Klimaanpassung in der Landwirtschaft „Wir müssen uns um unsere Böden kümmern!“

Rückblick Online-Seminar "Humusaufbau und Humuszertifikate" mit Dr. Martin Wiesmeier

Projekt: Entwicklungsperspektive Ökolandbau , Information und (Bewusstseins-)Bildung

humusreicher Kompost

humusreicher Kompost
© Daniel Delang

Humus wird oft als das „schwarze Gold“ der Landwirtschaft bezeichnet. Welche Rolle Humus im Klimaschutz spielen kann, welche Maßnahmen Humus fördern und was es mit Humuszertifikaten auf sich hat, darüber sprach Dr. Martin Wiesmeier (LfL, Freising) in einem Online-Vortrag. Die Veranstaltung war Teil der Reihe „Klimaanpassung in der Landwirtschaft“, eine Zusammenarbeit der bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, der Kreisgruppen Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen des Bayerischen Bauernverbands, der Ökomodellregion Rhön-Grabfeld und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt (Saale).

Humus besteht zu 58% aus Kohlenstoff und ist somit einer der größten terrestrischen Kohlenstoff-Speicher. Humusverluste aus unseren Böden führen zu CO2-Emissionen, wohingegen beim Humusaufbau Kohlenstoff aus der Atmosphäre im Boden festgelegt wird.
Wieviel Kohlenstoff unsere Böden aufnehmen können, hänge laut Wiesmeier neben der Landnutzung und der Topographie auch von den Bodeneigenschaften und dem Klima ab. Er hält fest, dass die bayerischen Böden vermutlich über mehrere Jahrzehnte ein großes Potenzial zum Humusaufbau besitzen, wobei in Grünlandböden bereits mehr Kohlenstoff gespeichert sei als in Ackerböden.
An erster Stelle der gängigsten Maßnahmen zum Humuserhalt und -aufbau stünde laut Wiesmeier die Fruchtfolgegestaltung: Der Einsatz von Leguminosen, tiefwurzelnden Zwischenfrüchten, Mischkulturen und Untersaaten sind einige Beispiele. Somit habe auch der Ökolandbau eine wichtige Funktion, um Humus zu erhalten und zu mehren. Ein Wechsel von Acker zu Grünland, die Etablierung von Agroforstsystemen, Hecken und Feldgehölzen könnten ebenfalls dazu beitragen, Kohlenstoff aus der Atmosphäre im Boden zu binden.
Landwirte, die über einen gewissen Zeitraum durch eine geänderte Bewirtschaftung Humus aufbauen, können sich Humuszertifikate ausstellen lassen. Diese werden wiederum von Unternehmen oder Privatpersonen gekauft, um eigene CO2-Emissionen zu kompensieren. Solche Zertifikate könnten laut Wiesmeier zum einen den Humusaufbau und zum anderen die gesellschaftliche Akzeptanz eines Beitrages der Landwirtschaft zum Klimaschutz fördern. Er sieht allerdings einige Schwachstellen in diesem System: Neben einer ungenauen Analytik zur Ermittlung der organischen Kohlenstoffvorräte im Boden stünde unter anderem die Dauerhaftigkeit einer humusaufbauenden Maßnahme in der Kritik.
Unabhängig von finanziellen Anreizen sei es vor allem vor dem Hintergrund des Klimawandels wesentlich, auf eine nachhaltige und humusfördernde Bewirtschaftung zu achten, denn steigende Temperaturen und stagnierende Erträge würden laut Modellierungen bis Ende des Jahrhunderts zu einem Rückgang der organischen Kohlenstoffvorräte in den landwirtschaftlich genutzten Böden führen. Die Umsetzung humusbegünstigender Maßnahmen sei essentiell, um den Humusstatus unserer Böden zu erhalten und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Die Aufzeichnungen des Seminars finden Sie hier.

05.07.2021

Region: Rhön-Grabfeld