Familie Bersch

vom Mut zur richtigen Entscheidung

Familie Bersch
© Daniel Delang

Eigentlich sollte längst Schluss sein. Mit 40 Hektar Ackerland und von den Kollegen an den Rand gedrängt, war Familie Bersch die Lust an der Landwirtschaft schon geraume Zeit vergangen. Dass die Böden immer mehr mit Fungiziden, Pestiziden und Düngemitteln malträtiert wurden, passte Herrn Bersch gar nicht. Ebensowenig das Streben mancher Bauern nach immer höheren Erträgen. Für den Unterhalt der Familie geht Herr Bersch schon lange arbeiten. Die Verpachtung der Flächen an die immer mehr expandierenden konventionellen Kollegen war schon beschlossene Sache.

Doch dann kamen die Kinder dazwischen – und die wollten es anders. Sie brachten den Betrieb noch mal so richtig in Schwung, nicht zuletzt, weil sie für das Land eine Verantwortung empfanden. Das war erst vor wenigen Jahren, genau im Jahr 2016 – und seitdem schwört Bauer Bersch auf die sogenannte „regenerative Landwirtschaft“, die sich vorrangig um den (Wieder-)Aufbau eines gesunden Bodens kümmert. Dabei war er alles andere als ein „geborener Öko", wie er selbst zugibt.

„Landwirtschaft ist Leidenschaft, und ich merke jetzt erst, wie wichtig mir der Aufbau meines Bodens ist. Nachdem ich 40 Jahre lang aktiv dem Bodenleben geschadet habe, gibt es nun für mich viel zu tun“, meint Herr Bersch und erläutert seine Maßnahmen: Zunächst wird der Boden analysiert, auch das Verhältnis der Nährstoffe untereinander. Es wird Zwischenfrucht ausgesät und locker in den Boden eingearbeitet, um sie den Pflanzen leichter zugänglich zu machen. Bei der Verrottung helfen Pflanzenfermente, sogenannte Rottelenker, die für einen schnellen Abbau der verrotteten Pflanzen sorgen und damit das Bodenleben bereichern. – So wird der regenerative Ackerbau neben einem ganzheitlichen Weidemanagement zum wichtigen Baustein einer zukunftsfähigen Landwirtschaft. Bauer Bersch bündelt überwiegend bekannte Maßnahmen zum Humusaufbau und zur Verbesserung des Bodenlebens – und dies macht er mit großer Konsequenz. Und die Fortschritte sind schnell spürbar: „Nun ist alles anders: Wir wollen Ackerraritäten anbauen und direkt vermarkten, Lieferbeziehungen mit Verarbeitern in der Region eingehen und so richtig laut sein beim anders machen“, freut sich Bauer Bersch – natürlich auch mit einem kleinen Seitenhieb auf die Industriehallen der ehemaligen Kollegen. Sein fröhliches Gesicht dabei verrät, dass hier jemand die Tragweite seiner Entscheidung erkannt hat und sich sicher ist, endlich das Richtige zu tun.

Region: Ostallgäu