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Bio - Stiftland - Winter - der 100-jährige Kalender

Zisterzienser-Abt Mauricius Knauer

Projekt: Öko? Logisch!
eine alte Buchseite
Titelblatt Calendarium oecomenicum perpetuum practicum
© EKS

Die IKom Stiftland bündelt verschiedene Projektstellen für die 10 Kommunen des Stiftlandes. Auch die Öko-Modellregion hat als Träger die IKom Stiftland, ebenso die Projektstelle für das europäische Kulturerbesiegel zisterziensicher Kloster- und Kulturlandschaften im Stiftland.

Bereits 2025 konnten Martina Zanner und Antje Grüner einen gemeinsamen Vortrag  über die Zisterzienser und deren Wirken im Stiftland ausarbeiten. Nun folgte ein weiterer Vortrag unter dem Titel:  Der Hundertjährige Kalender - eine Wettervorhersage aus dem Orden der Zisterzienser.

Der 1613/1614 (das kann man so genau nicht sagen) in Weismain geborene Moritz Knauer, war unter dem Namen Mauritius Knauer von 1649 bis 1664 Abt im Zisterzienserkloster Langheim. Als Sohn eines Landwirtes halfen die Verwandten Moritz ein Studium der Theologie zu absolvieren. Während des Studiums sammelte er beachtliche Kenntnisse im medizischen Bereich und unternahm auch astronomische Studien. Martina Zanner ging in Ihrem Teil auf das Wirken und Leben von Knauer genau ein und erklärte den Aufbau des Calendarium Oecomenicum Perpetuum Practicum (beständiger Hauskalender).

Im zweiten Teil versuchte Proejktmanagerin Grüner die Gründe für den Erfolg zu erläutern. Da dies natürlich in keinsterweise statistisch zu jener Zeit im 18Jhd. erhoben worden ist. Knauer stammt wie schon erwähnt aus der Landwirtschaft. Diese hatte wie im gesmat deutschen/europäischen Raum mit der kleinen Eiszeit zu kämpfen. Auch die Wirren des 30-jährigen Krieges hinterliesen Spuren der Verwüstung, Hunger, Krankheiten, Seuchen und Tod.

Die Landwirtschaft im 17Jhd. war relativ einfach geprägt. Durch die Ständegesellschaft hatten die Menschen nicht viel und mussten dennoch ihre Abgaben leisten. Meist gab es nur wenig Tier wie Rinder, Schweine, Schafe und Hühner. Jeder Bauer hatte drei Felder (Dreifelderwirtschaft). Eines für die Winterung, eines für die Sommerung und das dritte lag Brach und wurde für die Tiere genutzt als Weideland. Die Technik war einfach, Räderpflug und Kummet, Weiterentwicklungen gab es keine. Überwiegend waren die Bauern Selbstversorger. Durch die Eiszeit drangen jedoch die Gletscher der Alpen (2x oder 3x) vor und zerstörten ganze Lebensgrundlagen.  Aber auch im Norden verdrängte das Packeis die Menschen.Es gab eine Urbaniesierung. Und für die langanhaltenden kalten Winter und niederschlagsreichen kühlen Sommer die die Ernte verdarben wurden Schuldige gesucht. In dieser Zeit gab es immer mehr Verfolgungen von Minderheiten und Randgruppen wie Juden, kleine christliche Glaubensgemeinschaften und Hexen. Ihnen warf man Schadenzauber am Wetter vor. Auch Knauer nutzte dies in seinem Kalender, wenn das Wetter mal nicht zu stimmen scheinte, waren es Kometen die vom Himmel fielen oder Hexen die durchgeflogen sind!

Das Verstädnis für die Natur war nur ganz Wenigen bewusst. Wolfgang Demtröder sagte: "Man war bis zu, Ende des Mittelalters davon überzeugt, dass eine reine Grundbeobachtung ausreiche, um dann durch reines Nachdenken das Wesen der Natur zu verstehen." Jedoch kam es zu der Zeit der Aufklärung. Naturwissenschaften erwarben erkenntnisreiche Errungenschaften.

Am 9.11 1664 starb Knauer und sein beständiger Hauskalender, der bis dato unter Verschluss nur für das Kloster Langheim diente, kam an die Öffentlichkeit. Das Buch sollte ihm und seinen Mönchen ermöglichen, das Wetter in Franken vorherzusagen und so die klösterliche Landwirtschaft zu optimieren. Es entpuppte sich als Verkaufsschlager und konnte sogar in Übersee Erfolge feiern.

Aber warum kauften die Menschen das Buch?

verschiedene Gründe (von Martina und Antje):

  • Urteil eines späteren Verlegers: "Knauer habe die Gabe und den guten Willen besessen ( Sein Wissen) in zusammengedrängter Kürze und auf die gemeinfasslichste Art dem Publikum mitzuteilen"
  • Preis ca. 2 Gulden --> lange Gültigkeit --> Vererbbar
  • menschlicher Wunsch in die Zukunft zu Blicken
  • Glaubensnot nach so langer verherrender Zustände
  • Hoffnungsschimmer

Knauer war ja nicht allein, er übernahm wohl viel von Anderen. Und auch Pascal, Newton, Franklin, Celcius und Fahrenheit machten sich auf den Weg das Wetter vorhersagen zu können. Knauer war jedoch etwas gefangen in seiner Zeit, vielleicht war sein inneres Kind auch nicht bereit dazu. Er ging von einem geozentrischen Weltbild aus, da die Kirche das Heleozentrische Weltbild als nicht richtig erachtete. Und die Planetenfolge 

Warum machte sich Knauer auf dem Weg einen solchen Kalender zu verfassen?

Er stammte aus der Ladnwirtschaft und kannte sich so mit den Gegebenheiten aus, er kannte die Bauernregeln und sah dies vielleicht als seine Pficht an dem Kloster zu helfen. Astronomische Vorhersagen waren ja auch nichts Neues in der Zeit. Galt doch die Astronomie schon seit Jahrhunderten als Blick in die Zukunft. "In den Sternen liegt die Wahrheit." Machen wir uns nichts vor, bis heute ist die Landwirtschaft primär abhängig vom Wetter und die ökologische noch viel mehr als die konventionelle. Da im Öko-Landbau ein Einsatz von chemisch-synthetischen Dünge und Pflanzenschutzmittel nicht erlaubt sind. So bleibt den Landwirten, Gärtnern und Forstwirten nicht viel übrig als die regionalen Gegebenheiten zu beobachten und deuten zu lernen.

Den Öko-Landbau wie wir ihn heute kennen, gab es zu Zeiten Kauers noch nicht, aber die Landwirtschaft damals war eigentlich nichts anderes als eine Kreislaufwirtschaft wie wir sie heute kennen. Natürlich gab es noch nicht das Wissen über die Bodenlebewesen und die Synergien und Zusammenhänge. Aber Bayer, Monsato und BASF gab es damals auch nocht nicht! Und die Bauernregeln, die haben so manche Agrarier immer noch im Kopf und begleiten die Generationen.

Jedoch mit dem Griff in die Hosentasche und dem daruffolgenden Blick in die WetterApp auf dem Handy kann man zumindest 3 Tage im Vorraus überprüfen ob zum Beispiel eine Ernte möglich ist oder ob man noch warten sollte.

Der Vortrag wurde am 

28.10.2025 beim Obst- und Gartenbauverein in Kastl

28.01.2026 für die VHS im Landratsamt Tirschenreuth

28.03.2026 für den OWV im Ackerbürgerhaus Bärnau

vorgetragen.

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