Zum Inhalt springen

Symposium „Chiemgau 3 Grad wärmer“

„Landwirtschaft und Lebensmittel – Was haben Sie mit dem Klima zu tun?“

Mensch auf Bühne
Symposium „Chiemgau 3 Grad wärmer“
© Michael Rittershofer

Bei der Anpassung in der Landwirtschaft ist eines sicher: Pauschalrezepte gibt es keine. Was in dem einen Jahr super passt, kann im nächsten Jahre die falsche Wahl sein. Wichtig ist aber auf jeden Fall eine ausgewogene, vielfältige Fruchtfolge mit Kulturarten, welche die Böden mit ihren Wurzeln gut erschließen. Zudem ist es entscheidend, die Bodenfruchtbarkeit, die Bodenstruktur und die Bodengare zu fördern, denn bei guter Struktur nehmen Böden Wasser schneller auf (Schutz vor Hochwasser und Erosion) und können es gleichzeitig besser speichern (Resilienz gegen Trockenheit). Dies geschieht insbesondere durch Auswahl geeigneter Kulturen, durch den Anbau von Zwischenfrüchten und Untersaaten und durch die Reduktion von Bodendruck. Ferner ist eine wirkungsvolle Beikrautregulierung wichtig, um die Wasserkonkurrenz zu vermindern. Um einer Frühjahrstrockenheit zu begegnen, kann es Sinn machen statt Sommerungen mehr Winterfrüchte anzubauen und die Termine für Umbruch und Bodenlockerung entsprechend anzupassen.

Die Landwirtschaft ist aber nicht nur von den Auswirkungen betroffen, sondern sie ist auch Teil der Lösung. Durch Humusaufbau kann in erheblichen Umfang Kohlenstoff der Atmosphäre entzogen und im Boden gespeichert werden. Ein vielfältiger Anbau von Leguminosen als Hauptkultur, Untersaat und Zwischenfrucht ist hierbei ein wichtiger Bestandteil. Von Vorteil ist darüber hinaus der Anbau von Misch- und Dauerkulturen. Zudem ist es von großer Wichtigkeit, wieder Äcker in Grünland umzuwandeln, denn ein vielfältiges Grünland hat ein besonders hohes Humusaufbaupotential – noch höher als Wälder. Weitere Maßnahmen, um Kohlenstoff zu binden, liegt in Agroforstsystemen, Hecken und Feldgehölzen, in einer Einbringung von Pflanzenkohle und der Ausbringung von organischen Düngemitteln sowie in der Wiedervernässung von Moorflächen („Paludikultur“).

Der Ökolandbau schneidet als Wirtschaftsweise hierbei besonders gut ab, da viele dieser Klimaschutzmaßnahmen im Ökolandbau in hohem Umfang zum Einsatz kommen. Dies wird in einer aktuellen Studie der Technischen Universität München bestätigt. Der Ökolandbau verringert die Kosten von Umweltschäden für die Gesellschaft jährlich um 750 bis 800 Euro pro Hektar.

Klimaschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft sind nicht kostenfrei. Deshalb kann ein wirkungsvoller Klimaschutz in der Landwirtschaft nur funktionieren, wenn die Verbraucherinnen und Verbraucher bereit sind, ihre Ernährung umzustellen und mehr Geld für Lebensmittel auszugeben. Die „Planetary Health Diet“ fordert für einen nachhaltigen Speiseplan deutlich weniger Verzehr von Zucker, Fleisch, Eier und tierischen Fetten zu Gunsten von Gemüse, Obst und pflanzlichen Ölen. Eine nachhaltige Ernährung sollte grundsätzlich ökologisch, regional und saisonal ausgerichtet sein. Ein großflächiger Ökolandbau in Deutschland ist möglich, wenn die Tierhaltung und die Lebensmittelverschwendung – 40 Prozent der Lebensmittel erreichen gar nicht unsere Teller – erheblich vermindert werden.

Vorherige Nachricht Nächste Nachricht