Biolandhof Braun GbR

Bioland Pionier Sepp Braun und die lebendige Entwicklung seines Betriebes

Biolandhof Braun GbR
© Daniel Delang

Einen Text über Sepp Braun und seinen Hof zu schreiben ist eine echte Herausforderung. Man weiß nicht, wo man anfangen soll. Eins steht fest - Sepp Braun ist ein Bio-Pionier. Innerhalb wie außerhalb der Branche und der Region geschätzt und von vielen bewundert. Er ist beliebter Referent, sobald es um die ökologische Landwirtschaft geht. Zudem engagiert er sich seit Anbeginn in verschiedenen Bereichen des Bioland Verbandes. Und vor allem ist er Landwirt und das mit Leib und Seele. Sein Betrieb ist wie kein zweiter strukturiert, sehr vielfältig und dabei erzielt der Biolandhof Braun eine beträchtliche Wertschöpfung. Wenn man über den Hof in Dürneck spaziert und den Erläuterungen der mittlwerweile drei Betriebsleiterfamilien lauscht, kommt eine regelrechte Bilderbuch-Kreislaufwirtschaft-Stimmung auf. Das macht Freude. Über Sepp Braun sagt man, dass er mit jedem spricht, ob ökologisch oder konventionell, ob Bauer oder Städter...dabei wirkt er nicht abgehoben oder belehrend. Er schafft es Brücken zu bauen. So auch auf seinem Betrieb, eine lebendige junge Truppe ist mit eingestiegen. Aber jetzt erstmal eins nach dem anderen...

Sepp Braun ist jedem, der sich mit Öko-Landbau befasst, als "Der Bauer mit den Regenwürmern" bekannt. So der Titel eines Films von Bertram Verhaag über den Biopionier aus Dürneck bei Freising. Seit über 30 Jahren hat er keinen Pflug mehr für die Ackerbearbeitung eingesetzt. Stattdessen achtet er auf eine hohe Regenwurmpopulation, welche sich positiv auf die Bodenfruchtbarkeit auswirkt. Neben Weizen-, Dinkel- und Roggensorten aus ökologischer Züchtung kultiviert er vor allem auch Kräuter und Luzerne als Futterpflanzen. Spitzwegerich etwa bindet Nitrat. „Jede Pflanze ist für etwas gut. In Partnerschaft mit der Natur zu wirtschaften, heißt den Nutzen entdecken, achten und respektvoll einsetzen.“ so der Biopionier.

Der Hof entwickelt sich lebendig: Seit kurzem hat Simon, Johannas Lebensgefährte, auch eine eigene Mühle am Hof eingerichtet. Mit viel Hingabe und Sorgfalt werden dort verschiedene Mehle, aber auch Dunst und Grieß aus den eigens angebauten ökologischen Getreidesorten hergestellt. Diese bereichern das Sortiment des Hofladens sowie einen kleinen Laden im Münchner Stadtteil Gern. Jeweils Freitag und Samstag können sich so die Städter den Weg zum Hofladen sparen und auf das reichhaltige Angebot eigener Erzeugnisse sowie Gemüse von einer befreundeten Gärtnerei zurückgreifen.

Zusammen mit Lukas Hammer und Simon Reiter haben die Brauns nun eine GbR gegründet. Generationenwechsel in der Landwirtschaft sind oft holprig und nie konfliktfrei. Umso mehr begeistert es, dass die Brauns und die beiden jungen Landwirte den Mut aufbringen, die Zukunft des Hofes auf so ungewöhnliche Art zu sichern. Die Biolandwirtschaft in Dürneck wird also noch lange bestehen. Zurzeit betreut Lukas die Hühner und Bienen, mittelfristig wird er auch die Kühe versorgen und so Sepp und Irene noch mehr entlasten.

Seit vielen Jahren ist eine Käserei Bestandteil des Betriebs. Aus der Milch von rund 20 Kühen (Schwarzbunte mit Zucht auf Lebensleistung und in Form einer muttergebundenen Kälberhaltung) bereitet die angestellte Käserin Petra ein schönes Sortiment an Schnitt- und Edelschimmelkäsen aus Rohmilch sowie weitere frische Milchprodukte wie Frischkäse oder Joghurt. Die Kräuter für die verschiedenen Frischkäsesorten stammen selbstverständlich aus dem eigenen Garten. Das Angebot variiert je nach Jahreszeit.

Der alte Kuhstall, in dem Johanna einen Raum für Feste und Veranstaltungen aller Art nebst einem fantasievollen Bio-Catering für die Gesellschaften anbietet, ist bedingt durch Corona momentan geschlossen. Dennoch blickt sie zuversichtlich und voller Gottvertrauen in die Zukunft. Es wird schon wieder werden und am Hof ist immer genug zu tun.

Bei allem Tun merkt man: Hier sind pure Überzeugungstäter*innen am Werk – und weil das so ist, wird auch die benötigte Energie am Hof selbst erzeugt. Seit über zehn Jahren läuft am Hof eine Holz-Kraft-Anlage, die teerfreies Gas erzeugt. Die anfallende Holzasche wird zur Herstellung von Terra Preta zur Bodenverbesserung verwendet.
Überhaupt, Sepp Braun ist engagiert wie kaum ein zweiter. Er lehrt im Bodenpraktiker interessierten Bio-Landwirten, wie sie den Boden verbessern können. Neu ist das Format Bodenbildung, wo Fähigkeiten und Kenntnisse über die Zusammenhänge vermittelt werden – unabhängig ob bio oder nicht. Doch nicht nur das komplexe Zusammenwirken des Bodenlebens interessiert Sepp Braun. Er ergänzt es um Agroforst, der Entwicklung von Hecken – und auch dem sogenannten Carbon Farming, also der bewussten Bindung von Kohlenstoff aus der Luft durch Humusaufbau. Umso mehr Humus im Boden, desto reicher die Ernten und besser die Wasserspeicherfähigkeit. Er ist mit seinem Biodiversitätsprojekt auf der Suche nach Lösungen, die wirtschaftlich funktionieren und gleichzeitig die Biodiversität und die Bodenqualität verbessern. „Was sich dadurch auch verbessert, ist die Stimmung der Landwirte. Weil das alles miteinander zusammenhängt. Und einem die Natur so viel zurückgibt, wenn wir sie als Partner anerkennen.“

Region: Kulturraum Ampertal