Bio-Weinbau 🍇🌱
Beim vergangenen Umstellerseminar wurde deutlich, dass der Weinbau vor großen Herausforderungen steht: Wetterextreme, Hitzeperioden, Starkniederschläge und neue Krankheitsbilder erfordern immer mehr Anpassungsfähigkeit. Gleichzeitig zeigen die Praxiseinblicke der Bio-Betriebe von Markus Schmachtenberger (Landkreis Würzburg) und Harald Gunther (Landkreis Miltenberg), dass sich langfristiges Denken auszahlt: Vitale Böden, vielfältige Begrünungssysteme, Humusaufbau und robuste Rebsorten sorgen für stabilere Weinberge und waren für viele Betriebe zentrale Gründe für die Umstellung auf Bio. Die Bio-Winzer raten dabei, zunächst kleine Flächen umzustellen, um Erfahrungen mit Mitteln, Abständen, Mischungen und deren Wirksamkeit zu sammeln und mögliche Verbrennungen besser einschätzen zu können. Herausforderungen wie Traubenwickler oder auch Bicarbonate bei Trockenstress gehören zur Lernphase dazu. Wichtig seien außerdem Offenheit für den Bio-Gedanken in Familie und Betrieb sowie eine hohe fachliche Kompetenz, um Krankheiten wie Oidium oder Peronospora frühzeitig zu erkennen. Rückblickend beschreiben sie die Umstellung als intensiv und fordernd, aber auch als äußerst lehrreich – man lerne seine Rebflächen neu kennen und entwickle eine steile Lernkurve im Pflanzenschutz. Heute sind sie überzeugt: Die Weine wirken tiefer und kräftiger, die Böden sind vitaler und die Reben deutlich resilienter – und der Markt für Bio-Weine ist da.
Bio-Ackerbau 🌱🚜
Klimaanpassung und Bodenschutz zählen zu den zentralen Zukunftsaufgaben der Landwirtschaft. Vielfältige Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte und organische Düngung stärken die Bodenstruktur, erhöhen die Wasserspeicherfähigkeit und machen die Bestände widerstandsfähiger gegenüber Extremwetter. Praktiker Gaetano Bergmann (Landkreis Aschaffenburg) berichtete offen über die Herausforderungen im Bio-Ackerbau – insbesondere Schädlingsdruck, Beikrautregulierung, Nährstoffmanagement und Fragen der Wirtschaftlichkeit. Besonders hilfreich sei für ihn der enge Austausch mit erfahrenen Bio-Betrieben gewesen, um praktische Lösungen zu finden und Sicherheit in den Entscheidungen zu gewinnen. Heute blickt er sehr zufrieden auf die Entwicklung seines Betriebs: Die Bodenstruktur habe sich deutlich verbessert, und gerade im regionalen Zusammenschluss sieht er großes Potenzial für die Zukunft.
Bio-Tierhaltung 🐔🌱
Auch in der Tierhaltung zeigt der ökologische Ansatz ein ganzheitliches System: Tierwohl, Flächenbindung und Kreislaufwirtschaft greifen ineinander. Gleichzeitig stellen klimatische Veränderungen mit schwankenden Futtererträgen, Hitzestress und höherem Krankheitsdruck neue Anforderungen an die Betriebsführung. Für Yvonne Dengel (Landkreis Würzburg) war vor allem der Blick auf die nächste Generation ausschlaggebend – der intensive Pflanzenschutz passte für sie nicht mehr zu ihrer Vorstellung von Landwirtschaft. Deshalb stellte sie den Familienbetrieb in dritter Generation mit rund 280 ha und 1.500 Legehennen in mobilen Ställen auf Bio um. Heute profitiert der Betrieb von lebendigeren Böden, mehr Platz und Auslauf für die Hühner sowie einer größeren Unabhängigkeit von zugekauften Produktionsmitteln. Das betont auch Klaus Rothenbücher (Landkreis Aschaffenburg), dass er mit möglichst wenig zugekauften Betriebsmitteln auskommen möchte. Besonders wertvoll waren für beide der offene Austausch unter Bio-Betrieben. Rückblickend sind sie überzeugt: Ohne die Umstellung wären die Betriebe heute nicht so gut aufgestellt – mit einem festen Kundenstamm, der gezielt Bio und Regionalität nachfragt.
Bio-Imkerei 🐝🌼
Auch in der Imkerei werden die Auswirkungen des Klimawandels immer deutlicher: Verschobene Blühzeitpunkte, Trachtlücken und zunehmender Krankheitsdruck erschweren die Arbeit mit den Bienenvölkern. Für Christian Peter (Landkreis Würzburg), der seit 2008 Bio-Honig erzeugt, war die Umstellung eine bewusste Entscheidung für langfristiges und nachhaltiges Wirtschaften – abseits kurzlebiger Trends und mit dem Anspruch, hochwertige und sichere Produkte für Verbraucherinnen und Verbraucher zu erzeugen. Herausforderungen sieht er vor allem darin, dass es bislang zu wenige ökologisch bewirtschaftete Flächen gibt, während Bienen große Distanzen zurücklegen und sich nicht an Betriebsgrenzen halten. Dadurch ist auch die Bio-Imkerei weiterhin von landwirtschaftlichen und anderen Umweltbelastungen beeinflusst.