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Dreierlei vom Landgenuss

Radltour führte zu Biobetrieben nördlich und südlich der Donau – Teilnehmer begeistert

Projekte: Bewusstsein rund um den Ökolandbau, Regionale Wertschöpfung
Die fleißigen Radler:innen beim Zwischestopp bei der Biobäckerei Wagner am Zugsberg
Die fleißigen Radler:innen beim Zwischestopp bei der Biobäckerei Wagner am Zugsberg
© Simone Kuhnt

Beim Bio-Getreidehandel Dankesreiter in Haselbach konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst erspüren, wie aufwändig die Entspelzung von Dinkel ist. Franz Dankesreiter zeigte Getreidereinigung und Trocknung, Mühle, Lager und Hofladen. Seine Frau Katrin gab Tipps zum unkomplizierten Backen frischer Frühstücksemmeln – und stattete ihre Besucher mit einer Geschenkpackung passendem Dinkelvollkornmehl aus. Das Alleinstellungsmerkmal der Dankesreiters ist, dass sie im Gegensatz zu anderen Mühlen und Getreideaufbereitern geringere Chargen annehmen – und somit die kleinen, regionalen Strukturen am Leben erhalten.  „Diesen Betrieb wollte ich schon lange einmal kennenlernen“, sagte Mitradlerin Birgit Stockinger, die mit ihrem Mann Erwin extra aus Sonnen herkam. Die Genussradltour sensibilisiere für die Lebensmittel, die es quasi vor der Haustür gibt, stellte Erwin Stockinger fest.

Von Haselbach führten Pia Auberger und Jenny Mähr, die Managerinnen der beiden Öko-Modellregionen, als Guides ihre Gruppe nach Zugsberg, wo die Biobäckerei Wagner Kaffee und ein großes Stück Kuchen kredenzte. Das i-Tüpfelchen waren die Einblicke, die Geschäftsführer Ferdinand Wagner gewährte: Ihr Vollkornmehl beziehen die Wagners regional und fair vom Getreidehandel Dankesreiter. Seit 2024 fahren alle neun Lieferfahrzeuge elektrisch. 170 Mitarbeiter arbeiten in Schichten rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr. In der Bäckerei sind ausschließlich Bäcker beschäftigt, die mit dem Naturprodukt Mehl vertraut sind und ohne jegliche Backmischungen auskommen. Die Bio-Heumilch für den Cappuccino liefert die Familie Höfler aus Untergriesbach: Sie bekommt pro Liter 1,20 Euro – ein Preis, von dem viele andere Milchviehhalter nur träumen können. „Wenn man das erfährt, wird klar, dass es hier ein bisschen mehr kostet also woanders“, fand Genussradler Horst Zillinger aus Renholding. Die neuesten Wagner- Produkte sind Essig aus Schwarzbrot und Gin aus Alt-Brezen. Und bald kommt erstmals eine Gruppe amerikanischer Schiffstouristen zum Brezen-Drehen. „Dafür ist unser Gin natürlich das perfekte Souvenir“, freut sich Ferdinand Wagner, „Bio hat Zukunft, wir lassen uns schon was einfallen.“

Beeindruckt radelte die Gruppe weiter nach Passau zum Slow Food-Wirtshaus „Goldenes Schiff“. „Obwohl ich aus Passau stamme, bin ich heute zum ersten Mal die Ilz entlang geradelt, dort ist es ja so idyllisch“, schwärmte Anneliese Unholzer aus Kirchberg vorm Wald beim Mittagessen. Dieses passte zum Motto des Tages: Gutes aus der Region gemütlich genießen. Mit dabei waren auch Walter Dankesreiter, Bio-Milchviehhalter aus Otterskirchen, sowie Petra und Franz Dankesreiter, die den gleichnamigen Getreidehandel vor 38 Jahren gründeten. Mit ihnen am Tisch entspannen sich anregende Gespräche. „Besonders in Krisen sind wir kleinen Betriebe gefragt“, stellte Petra Dankesreiter fest. „Es wäre besser für uns als Gesellschaft, viele kleine Betriebe zu haben als wenige große“, pflichtete ihr Walter Dankesreiter bei. Sein Wunsch an die Politik: Die großen besteuern, anstatt sie zu bevorteilen.

