Bei einem Seminar auf dem Betrieb Hundmeyer erklärte Biolandberater Christoph Schinagl, dass eine Umstellung des Bewirtschaftungssytems beim Grünland sehr kompliziert ist, eher ein Generationenthema, nichts von heute auf morgen. Und ein ganz zurück wie vor 40 Jahren ist ohnehin kaum mehr möglich. Zu vieles hat sich geändert: das Grünland als solches, das Klima, der Zuchtfortschritt des Milchviehs mit einer deutlich höheren Milchleistung. Und außerdem: Eine Pauschalantwort gibt es hier ohnehin nicht. Letztendlich ist jeder Betrieb anders, Standorte, Flächenausstattung, betriebliche Ziele.
So gilt es für jeden Betrieb, der sich mit dem Thema „Artenvielfalt und Milchvieh“ beschäftigt zunächst Antworten auf folgende Fragen zu finden:
Was braucht der Betrieb für ein Futter? Wie viel Futter kann auch weniger hochwertig sein?
Welche Flächen eignen sich überhaupt für eine extensivere Bewirtschaftung?
Welche Düngemittel stehen dem Betrieb zur Verfügung und wo sollen diese ausgebracht werden?
Wann erfolgt die Mahd?
Der Felderrundgang zeigte, dass aus naturschutzfachlicher und betriebswirtschaftlicher Sicht nicht alle Flächen für eine Extensivierung geeignet sind. Fehlen interessante Arten und ist die Fläche sehr nährstoffreich, so führt eine Reduzierung der Düngermengen meist nicht zu mehr Biodiversität.
Umgekehrt können Flächen mit einer gewissen Artenausstattung durch aus ein Entwicklungspotential für den Naturschutz haben. Entscheidend für die Entwicklung der Fläche ist dann insbesondere die Düngeintensität, aber auch die Schnitthäufigkeit und der Schnittzeitpunkt. Als Dünger ist der Festmist die erste Wahl, der er nicht sofort, sondern langfristig wirkt, Humus aufbaut und auch naturschutzfachlich positiv zu bewerten ist. Gülle sollte nur dort eingesetzt werden, wo sie sofort gebraucht wird, da die Gefahr des Nahrstoffaustrags ansonsten zu hoch ist. So sind Güllegaben nach dem letzten Schnitt nicht angebracht.
Was die Nährstoffversorgung der Tiere angeht, so gibt es Phasen, in denen eine hohe Nährstoffversorgung sehr wichtig ist und Phasen, die auch eine weniger intensive Fütterung möglich machen. Zum Beispiel kommt das Jungvieh im zweiten Lebensjahr auch mit weniger hochwertigem Futter aus. Insgesamt rechnet man damit, dass in der Milchviehhaltung 20-25 % der Futtermasse weniger hochwertiges Futter eingesetzt werden können, bei der Mutterkuhhaltung etwa 50%.
So passt das bunte Mosaik von Flächen, die für eine extensivere Nutzung geeignet sind und solche, die intensiver genutzt werden sollten wunderbar mit den Futtermengen – intensiver und extensiver – zusammen, welche seine Tiere benötigen.