Familie Kratzer - Daschingerhof

perfektionierte Direktvermarktung an Kantinen

Lorenz, Barbara und Tobias Kratzer
© Daniel Delang

Es ist ein Vater-Sohn-Gespann, wie es heute nur noch selten vorkommt: Lorenz Kratzer und sein jüngster Sohn Tobias bewirtschaften ihren Hof im Freisinger Moos nach Bioland Richtlinien. Das war nicht immer so. Noch vor knapp 25 Jahren war Lorenz Kratzer ein "überzeugter Konventioneller". Doch als er 1996 Sepp Braun begegnet, der ganz in der Nähe seinen damals schon bekannten Biohof betreibt, kommt er ins Grübeln. "Wachse oder weiche – das wollten wir nicht mehr mitmachen", sagt er.

Lorenz wird neugierig, sieht darin auch eine Chance für höhere Wertschöpfung und damit eine Perspektive, den Hof weiter im Vollerwerb zu betreiben. Die Milchkühe weichen einer Mutterkuhherde – heute sind es 30 Kühe plus Nachzucht. Bayerisches Fleckvieh gekreuzt mit französischen Limousin Bullen. Als Genosse und Vorstand der Tagwerk-Metzgerei in Niederhummel hat er jetzt auch direkt Einfluss darauf, wie die Tiere ihren letzten Weg gehen. Und er begleitet sie bis zum Schluss.
Das Fleisch vermarkten Kratzers direkt und bemerken, dass ihnen der Kontakt mit den Verbrauchern guttut. Der Durchbruch gelang den Kratzers durch ein gemeinsames Projekt mit dem BUND Naturschutz. Seit vielen Jahren bewirtschaftete er die Flächen im Freisinger Moos nach dem naturverträglichen Beiweidungskonzept des BUND Naturschutzes. Es ist eine Marke entstanden - das Freisinger Moos Wiede-Rind. Der BUND Naturschutz, die Freisinger Stadtwerke und die Landwirtsfamilie Kratzer sind damit rund um zufrieden - und auch für Erholungssuchende ist ein Mehrwert entstanden. Die Direktvermarktung brachte Lorenz auf die Frage, ob die Vermarktung auch im größeren Rahmen funktionieren könnte. Die Gastronomie, das merkt er schnell, ist schwierig – weil meist nur Edelteile verkocht werden und die Lieferung garantiert sein muss. Er nimmt Kontakt zu Münchner Kantinen auf und stößt bei der Siemens-Kantine auf Interesse.
Das ist der Beginn einer langen und erfolgreichen Kooperation mit Münchner Kantinen. Lorenz betreibt extensive Landwirtschaft – der Großviehbesatz ist der vorhandenen Fläche angemessen, die Tiere leben überwiegend auf der Weide und finden dort reichlich Futter. Nur im Winter gibt's Heu – und nach wie vor kein Kraftfutter. „Es ist gelungen, dass die Kantine dieses Fleisch wertschätzt und dafür einen angemessenen Preis zahlt. Funktioniert hat das vor allem, weil die damalige Leitung und der Küchenchef das wollten und ich mich auch auf deren Bedürfnisse einlassen konnte, immer bereitwillig dazugelernt habe“ erklärt Lorenz Kratzer.
Sukzessive wurden es immer mehr Kantinen und Lorenz Kratzer lernt viel über die Anforderungen von Gemeinschaftsverpflegungen. So beliefert er mittlerweile etliche Kantinen – ganz ohne Werbung, wie Lorenz Kratzer betont. Anstelle der Werbung steht dafür die Beziehungsarbeit: Denn auch die Kantinenkunden sollen den Wert eines regional-extensiven Steaks zu schätzen wissen. Erst dann wird es zu einer runden Sache. So ist Lorenz Kratzer als Botschafter für den Ökolandbau immer wieder in den Kantinen unterwegs und organisiert Führungen am Hof. Damit haben alle die Chance, den Unterschied zur anonymen Ware kennen zu lernen. Mittlerweile berät er andere beim Aufbau solcher Kooperationen.
Tobias hat vor ein paar Jahren die Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister in Schönbrunn bei Landshut absolviert. Die beiden älteren Söhne haben Landwirtschaftstechnik studiert bzw. eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann gemacht – und so ist ein starkes Team entstanden, das sich gegenseitig unterstützt. Lorenz Frau Barbara stets an deren Seite, sie unterstützt ihre Männer bei all ihren Vorhaben. Bei fruchtbaren und lebhaften Gesprächen am Esstisch kommt immer etwas Neues und Spannendes heraus. Sohn Tobias hat sich, angeregt durch den Erfolg des Vaters bei der Fleischvermarktung, vorgenommen, dies auch für Getreide umzusetzen. Dabei gilt, was auch der Vater betont: "Wichtig ist, einen Absatzpartner zu finden, der wirklich Sinn in regionalen Lieferketten und ökologischem Landbau sieht." Und das Bewusstsein dafür steigt ja ständig. So kann man ihn zu diesem Entschluss nur alles Gute wünschen.

Region: Kulturraum Ampertal