Gestärkt ging es nach Dommelstadl zu Familie Huber, in der Öko-Modellregion ILE an Rott & Inn bekannt als „Kaltschmidt`s Biohüttn“. In dem Direktvermarkter-Häuschen gibt es rund um die Uhr neben eigenen Mehlen, Flocken, Grieß und Nudeln von den eigenen Getreidesorten auch Eier, Kaffee, Obst frisch vom Baum, Geschenkkörbe und Rindfleisch in kleinen Packungen. Nach Besichtigung der eigenen Getreidemühle und des neuen Getreideflockers (beides gefördert von der Öko-Modellregion) luden die Hubers ihre Gäste zu einem Picknick ein. Mit Blick auf die Kuh- und Hühnerweiden genossen sie frisches Bauernbrot, Kartoffelkas, Tomaten aus dem Bauerngarten, Zwetschgenkuchen und Bio-Frischmilch. Getreidekollege Franz Dankesreiter aber hatte nur eines im Sinn: Seine Frau und seine Schwester auf ein Softeis einzuladen. Der Eisautomat in Kaltschmidt`s Biohütt`n drehte eine wunderbare Mischung aus Aprikose und Vanille in die Waffel.

„Premiere gelungen“, freuten sich die Organisatorinnen Jenny Mähr und Pia Auberger von den Öko-Modellregionen im Landkreis Passau. So gut, wie es allen gefallen hat, war das wahrscheinlich nicht die letzte Genuss-Radltour. Es lebe der Austausch!

Weitere Bio-Erlebnistage im Landkreis Passau:

Alles Tomate – Hofführung und Verkostung am 12. September in Salzweg
Am Samstag, 12. September, 10 bis 12 Uhr, nimmt Anja Floßmann von der Biogärtnerei Floßmann in Salzweg Besucher mit auf eine Reise durch die Vielfalt alter Tomatensorten. Anmeldung unter oekomodellregion@passauer-oberland.de oder unter Tel.: 08509/9009-20. 

Gemeinsam einen Bienenwald pflanzen – Workshop am 12. September in Fürstenstein
Am Samstag, 12. September, 13 bis 17 Uhr, lädt die Austeja Erlebnisimkerei in Fürstenstein Kinder und Erwachsene ein, einen Bienenwald zu schaffen und Stockbrot zu grillen. Teilnahme kostenlos. Anmeldung über www.erlebnisimkerei-austeja.de.


Innenhoffest am 19. September in Tiefenbach
Am Samstag, 19. September, 10 bis 19 Uhr, lädt die Biobäckerei Wagner zum Innenhoffest mit Markt, Bäckereiführungen, Kinderprogramm und Live Musik ein. Eintritt frei.

Mach es mit Dinkel – Kochkurs am 1. Oktober in Tittling
Am Donnerstag, 1. Oktober, 18 bis 21 Uhr, organisiert die Öko-Modellregion Passauer Oberland in der Realschule Tittling einen Kochworkshop zum Thema Dinkel. Referentin ist Katrin Dankesreiter. Unkostenbeitrag 20 Euro, Anmeldung an oekomodellregion@passauer-oberland.de oder Tel.: 08509/9009-20.

Weitere Informationen zu den Bio-Erlebnistagen gibt es unter https://oekomodellregionen.bayern/ , bei Pia Auberger, (Mail: oekomodellregion@passauer-oberland.de , Tel.: 08509/9009-20) sowie bei Jenny Mähr, jenny.maehr@ile-rott-inn.de).

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