Franz Obermayer

Unternehmer und Bio-Bauer

Portrait von Biobauer Franz Obermayer aus Kirchweidach vor seiner Scheune

Landwirt Franz Obermayer aus Kirchweidach
© Daniel Delang

Als erstes empfängt uns eine Katze am Hof. Dann kommt Frau Obermayer und kündigt Franz an, er führt noch ein Gespräch. Kurz darauf erscheint er selbst und sieht so gar nicht aus wie ein Bauer. Als erstes zeigt er uns stolz seine Steinmühle: „Mit ihr malen wir unsere Getreide bedarfsorientiert. Wir erzeugen Dinkel, Emmer, Weizen, Hafer. Die Maschine mahlt langsam, 80 Kilo in der Stunde. Dafür erhitzt sich das Mehl nicht und die Vitamine bleiben erhalten. Für mich ist das eine meditative Arbeit“, ergänzt er kurz danach.
Schnell stellt sich die Frage, warum jemand, der eine erfolgreiche IT-Firma mit Standorten in Bayern und Hamburg leitet, in seiner Freizeit langsam Mehl mahlt und die Felder bearbeitet.
„Für mich war es schon als kleiner Junge erfüllend, meinem Vater am Hof zu helfen. Ich mag die Arbeit bis heute. Hier sind meine Wurzeln. Und diese Wurzeln, die Verbindung zur Erzeugung von Lebensmitteln und der Demut, die man braucht, weil man nicht alles steuern kann in so einer Biolandwirtschaft, das tut mir gut. Es erdet mich und bringt mich immer wieder runter auf das rechte Maß. Ich bin überzeugt davon, dass meine Arbeit in der Firma von meiner Arbeit am Hof profitiert. Am Wochenende bin ich hier, genau wie mein Sohn. Das Abfüllen und der Kontakt mit den Hofläden und Gastronomen, die wir beliefern, verwurzelt mich noch mehr.“
Das Leben als Chef – zumal, wenn sie nicht an einem Ort, sondern über die Republik verteilt ist, ist aufreibend – und die Arbeit am Hof etwa nicht?
„Unter der Woche leite ich einen Betrieb mit 50 Mitarbeitern an drei Standorten und gebe den Takt an. In der Landwirtschaft gibt die Natur den Takt vor, und meine Demut kommt zurück. Das tut mir gut. Der Kontakt zur Natur hat mich vor sechs Jahren bewogen, auf Bio umzustellen. “
Dabei ist es mehr als „nur“ Bio – Franz Obermayers Aufmerksamkeit gilt vor allem der schonenden Bearbeitung. Doch auch da kann er von seiner Unternehmer-Erfahrung profitieren:
„Wir arbeiten pfluglos, nach dem Vorbild von Friedrich Wenz (humusfarming.de), wir bauen Humus auf und arbeiten dazu mit der Firma Positerra zusammen. Damit kompensieren wir das CO2, welches wir in der Firma verursachen: Durch Humusaufbau und damit CO2-Bindung bei uns am Hof, das sind 108 Tonnen pro Jahr.“
Das Programm von Positerra zum Humusaufbau basiert auf Patenschaften zum Klimaschutz. Dabei gehen Unternehmen und öffentliche Institutionen oder auch Körperschaften wie Vereine eine Partnerschaft mit einem landwirtschaftlichen Betrieb ein. Die Überlegung dahinter ist simpel: Emissionen dort auszugleichen, wo sie entstehen – nicht irgendwo durch anonyme „Zertifikate“. Immerhin bindet ein Prozent mehr Humus pro Hektar mindestens 50 Tonnen CO2.


Darüber hinaus wird bei Franz Obermayer auch sonst auf möglichst emissionsfreien Betrieb geachtet:
„Wir fahren zu 70 Prozent mit Elektroautos, arbeiten in Passivhäusern. Ich habe nie den Bezug zur Natur verloren. Dann will man automatisch unsere Lebensgrundlage erhalten. Dem ordne ich alles unter – allerdings bin ich auch davon überzeugt, dass es nicht nur das Richtige ist, sondern dass es sich auch finanziell am Ende rechnet, sich verantwortungsbewusst aufzustellen.“
Nun ist nach dem Unternehmen auch die Landwirtschaft dran: Pfluglose, regenerative Landwirtschaft, Direktvermarktung, Reinigung, Lagerung der Ernte am Hof, ebenfalls energieneutral. Ein perfekter nachhaltiger und kleiner Kreislauf am Hof, eingebunden in die Region. So, wie es bodenständig ist und Zukunft hat.
Eigentlich waren wir wegen des Hofs da. Doch als wir ihn verlassen, wünschen wir uns, dass mehrere Landwirte den Schritt in die Unternehmerbranche täten – oder zumindest mit ihnen vor Ort enger zusammenarbeiten. Es gibt Hoffnung zu erleben, wie gesund man Kreisläufe gestalten kann, wenn die Natur an erster Stelle steht.

Region: Inn-Salzach