Kathrin und Hans Kirchberger

Bergbauern auf dem Weg zu Bio  

Kathrin und Hans Kirchberger
© Daniel Delang

Zielstrebig mit Blick ins Weite

Er war immer schon zielstrebig, der Kirchberger Hans. Schon früh war ihm deshalb klar, dass er den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Vorfahren erfolgreich in die Zukunft führen möchte.

Heute bewirtschaftet er gemeinsam mit seiner Frau Kathrin den elterlichen Betrieb. Jedoch in etwas abgeänderter Form: früher wurden hier Kühe gemolken, heute werden die hügeligen Grünlandflächen für die Mast von Weiderindern genutzt.

Hans Kirchberger hat immer schon den Blick in die Zukunft gerichtet. Vielleicht liegt das an der exponierten Lage seines Betriebes. Auf knapp 900 Höhenmetern liegt der Hof am Rande der Gemeinde Fischbachau im Landkreis Miesbach. Vor der Haustür erstreckt sich das Unterland: Bad Feilnbach und der gesamte Landkreis Rosenheim liegen sozusagen zu Füßen. Diesen traumhaften Ausblick genießen die Kirchbergers täglich und vielleicht liegt darin ihre Weitsicht begründet.

Aber die Aussicht begeistert ebenso die Feriengäste, die hier Urlaub machen. Urlaub-auf-dem-Bauernhof ist ein weiteres erfolgreiches Standbein der Familie Kirchberger. Aber mit der exponierten Lage ist auch eine schwierige Bewirtschaftung der steilen Hänge verbunden. In mühevoller Handarbeit wird diese Kulturlandschaft schon seit Jahrhunderten gepflegt.

Damit ist auch Hans Kirchberger aufgewachsen. Und dazu passt auch sein zweites Standbein gut, die berufliche Tätigkeit bei der pro communo AG, einem regionalen Dienstleister mit Sitz beim örtlichen Maschinenring. Dort erschließt Kirchberger neue Geschäftsfelder für Dienstleistungen im ländlichen Raum. Aktuell ist er Projektmanager beim Wiesenkopierverfahren.
„Die Landwirtschaft muss sich weiterentwickeln, aber in eine Richtung, die zum Landkreis Miesbach passt“ so Kirchberger. „Die Flächen müssen auch in Zukunft weiter bewirtschaftet werden, da diese die Grundlage für die Kulturlandschaft im Alpenvorland ist. Es braucht eine zeitgemäße Landwirtschaft, die den Verbraucherwunsch im Fokus hat“. All das treibt Kirchberger um und das hat er auch bei der Weidefleischerzeugung die er seit einigen Jahren betreibt im Kopf.

Für die Weiderindermast bekommen die Kirchbergers die Kälber von einem Biobetrieb in unmittelbarer Nähe. Dort werden immer mehrere Tiere nach dem Absetzen auf den Koglhof gebracht. Nach einer Eingewöhnungsphase führen sie ein Leben in größter Freiheit: ob sie im Stall oder auf der Weide sein wollen, können die Tiere selbst entscheiden. Die 4-ha-große, hüglige Dauerweide ist ein Paradies für die Wiederkäuer. Zwischendurch mähen die Kirchbergers diese Hänge mit der Sense nach, damit wieder junge, schmackhafte Kräuter und Gras nachwächst.
Eine stressfreie Schlachtung der ca. 27 Monate alten Tiere erledigt Metzgermeister Josef Killer aus Wall. Großen Wert legen die Kirchbergers auf eine lange Fleischreifung. Mindestens 3 Wochen bleibt das Fleisch in der exakt temperierten Kühlung, um anschließend als qualitativ hochwertiges Fleisch an den Kunden ab Hof verkauft zu werden. Die extensive Weidehaltung und auch die Fütterung haben einen weiteren wichtigen Einfluss auf den guten Geschmack des Rindfleisches.

Für den Ab-Hof-Verkauf haben Kathrin und Hans schon in den letzten Jahren begonnen, einen stabilen Kundenstamm aufzubauen. Besonders die Mundpropaganda bescherte ihnen viele Stammkunden. Diese kommen gern auf den Koglhof, nicht nur weil sie spüren, dass es den Tieren hier gut geht. Sondern auch weil Kathrin und Hans mit ihrer netten, unaufdringlichen, ehrlichen Art gerne Einblicke in das moderne Leben auf einem Bergbauernhof geben.
Das ergänzt sich auch gut mit dem Angebot von Urlaub-auf-dem-Bauernhof. Die Gäste sind gern hier, das spürt man. Viele Stammgäste sind unter ihnen. Und seit neuestem können sie sich auch ein Stück vom Koglhof nach Hause liefern lassen: per Paket mit Kühlakkus über „Go! Overnight“ wird das Rindfleisch innerhalb 24 Stunden deutschlandweit verschickt. Über die Plattform MIESBACHER WEIDEFLEISCH der Öko-Modellregion wird der Koglhof zusätzlich bekannt gemacht.

„Gerne wollen wir unseren Ab-Hof-Absatz noch weiter ausbauen, aber das muss sich jetzt erst alles einspielen“ so Kathrin Kirchberger und schaut dabei liebevoll auf den neuen Familienzuwachs, Töchterchen Emilia, 2 Monate alt. Die nächste Generation mit Lenzi (10 Jahre) und Sebastian (6 Jahre) ist also schon am heran wachsen, die Zukunft scheint gesichert zu sein.

Hans Kirchberger entwickelt nun seinen Betrieb zielstrebig weiter: Mit der Entscheidung, auf biologische Wirtschaftsweise umzustellen möchte er den Hof weiter erhalten. „Das geht nur, wenn bei der Bewirtschaftung was rausspringt“. Mit dem Einkommensmix aus seinem Angestelltenverhältnis, Fleisch-Direktvermarktung und Urlaub-auf-dem-Bauernhof sieht er sich gut aufgestellt als Vater von 3 Kindern. Der Schritt in Richtung Bio ist eine logische Konsequenz dazu. Der Verbraucher im nahen Großraum München honoriert diese nachhaltige Wirtschaftsweise. Die örtlichen Verhältnisse auf dem Koglhof sind dafür ideal.

Er ist gerade in dieser Umstellungsphase auf Bio: 2 Jahre wird der Betrieb nach den Vorgaben des biologischen Landbaus bewirtschaftet, die erzeugten Produkte dürfen jedoch erst ab dem 1. Januar 2022 als Bioprodukte ausgezeichnet werden. Langfristig ist das für Kirchberger der richtige Weg: „Das passt gut zur immer schon nachhaltigen Wirtschaftsweise in diesem extremen Bergbauerngebiet“.

Er hat noch viele weitere Ideen für die bäuerlichen Betriebe in der Region. Das Obst der Streuobstwiesen wäre noch ein Anliegen von ihm. Eine professionelle Vermarktung und evtl. auch Obstverarbeitung wären eine interessante Sache. „Ein Produkt muss eine Geschichte erzählen, dann läufts!“ so Kirchberger.

Ja, dann sind wir mal gespannt, welche Geschichten noch entstehen am Koglhof – am Rande der Öko-Modellregion Miesbacher Oberland.

www.koglhof.de

Region: Miesbacher Oberland