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Labertaler Weiderind - Michaela und Sepp Lang

Traditionelle und nachhaltige Landwirtschaft für Mensch und Natur – Sumpfwiesen mit Büffel und Weiden mitten in der Stadt

Michaela und Sepp auf ihrer Weide mitten in der Stadt
Michaela und Sepp auf ihrer Weide mitten in der Stadt
© Daniel Delang

Sepp Lang ist Landwirt mit Leib und Seele. Schon als Kind arbeitete er voller Tatendrang auf dem elterlichen Hof mit, der für ihn stets im Mittelpunkt stand. Gleichzeitig war er immer offen für neue Eindrücke und blickte über den eigenen Tellerrand hinaus. Während seiner Ausbildung verbrachte er gemeinsam mit seiner Frau Michaela mehrere Monate in Kanada, wo beide als Praktikanten auf einer Farm in Ontario arbeiteten. Die dort gesammelten Erfahrungen und Einblicke in andere Lebens- und Wirtschaftsweisen prägen ihren Blick auf die Landwirtschaft bis heute.

2009 übernahm Sepp den elterlichen Betrieb mit Milchviehhaltung. Mit großem handwerklichem Geschick und Freude am Tüfteln entwickelt er seither viele Lösungen selbst, repariert Maschinen oder baut sie eigenständig um. Michaela unterstützt ihn in allen Bereichen des Hoflebens, und auch die beiden Töchter Eva und Valentina wachsen ganz selbstverständlich in die Landwirtschaft hinein. Schon früh halfen sie beim Bau von Weidezäunen mit – und für die Familie ist klar, dass Landwirtschaft weit mehr ist als nur Alltag.

Ein entscheidender Einschnitt erfolgte im Jahr 2016 mit der Aufgabe der Milchviehhaltung. Die hohe Arbeitsbelastung machte eine Neuausrichtung notwendig. Zunächst wurde über alternative Formen der Rinderhaltung nachgedacht, um die bestehenden Strukturen weiter nutzen zu können. Die Umstellung führte zur Färsenmast, doch ein besonderes Tier gab schließlich den Anstoß für eine grundlegend neue Entwicklung: „Burli“, das letzte Kalb aus eigener Zucht, weckte den Wunsch nach Weidehaltung.

2017 wurde dieser Gedanke in die Tat umgesetzt. Gemeinsam mit der Familie entstand die erste Weide. Skepsis aus der älteren Generation gehörte dazu, ebenso wie humorvolle Vorsorge – so wurde vorsorglich sogar die Feuerwehr zu einem „Weidegrillen“ eingeladen. Die befürchteten Ausbrüche blieben jedoch aus, und die Weidehaltung entwickelte sich erfolgreich weiter.

Parallel dazu reifte die Entscheidung zur Umstellung auf ökologische Landwirtschaft, die 2018 vollzogen wurde. Seither wird der Betrieb konsequent nach ökologischen Richtlinien geführt und die Weidehaltung kontinuierlich ausgebaut. Dabei entstand eine besondere Situation: Weideflächen mitten im städtischen Raum. Zwischen Wohnhäusern und Schulen grasen heute Rinder, die von Anwohnerinnen und Anwohnern aufmerksam beobachtet werden. Aus anfänglicher Skepsis wurde schnell Begeisterung, und die Tiere sind inzwischen ein fester Bestandteil des Stadtbildes. Schulklassen verfolgen das Geschehen auf den Weiden, und sogar Geburten können aus nächster Nähe miterlebt werden.

Die Herde umfasst heute rund 115 Tiere, darunter Mutterkühe verschiedener Rassen sowie Kreuzungen mit Wagyu. Diese Vielfalt spiegelt den Anspruch wider, Qualität, Tierwohl und Anpassungsfähigkeit miteinander zu verbinden.

Ein weiterer wichtiger Schritt folgte ebenfalls 2018, als die Idee aufkam, sumpfige Flächen mit Wasserbüffeln zu bewirtschaften. In Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Landschaftspflegeverband entstand ein Konzept, das ökologische und landwirtschaftliche Ziele vereint. Sepp war sofort begeistert von der Möglichkeit, neue Wege zu gehen und gleichzeitig bislang ungenutzte Flächen sinnvoll einzubinden.

Heute lebt eine Herde von rund 35 Wasserbüffeln auf diesen Flächen. Durch ihr natürliches Verhalten tragen die Tiere aktiv zur Landschaftspflege bei, schaffen Wasserstellen und fördern die Biodiversität. So entstehen wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Die Vermarktung der Produkte erfolgt direkt über den Hof sowie über regionale Partnerbetriebe. Mit Hilfe einer Öko-Kleinprojektförderung wurde 2024 ein Verkaufsautomat angeschafft und das Angebot weiter ausgebaut. Neben eigenen Produkten werden dort auch Erzeugnisse anderer regionaler Betriebe angeboten, was die Zusammenarbeit in der Region stärkt.

Ein besonderes Beispiel für diesen Gemeinschaftsgedanken ist das Label „Rottenburger Biotoporiginale“. Es verbindet landwirtschaftliche Betriebe der Region durch gemeinsame Ziele im Bereich Biodiversität und Nachhaltigkeit und macht regionale Qualität für Verbraucherinnen und Verbraucher sichtbar.

Der Betrieb der Familie Lang steht für eine Landwirtschaft, die sich weiterentwickelt, Verantwortung übernimmt und den Dialog mit der Gesellschaft sucht. Mit Mut zu neuen Ideen, einer starken familiären Basis und der Offenheit für ungewöhnliche Wege ist ein Ort entstanden, an dem Landwirtschaft mitten in der Stadt erlebbar wird und eine lebendige Verbindung zwischen Mensch, Tier und Natur schafft.

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