickelte sich nun eine ganzheitliche Betrachtung auf extensive Bewirtschaftung und das Tierwohl. Und auch das Geschäftsmodell wurde entsprechend angepasst: So bietet die Initiative Kalbfleisch, das im Schnitt mindestens 20 Euro pro Kilo kosten muss – 20 Euro, die beim Bauern bleiben. Dazu kommen die üblichen Aufschläge für Groß und Einzelhandel von mindestens 50 Prozent. Ein stolzer Preis, sicher, aber vor allem ein richtig kalkulierter. "Kuhpluskalb" heißt die mutige Initiative, die anspricht, was Vegetarier gern verdrängen: Wer Milch oder Milchprodukte konsumiert, ist auch an der Fleischproduktion beteiligt. Das macht diese Initiative sichtbar und lebt vor, wie eine Landwirtschaft der Zukunft aussehen kann: extensiv, qualitätsbewusst und mit höchsten Ansprüchen ans Tierwohl.


Kontakt:
Biohof Aufmuth
Bergmangstraße 18
87674 Ruderatshofen
08343 2696004
info@biohof-aufmuth.de

https://www.biohof-aufmuth.de/

https://www.heumilchbauern.de/

https://kuhpluskalb.de/

Region: Ostallgäu