Hasenberghof

Anna und Jörg Ostermeier

Das Foto zeigt eine Frau und einen Mann vor einem Gebäude.

Anna und Jörg Ostermeier
© Daniel Delang

Der Hasenberghof war mal ein konventioneller Milchviehbetrieb mit Anbindehaltung. Der Hof und der Stall noch dazu mitten im Dorf. Wie und ob es mit dem Hof mal weitergehen sollte, war lange unklar. Anna arbeitet bei einem Öko-Großhändler in Vertrieb und Marketing. Als Jörgs Eltern den Hof abgeben wollen, überlegen die beiden lange. Und sind sich schließlich einig: „Wenn wir den Hof übernehmen, dann beginnen wir vollkommen neu und machen es nach unseren Vorstellungen. Dazu gehörte die Umstellung auf Ökolandbau.“ Der Hof wurde übernommen und von Grund auf umgekrempelt: Die Milchkühe kamen weg, der Ackerbau wurde auf Öko umgestellt, ein Hühnerstall für 6000 Tiere gebaut ‒ im Außenbereich, denn die beengte Lage im Dorf hätte keine Entwicklung zugelassen. Bei den Hühnern zeigt sich dann die Hingabe der beiden zu Tierwohl und Ökolandbau.

Der selbst entwickelte Hühnerauslauf ist gut durchdacht: Die Tiere finden sandige Stellen, in denen die Tiere tatsächlich sonnenbaden. Ähnlich dem Menschen legen sie sich hin, strecken Flügel und Beine von sich und verharren eine Weile in dieser Position. Freilich nicht lange, denn gerade bei schönem Wetter ist die Angst vor Greifvögeln in den Tieren sehr präsent. Damit die Tiere das Draußensein genießen können, haben Anna und Jörg daher über 2000 Pappeln gepflanzt. Und in der Tat, die Vögel warten schon darauf, dass sie aus dem Stall können und steuern aufgeregt gackernd direkt auf den Pappelwald zu, in dem sie sich sichtlich wohl fühlen. Die Pappeln wachsen sehr schnell und deren Hackschnitzel dienen den Tieren dann wiederum als Einstreu. Vermengt mit dem Kot wird ein Fermentationsprozess in Gang gesetzt, der Stickstoff und Kohlenstoff speichert und verfügbar macht und auf die Felder des Biobetriebes ausgebracht wird. Ein kleines Sonnenblumenfeld als „Spielplatz“ und Ort für Insekten runden das perfekt durchdachte Hühneridyll ab. Die männlichen Tiere der Zweinutzungsrasse wachsen bei einem Partnerbetrieb auf.
Den 73 bewirtschafteten Hektar Acker sieht man den guten Boden und die Pflege an: Ohne sichtbare Beikräuter steht der Weizen auf dem Feld. Jörg bearbeitet die Felder meist zusammen mit Max, dem dreijährigen Sohn. Der liebt sowohl den Papa als auch den Bulldog über alles.
„Als wir dann mit dem Bau des Hühnerstalles begonnen haben, hatten wir eine Bauhütte oben stehen. Schon bald kamen die ersten Kunden und fragten nach Eiern. Also wurde der Container kurzerhand umfunktioniert und ist heute von Donnerstag bis Samstag ein kleiner Biovollsortimenter. Man findet dort alles, was ich auch mag und beim Kunden kommt es gut an.“ So Anna, die sich über den unerwarteten Zuspruch sichtlich freut. Der Stall liegt an einer gut befahrenen Straße, in weniger als einem Kilometer Entfernung liegen Adelsried und Bonstetten. Seitdem dort ein Bioladen geschlossen hat, ist der Zulauf noch größer. Viele junge Mütter nutzen den Weg auch als willkommenen Spaziergang. „Das hat uns alles so ermutigt, dass wir in unserem Wohnhaus einen Hofladen von 60 Quadratmeter integriert haben.“ Den wollen die beiden Anfang 2023 fertigstellen und freuen sich, wenn es dann mit professioneller Ausstattung und den hellen Ladenräumen ein ganz anderes Arbeiten wird als in der umfunktionierten Bauhütte. Damit ist für die Ostermeiers auch eine beinahe siebenjährige Bauzeit, erst der Stall und dann das Wohnhaus mit Hofladen, abgeschlossen. Die Umstellung ist geglückt. „Mit am meisten freut mich, wie sehr meine Schwiegereltern das alles mittragen. Sie waren von vorneherein mit Leidenschaft dabei und sind unsere größten Unterstützer, obwohl wir alles verändert haben. Dafür haben sie meinen höchsten Respekt.“ So Anna.
Wie es dann weitergeht? Nun, Anna bäckt gerne und gut und der Ort scheint sich jetzt schon als kleines Ausflugsziel zu etablieren. Wir sind fast sicher, dass wir beim nächsten Besuch auch draußen sitzen und eine kühle Schorle genießen können.

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