Schon seit seiner Kindheit ist Alfons Vilser mit den Bäumen verwurzelt. Früh übernahm er Verantwortung vom Großvater, doch der Weg zum erfolgreichen Bio-Obstbauern war kein geradliniger Spaziergang, sondern eine Schule der genauen Beobachtung. Seine Anfangsjahre waren geprägt von Neugier, aber auch von der Erkenntnis, dass die Natur ihre eigenen Regeln hat. Als die ersten Pflanzungen nicht den erhofften Erfolg brachten, wurde sein Ehrgeiz erst richtig geweckt. „So banal ist das alles doch nicht, wie ich gedacht habe. Man lernt mit jedem Jahr und jedem Baum neu dazu.“ Dieser Satz beschreibt treffend die Haltung, mit der Alfons Vilser seinen Beruf ausübt: als ein Handwerk, das Demut und ständiges Lernen erfordert.
Sortenvielfalt als Herzenssache
Der Spagat zwischen dem Erhalt alter Traditionen und den Ansprüchen des modernen Marktes ist für die Vilsers tägliche Praxis. Alfons Vilser weiß genau, was seine Kundschaft sucht, und verschließt sich diesen Wünschen nicht. „Der heutige Verbraucher möchte einen Apfel, der knackig ist, saftig und fein süß schmeckt – und viele der ganz alten Sorten erfüllen das einfach nicht mehr.“ Doch statt sich nur dem Mainstream zu beugen, geht er einen eigenen Weg. Auf den Hochstämmen seiner Streuobstwiese pflegt er rund 150 alte Apfelsorten – ein Schatz genetischer Vielfalt, der vor allem in die Saftpresse wandert und so seinen Geschmack bewahrt. Gleichzeitig experimentiert er auf den modernen Plantagen mit neuen, robusten Züchtungen. Diese Leidenschaft für die Pomologie pflegt er auch durch den intensiven Austausch in Fachkreisen, immer auf der Suche nach der perfekten Balance zwischen Geschmack, Widerstandskraft und Ertrag.
Herausforderungen meistern: Bio mit Pragmatismus
Die Entscheidung für den ökologischen Landbau in Alteglofsheim war bewusst, auch wenn sie mehr Arbeit bedeutet. Pilzkrankheiten wie Schorf oder Regenflecken fordern die ganze Aufmerksamkeit des Obstbauern. Statt zur chemischen Keule greift Alfons Vilser zu kreativen und schonenden Mitteln – so kommt beispielsweise Backpulver gegen Pilzbefall zum Einsatz. „Im Bioanbau ist es viel Beobachtung und einfach mehr Aufwand“, erklärt er. Wenn die Natur doch einmal stärker ist und die Äpfel optische Makel haben, werden sie nicht aussortiert, sondern zu hochwertigem Saft oder getrockneten Apfelringen veredelt. Nichts verkommt, alles hat seinen Wert.
Die Kunst der Direktvermarktung
Die Individualität des Betriebs spiegelt sich auch im Verkauf wider. Die Vilsers wollen keinen „Allerweltsgeschmack“ liefern, sondern Früchte mit Charakter. Der direkte Draht zur Kundschaft – sei es beim Gespräch im Hofladen oder am Marktstand – ist ihnen wichtig. Hier gibt es ehrliches Feedback, hier entsteht Vertrauen. Technisch ist der Betrieb dabei auf der Höhe der Zeit: Eine eigene Photovoltaikanlage liefert den Strom für die modernen Kühlräume, in denen die Ernte dank ausgeklügelter Technik lange frisch bleibt, ohne viel Energie zu verschwenden.
Blick nach vorn
Alfons Vilser denkt über den eigenen Gartenzaun hinaus. Er engagiert sich dafür, sein Wissen weiterzugeben und hofft, auch die nächste Generation für den Obstbau zu begeistern. Für ihn ist jeder Baum mehr als nur ein Holzgewächs; er ist ein Lebewesen mit Eigenheiten. „Bei jedem neuen Baum geht es auch darum, welche Geschichte er erzählt. Schließlich hat jeder Apfel – und vielleicht auch jeder Baum – seine eigene Persönlichkeit.“ Mit dieser Philosophie bereichern Monika und Alfons Vilser die Öko-Modellregion nicht nur um köstliches Obst, sondern auch um einen Ort, an dem landwirtschaftliche Vielfalt und menschliche Begeisterung wunderbar zusammenfinden.