Die Landwirtschaft hat hier zwar Tradition, ist aber stets offen für neue Ideen. Das war auch bei der Entwicklung des Betriebs so: bis Ende der 1990er Jahre wurden Milchkühe gehalten, 1999 entschied sich die Familie für die Mutterkuhhaltung. Ein Schritt, der sich bis heute bewährt hat. Seit 2003 ist der Betrieb bio-zertifiziert.
Tiere mit Charakter
Wer die Herde beobachtet, merkt schnell, dass jedes Tier seinen eigenen Charakter hat. Deshalb tragen die Rinder auch kreative Namen. Auf der „Teenager-Weide“ leben die Jungrinder und Ochsen, darunter „Gisela“, „Geisenpeter“ oder die Kuh „Kevin“. Die Leitkuh heißt passenderweise „Chefin“. Waltraud und Herbert kennen ihre Tiere genau. Der ruhige Umgang mit der Herde gehört für sie selbstverständlich zum Hofalltag. Die enge Verbindung zwischen Mensch und Tier ist hier am Hof überall spürbar. Vor allem eines zeichnet die Herde aus: ihre außergewöhnliche Gelassenheit.
Vom Weidezaun auf die Kuschelwiese
Eine besondere Idee brachte Tochter Franziska im Jahr 2022 aus Norddeutschland mit nach Hause: das Kuhkuscheln.
Was zunächst ungewöhnlich klingt, hat sich inzwischen zu einem beliebten Angebot entwickelt. Die Besucher nutzen meist am Wochenende die Gelegenheit, den Alltag für einige Stunden hinter sich zu lassen und den Tieren ganz nah zu kommen. Bevor es auf die Weide geht, erhalten die Teilnehmer zunächst eine Einführung. Dabei erfahren sie Wissenswertes über den Betrieb, die Herde und das Verhalten der Rinder. Schließlich geht es beim Kuhkuscheln vor allem um einen achtsamen und respektvollen Umgang mit den Tieren. Danach werden die Schuhe desinfiziert und die Hände an einer Kuhbürste gerieben. So nehmen die Besucher den vertrauten Geruch der Tiere an.
Entschleunigung auf vier Beinen
Auf der Weide zeigt sich schnell, warum das Angebot so viele Menschen begeistert. Hier wird nichts erzwungen. Die Tiere entscheiden selbst, ob und wann sie Kontakt aufnehmen möchten. Wer sich die Zeit nimmt, die Tiere zu beobachten, erlebt ihre Gelassenheit hautnah und versteht schnell, warum das Kuhkuscheln für viele zu einem unvergesslichen Erlebnis wird.
Tradition mit Zukunft
Während das Kuhkuscheln den Schichtlhof um eine besondere Facette bereichert, bleibt die Landwirtschaft das Herzstück des Betriebs. Mit Sohn Michael steht bereits die nächste Generation bereit, den Familienbetrieb weiterzuführen. So verbindet der Schichtlhof traditionelle Landwirtschaft mit neuen Ideen und zeigt, dass beides gut zusammenpasst.
Vielleicht ist es genau diese Mischung: Wo sonst begegnet man an einem Vormittag einer Kuh Kevin und einem Ochsen Gisela und verlässt den Termin anschließend tiefenentspannt?