Erfolgreiche Zusammenarbeit gewürdigt
Landrat Thomas Habermann begrüßte die Anwesenden und betonte die besondere Atmosphäre des Treffens. „Es hat mir immer Freude bereitet, mit den Bio-Landwirten im Landkreis zusammenzuarbeiten“, sagte er und blickte auf eine erfolgreiche Entwicklung der vergangenen zehn Jahre zurück. Rhön-Grabfeld stehe für Nachhaltigkeit und regionale Wertschöpfung. So habe er sich während seiner Amtszeit immer gerne für die Öko-Modellregion und ihre Akteure eingesetzt. Habermann bedankte sich insbesondere bei den scheidenden Sprecherinnen und Sprechern der ARGE Bio-Bauern Eberhard Räder, Claudia Hartmann, Angela Schaßberger, Hans Schöneberg und Klaus Zimmer für deren langjähriges Engagement.
Die ARGE Bio-Bauern versteht sich als Interessenvertretung der ökologisch wirtschaftenden Höfe im Landkreis. Ihre fünf Sprecherinnen und Sprecher bringen die Anliegen der Praxis unter anderem im Beirat der Öko-Modellregion ein und fungieren als Schnittstelle zur Politik.
Bio-Markt im Wandel
Doch wie steht es aktuell um die Bio-Branche? Andreas Hopf, Geschäftsführer der bayerischen Bio-Erzeugergemeinschaft „Vermarktungsgesellschaft Bio-Bauern mbH“ und Gesellschafter bei der unterfränkischen Erzeugergemeinschaft „Georgs Bio-Bauern“, beleuchtete die aktuelle Marktsituation. In den vergangenen zwei Jahren sei die Nachfrage nach Bio-Produkten wieder deutlich gestiegen. Besonders stark wachse der Absatz im Lebensmitteleinzelhandel – vor allem bei Discountern, Drogeriemärkten und großen Vollsortimentern. Auffällig sei dabei der Vormarsch von Bio-Eigenmarken gegenüber klassischen Markenprodukten.
Gleichzeitig verändere sich die Struktur des Handels: Kleinere Anbieter werden zunehmend von großen Unternehmen verdrängt und auch Bio-Landwirte sitzen plötzlich schnell mit großen Handelspartnern am Tisch. „Die Händler sind nicht die Bösen. Sie machen einfach den Job, den Sie gelernt haben.“, stellte Hopf klar. Dennoch entstehe ein Spannungsfeld zwischen Erzeugern, Handel und Konsumenten.
Denn entscheidend bleibt die Frage: Wie viel sind Verbraucherinnen und Verbraucher bereit, für hochwertige Lebensmittel zu bezahlen? Bio-Produkte seien zwar nach wie vor teurer als konventionelle Ware, doch die Preisunterschiede hätten sich zuletzt spürbar verringert.
Strategien für die Zukunft
Am Ende des Vortrags wurde die zentrale Zukunftsfrage diskutiert: Welche Strategien sind für Bio-Betriebe sinnvoll? Direktvermarktung in der Region oder die Zusammenarbeit mit Handelspartnern? Einzelbetrieb oder Erzeugergemeinschaft? Aus dem Publikum kam die Frage, ob nicht die Politik stärker eingreifen müsse, um faire Rahmenbedingungen zu schaffen.
Andreas Hopf sprach von einer „Zeitenwende“ im Biomarkt. Der wachsende Anteil von Discountern und Handelsmarken erhöhe den Preisdruck – auch im Bio-Segment. Gleichzeitig bewege sich der Trend zu mehr Regionalität und Nachhaltigkeit. Gerade im ländlichen Rhön-Grabfeld sind bereits viele Bio-Betriebe in der regionalen Direktvermarktung aktiv.
„Bio-Landwirte sind weder Gewinner noch Verlierer der Zeitenwende", so Hopf. Die kommenden Jahre stünden unter wechselhaften Aussichten mit Chancen, aber auch Risiken und neuen Abhängigkeiten.
Jeder Betrieb müsse seinen eigenen Weg finden: bei der Wahl der Kulturen ebenso wie bei der Vermarktung. Chancen böten dabei auch Nischenprodukte wie Ölsaaten sowie Futter- und Speiseleguminosen, deren Nachfrage steige, während das regionale Bio-Angebot bislang begrenzt sei.
Eine Landwirtin ermutigte die Runde mit einem zuversichtlichen Impuls: „Vielleicht müssen wir einfach loslaufen und es wachsen lassen!“
Mit frischem Engagement in die Zukunft
Aufbruchsstimmung zeigte sich auch bei den Neuwahlen der ARGE Bio-Bauern. Künftig vertreten Tim Ritter, Paul Schaßberger, Hanna Schmitt, Anna Weber und Franz Wolfschmitt die Interessen der Bio-Landwirtinnen und Bio-Landwirte in Rhön-Grabfeld. Sie werden die Arbeit der Öko-Modellregion weiterhin aktiv begleiten.
Öko-Modellregion Managerin Svenja Arbes bedankte sich abschließend bei allen Beteiligten – insbesondere bei den engagierten Landwirtinnen und Landwirten, die die Entwicklung in den vergangenen Jahren geprägt haben und auch künftig mitgestalten werden.