Natürlich darf beim „größten Stammtisch der Welt“ – so bewirbt die CSU ihren Politischen Aschermittwoch – ein gutes bayerisches Bier nicht fehlen. Was aber, wenn im bayerischen Bier in Zukunft Neue Gentechnik drin ist, undeklariert und damit ohne Wahlmöglichkeit für die VerbraucherInnen?
Das könnte tatsächlich bald der Fall sein, denn auf EU-Ebene wird gerade ein neues Gesetz verhandelt. Geht der Gesetzesvorschlag so durch, wie er aktuell diskutiert wird, gäbe es bald für einen Großteil der Neuen Gentechnik-Pflanzen keine Risikoprüfung mehr – und für Produkte, die aus diesen Pflanzen hergestellt werden, keine entsprechende Kennzeichnungspflicht. Damit wäre es auch nicht mehr möglich, die Erzeugung von Saatgut oder die Herstellung von Lebensmitteln vor Gentechnik-Verunreinigungen zu schützen. Wir alle hätten keine Wahlfreiheit mehr, weder bei der Frage, wie wir Saatgut und Lebensmittel erzeugen, noch bei der Frage, was wir essen und trinken wollen. Außerdem würde ein aufgeweichtes EU-Gentechnik-Recht eine Flut von Patenten nach sich ziehen. Der freie Zugang zur genetischen Vielfalt würde weiter eingeschränkt, und die Landwirtschaft insgesamt in eine enorme Abhängigkeit gebracht.
„Gentechnikfrei“ in Gefahr
Ein breites Bündnis aus bayerischen Organisationen leistet hier Widerstand und fordert: Unser bayerisches Bier und die gesamte bayerische Lebensmittelerzeugung müssen gentechnikfrei und patentfrei bleiben! Mit dem geplanten neuen Gentechnik-Gesetz würden wir unsere europäische Unabhängigkeit bei Saatgut – der Basis unserer Ernährung – verlieren. Es würde unsere wertvollen gentechnikfreien konventionellen und ökologischen Märkte und Wettbewerbsvorteile gefährden. Der Verbraucherschutz – inklusive Wahlfreiheit – würde abgeschafft. Das widerspricht dem gesellschaftlichen Konsens. Deshalb muss sich die CSU gegen diesen Gesetzesvorschlag stemmen!
Thomas Lang, 1. Vorsitzender der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern e.V. (LVÖ): „Ökologische Landwirtschaft arbeitet gentechnikfrei. Wir sind überzeugt, die Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft angesichts von Klimawandel, Artensterben und degenerierten Böden steht, auf nachhaltige Weise bewältigen zu können – anstatt durch eine Aufweichung des bestehenden Gesetzes den Profit großer Saatgutkonzerne zu maximieren und neue Abhängigkeiten zu schaffen. Die bayerischen VertreterInnen in Brüssel müssen sich dafür einsetzen, dass die ökologische sowie die konventionelle, gentechnikfreie Land- und Lebensmittelwirtschaft in Bayern weiter bestehen können! Bäuerinnen und Bauern wollen nicht von Agrarkonzernen abhängig sein, Verbraucherinnen und Verbraucher genauso wenig. Echte Wahlfreiheit und keine Patente, das fordern wir.“
Weitere Fotos: Ab 11:30 Uhr stehen Ihnen Fotos für Ihre Berichterstattung zur Verfügung (Link)
https://nextcloud.bauernstimme.de/index.php/s/PanMSyDGF5FzAAk
Folgende Organisationen waren am Aschermittwoch in Passau dabei:
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Landesverband Bayern e.V., Biokreis e.V., Bioland Bayern, Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e.V. Landesteam Bayern, BUND Naturschutz in Bayern e.V., Demeter Landesverband Bayern e.V., Greenpeace München, Interessengemeinschaft Nachbau, junge AbL Bayern, Kein Patent auf Saatgut!, Katholische Landvolk Bewegung (KLB) Landesverband Bayern, Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ) e.V., NaturFreunde Bayern, Rapunzel Naturkost, Slowfood München, TAGWERK e.V., Zivilcourage.
Mit freundlichen Grüßen,
Maria Lena Hohenester
Geschäftsführerin
+49 89 4423190-11