Karin Lischka und Herbert Wurm ‒ Bio-Wurm am Bichlerhof in Bergham

Karin Lischka und Herbert Wurm 220603

Die Jungrinder von Karin Lischka und Herbert Wurm haben keine Berührungsängste vor "ihren" Menschen.
© Daniel Delang

Als sich das junge und sympathische Paar kennenlernt, ist Herbert Medizintechniker bei der Firma Rosenberger und Karin Musiklehrerin und Musikerin. Er hat eine „normale“ Arbeitswoche, sie spielt am Wochenende viele Auftritte mit ihrer Band.
Immer wieder springen beide zunächst aushilfsweise auf dem Bauernhof von Herberts Onkel ein.
Herbert ist in Bergham bei Tittmoning im landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern aufgewachsen - in direkter Nachbarschaft der Landwirtschaft des Onkels.
Dann schlägt er aber einen ganz anderen Weg ein und geht zum Studieren weg.

"Wie sehr mir die Landwirtschaft gefehlt hat, bemerkte ich später, als ich wieder damit zu tun bekam“, erklärt Herbert. Der Onkel war auf der Suche nach einem Nachfolger und Herbert und Karin gaben dem Projekt als Quereinsteiger eine Chance.

Damit das Konzept aufgeht, gehen beide auch weiterhin halbtags zur Arbeit. So soll für das Leben gesorgt sein und der Hof kann sich erstmal entwickeln, ohne dass jemand davon leben muss.

Dass sie eigene Wege gehen und das auch können, bemerkt man, wenn man die beiden mit zu den Milchkühen und Kälbern begleitet. „Wir wollten eigentlich eine Mutterkuhherde. Aber der Milchstall und die Tiere waren bereits da. Also suchten wir nach einem Kompromiss und haben seither eine Milchkuhherde mit muttergebundener Kälberaufzucht“, erzählt Karin. „Bei der muttergebundenen Kälberaufzucht werden die frisch geborenen Kälber bei der Mutter gelassen. Kuh und Kalb bekommen für die ersten Tage eine eigene Box. Danach geht es gemeinsam in die Mutter-Kind Gruppe, wobei die Kühe zwei Mal am Tag gemolken werden. Dann, nach ca. einem Monat kommen die Kälber in den „Kindergarten“. Sie sind also ohne die Muttertiere in einer Gruppe und dürfen zweimal am Tag zum Saufen zusammentreffen.“ Die beiden sind vom Konzept begeistert: „Es hat sofort funktioniert. Wir dachten erst, das klappt vielleicht nur bei den Jungkühen, dass sie ihr Kalb annehmen, aber auch die alten Kühe haben ihren neuen Job sofort verstanden und sehr gerne übernommen. Die Kühe haben seither eine richtige Aufgabe und das scheint ihnen sehr gut zu gefallen.“

Wenn ein Kalb mal nicht so fit ist, wird es zum Trinken animiert oder es bekommt auch mal einen Rüffel wenn es zu frech wird. Dadurch, dass die Kälber im ersten Monat ihre Milch, ganz nach Bedarf, am Euter bekommen und auch durch die Fürsorge der Mutter, sind sie sehr gesund und man kann die höhere Menge an Milch, die sie trinken, in den Tierarztkosten wieder einsparen. Die Zeit die man sonst für die Eimerfütterung braucht, verbringt man stattdessen mit dem Hin- und Hertreiben der Kühe und Kälber.

„Es hat sich eine ganz andere Art ergeben, wie wir mit unseren Kühen arbeiten. Man ist viel enger mit ihnen, lernt sie mit ihren Eigenheiten sehr genau kennen und muss die Rangordnung sehr gut klären“ ,berichtet Herbert.

Karin hat auch begonnen, am Hof Gemüse anzubauen. Vielfalt und viel Leben auf dem Hof das ist das Ziel von Herbert und Karin. Nach und nach wollen sie sich eine Direktvermarktung ihrer Produkte aufbauen.

Region: Waginger See - Rupertiwinkel