Wie jedes Jahr beim ersten Weideaustrieb wird es wieder Kühe geben, die ihre Freude über die vielen frischen Wiesenkräuter, die klare Luft und das herrliche Sonnenlicht mit einem Hüpfer kundtun, die überschwänglich über die Weide galoppieren, um dann ihre Nasen tief ins duftende Gras zu stecken und es genüsslich abzurupfen.
Das Weideglück seiner Tiere macht sichtbar, wofür Stefan Gebhardt am Biohof seiner Familie arbeitet: für eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur. Einen Milchviehbetrieb zu führen und Bio-Heumilch herzustellen ist heutzutage eine Überzeugungssache. Es gehört weit mehr dazu als nur die Kühe auf die Weide zu lassen.
Um Verbrauchern einen Einblick in seine Arbeit zu geben, hat Stefan Gehardt gemeinsam mit der Öko-Modellregion Glonn-Mangfalltal-Aying dazu eingeladen, den Weideaustrieb am Daveichtenhof mitzuerleben – mit einer Fragerunde zu Weide, Milch und Co im Anschluss.
Knapp 50 Menschen folgen der spontanen Einladung - vor allem Familien. Die Kühe scheinen etwas überrascht über die vielen kleinen und großen Gesichter und bewegen sich deshalb wohl erstmal vorsichtig und wachsam über den kurzen Weg zur Weide. Erst als das Gras erreicht ist, bricht die Freude durch und die erste Kuh setzt zum Luftsprung an. Dann gibt es kein Halten mehr und nur noch Augen und Nasen für das frische Kräuterbuffet. Mal versunken grasend, mal übermütig galoppierend genießen die Tiere den ersten Weidetag.
3,7 Millionen Milchkühe gibt es in Deutschland, berichtet Stefan Gebhardt. Damit ist Deutschland Europas größter Milcherzeuger. Ein knappes Drittel der Tiere hat Zugang zur Weide. Das ist die artgerechteste Form der Milchviehhaltung und obendrein noch gut fürs Klima und die Artenvielfalt. Doch was so einfach aussieht, bedeutet für Landwirte jeden Tag 1 Stunde mehr Arbeit. Stefan muss sich nicht nur darum kümmern, dass die Tiere raus und zum Melken wieder reinkommen, sondern auch um die Wasserversorgung auf der Weide und darum, dass die Zäune immer intakt und frei gemäht sind. Dabei behält er seine Tiere im Blick, schaut, ob sie gesund sind und ob eine Geburt ansteht. „Gibt es denn trächtige Kühe auf der Weide?“, fragt einer der Besucher. Stefan Gebhardt lächelt und nimmt die Frage dankbar auf: „Jede Kuh ist trächtig“, erklärt er, „nur so funktioniert Milchwirtschaft. Um Milch geben zu können, müssen Kühe etwa ein Mal im Jahr ein Kalb bekommen.“ Es folgen noch viele weitere Fragen, die zeigen, welche Bereicherung der direkte Austausch zwischen Landwirten und Verbrauchern sein kann. So geht es auch um die Leistung der Kühe, die auf der Weide stehen. Im Schnitt geben sie deutlich weniger Milch als Hochleistungskühe, die ganzjährig im Stall stehen. Bald ist klar, warum Weidemilch im Supermarkt deshalb mehr kostet und gleichzeitig, dass dieser Mehrpreis auch eine Investition in unsere Umwelt und damit auch in unsere Gesundheit und natürlich das Tierwohl ist.
Stefan liefert seine Milch an eine große regionale Bio-Molkerei. Die Zuhörerinnen und Zuhörer kennen die Produkte und freuen sich, nun einen Hof hinter der Marke zu kennen. „Da schmeckt der Joghurt beim nächsten Mal gleich nochmal besser“, lacht eine Hof-Besucherin. Was es im Supermarkt jedoch nicht gibt, ist Rohmilch, frisch gemolken und noch unbehandelt, nicht homogenisiert, nicht pasteurisiert. Ein besonderer Genuss, den Stefan seinen Besucherinnen und Besuchern nicht vorenthalten will. Schnell bildet sich eine lange Schlange und während sich Milchkanne um Milchkanne leert, stellt sich Zufriedenheit am Daveichtenhof in Krügling ein. Sich mit der Landwirtschaft zu verbinden, hinter die Kulissen zu blicken und seinen Lebensmitteln mehr Beachtung zu schenken, ist für alle ein Gewinn.