"Zum Roten Ochsen" ist zu Gast in der Öko-Modellregion Naturparkland Oberpfälzer Wald

Eine Reportage über Bio-Landwirtschaft und Bio-Zoigl in der Nordoberpfalz

Projekt: Bio erleben - Information und Bewusstseinsbildung , Bio-Landwirtschaft in der Nordoberpfalz , Bio-Verarbeitung in der Nordoberpfalz

Besuch der Finstermühle

Besuch der Finstermühle
© Lorenz Niemeier

Zum Roten Ochsen ist ein Magazin, dass als Beiblatt in der Südeutschen Zeitung ausgegeben wird. Ziel ist es, die guten und erfinderischen Ideen, Unternehmen und Projekte der Oberpfälzer dem Leserpublikum der SZ vorzustellen, um bei diesen die Lust zu entfachen, in die wunderschöne Oberpfalz zu reisen.
(Information: Zum Roten Ochsen)

Auszug aus Zum roten Ochsen

Gut ist es, weil sie es gut machen
Die Öko-Modellregion Naturparkland Oberpfälzer Wald ist die Gegend, in der man die wirklich wichtigen Leute trifft. Für den Anfang waren wir bei der Familie Weig in der Finstermühle und im Kommunbrauhaus von Eslarn.

Ob sich die Welt bio ernähren kann? Es erscheint möglich, wenn man eine Familie Weig kennenlernt. Aus Überzeugung wirtschaften Thomas und Sieglinde biodynamisch in der Finstermühle, nach Demeter-Richtlinien und den ihren schon seit 1996. Damals waren Biobauern noch nicht geachtet, sondern bestenfalls belacht als Distelzüchter und Ampferstecher. Mittlerweile sehen viele Menschen, dass sie es genau richtig machen – dem aufgezwungenen Wachstum entgegen zu handeln. Wir Stadtromantiker auf Besuch sehen natürlich nicht die Arbeit – aber die offensichtlich entspannten Kühe, die von der Weide in den Stall bummeln. Sie tragen ihre Hörner, sie fressen natürlich, sie haben Bewegungsfreiheit – alles, obwohl ihre Milch gar nicht als Demeter-Produkt vermarktet wird, was einträglicher wäre, aber mit weiterem Transport verbunden. Was hier fehlt? Das Klagen! Wenn die Weigs etwas zu bemängeln haben, dann den lauen Einsatz der Politik für würdevolle Ernährung. Also machen sie es selbst: Tochter Steffi ist 25 und wird den Hof weiterführen.

Der 23. April ist in Eslarn ein spezieller Tag: der offizielle Tag des Bieres fällt mit dem Georgitag zusammen und ehrt daher die beiden Georgs, die das Kommunbrauhaus zu einem Leuchtturm der regionalen Bierkultur gemacht haben. Vornan natürlich Georg Zierer, der mit 94 Jahren immer noch der Meister im holzbefeuerten Brauhaus von 1900 ist, und aufrecht und gewandt verkörpert, dass ein handwerkliches Bier wohl ein segensreiches Produkt sein muss. Zweimal im Jahr, wenn Zoigl-Brauzeit ist – nicht zu kalt, nicht zu warm – legt er den einzigartigen Rebhuhnzoigl aus alten Getreidesorten vor, ursprünglich aus einem regionalen Biodiversitätsprojekt hervorgegangen und unvergleichlich schmelzig und voll am Gaumen. Daneben stattet er die 50 Hausbrauer am Ort mit dem Herz, heißt der Würze für ihr Zoigl aus, das sie dann in offenen Gärbottichen im arachaischen Felsenkeller vollenden. Einer von ihnen ist der zweite Georg, Georg Würfel, der sich als Verwaltungsrat des Marktes Eslarn fürs Fortbestehen des Kommunbrauhauses einsetzt. Verdienst der Öko-Modellregion ist es, diese Kulturprodukte zu erhalten und zu fördern – und damit die Artenvielfalt der Natur und der Menschen. Der Bürgermeister Gäbl bereitet gerade Zebu-Rindern einen Platz auf seinem kleinen Biobauernhof...

Der Eslarner Zoigl ist nun auch auf dem Weg zur Biozertifizierung.
Wer ihn schon jetzt genießen will: Zoiglstum oder mitnehmen beim Getränkemarkt Beer in Eslarn

von Ingrid Niemeier

02.05.2022

Region: Naturparkland Oberpfälzer Wald