Mehr Bio-Flächen, neue Vermarktungswege und der wachsende Einsatz regionaler Bio-Lebensmittel in öffentlichen Einrichtungen belegen den Erfolg der Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Verarbeitung, Kommunen und Gemeinschaftsverpflegung.
Mehr Bio auf dem Acker
Trotz schwieriger Rahmenbedingungen konnte sich der Ökolandbau in der Region weiterentwickeln. Der Anteil der ökologisch bewirtschafteten landwirtschaftlichen Nutzfläche stieg von 11,8 Prozent im Jahr 2021 auf 16,3 Prozent im Jahr 2025. Im Weinbau erhöhte sich der Öko-Anteil von 14 auf 15 Prozent. Gleichzeitig wächst das Interesse an einem Wechsel auf Bio: Die Zahl der Teilnehmenden an den Umstellerveranstaltungen der Öko-Modellregion stieg von 22 im Jahr 2022 auf 92 im Jahr 2026.
Ein Schwerpunkt des ökologischen Gemüsebaus liegt in der Bergtheimer Mulde, dem größten Bio-Gemüseanbaugebiet Bayerns. Rund ein Drittel des im Freistaat verkauften Bio-Gemüses stammt von dort. Auf mehr als 900 Hektar wachsen Karotten, Kohl und weitere Sonderkulturen. Gleichzeitig zählt die Region zu den trockensten Bayerns. Wie Öko-Landbau zur Anpassung an Hitze, Trockenheit und Starkregen beitragen kann, erfuhren die Teilnehmenden der Jubiläumsveranstaltung auf dem Demeter-Biohof von Tobias und Lothar Wild in Unterpleichfeld.
Regionale Wertschöpfung stärken
Mit dem Beitritt zum Netzwerk der bayerischen Öko-Modellregionen konnten seit 2022 erstmals Öko-Kleinprojekte gefördert werden. Nachdem das Programm zunächst verhalten angenommen wurde, sind die Fördermittel seit 2025 regelmäßig überzeichnet. Insgesamt wurden in den vergangenen fünf Jahren 47 Projekte mit einem Investitionsvolumen von über 200.000 Euro angestoßen.
Die geförderten Maßnahmen reichen von einer Kartoffelsortieranlage über ein Ganzkornanalysegerät bis hin zu Verkaufsautomaten und digitalen Vermarktungsangeboten. Besonders erfolgreich entwickelte sich die unterfränkische Bio-Kichererbse: Aus ersten Anbauversuchen entstand eine Liefergemeinschaft, die seit 2023 jährlich rund 50 Tonnen Bio-Kichererbsen an einen Verarbeiter im Chiemgau liefert. Daraus wurden bislang rund zehn Millionen Falafelbällchen mit dem Hinweis „Mit Kichererbsen aus Bayern“ hergestellt. Beim Besuch der Würzburger Vollkornbäckerei Köhler wurde zudem deutlich, wie wichtig regionale Rohstoffe und handwerkliche Verarbeitung für den Erfolg des Öko-Landbaus sind.
Mehr Bio auf dem Teller – Kommunen als Schlüsselakteure
Um die Nachfrage nach regionalen Bio-Lebensmitteln zu stärken, setzt die Öko-Modellregion auf Bildungs- und Vernetzungsarbeit. Mit Kochworkshops, Exkursionen sowie Fachveranstaltungen für Schulen, Kindergärten, Senioreneinrichtungen und Kliniken ließen sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als 600 Menschen erreichen.
Ein wichtiger Meilenstein war der Beschluss des Landkreises Würzburg im Jahr 2022, den Bio-Anteil bei eigenen Veranstaltungen und in seinen Einrichtungen bis Ende 2026 auf mindestens 30 Prozent zu erhöhen. Dieses Ziel wurde bereits übertroffen: In einzelnen Bereichen liegt der Bio-Anteil inzwischen bei 42 Prozent. Mitte 2026 zog die Stadt Würzburg mit einem vergleichbaren Beschluss nach. Auch in städtischen Kitas und bei offiziellen Empfängen soll der Bio-Anteil bis 2030 von derzeit elf auf 30 Prozent steigen.
Oberbürgermeister Martin Heilig und Landrat Thomas Eberth sind sich einig: Der Genuss gesunder, regional erzeugter Lebensmittel verbindet die Menschen in Stadt und Landkreis gleichermaßen. Zudem stärkt eine regionale Lebensmittelversorgung die heimische Landwirtschaft, schont Klima und Umwelt und hält die Wertschöpfung in der Region.
„Die Öko-Modellregion bringt Erzeuger, Verarbeiter, Handel, Gastronomie und Verbraucher zusammen. So entstehen kurze Wege, neue Partnerschaften und mehr Unabhängigkeit. Fünf Jahre sind zwar ein vergleichsweise kurzer Zeitraum, doch das gewachsene Netzwerk und die zahlreichen angestoßenen Projekte zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial in dieser Idee steckt. Die Öko-Modellregion ist damit eine Investition in die Zukunft unserer Region“, betont Landrat Thomas Eberth.
Auch Würzburgs Oberbürgermeister Martin Heilig unterstreicht die Bedeutung der Zusammenarbeit: „Die Öko-Modellregion ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Stadt und Landkreis gemeinsam nachhaltige Entwicklungen voranbringen können. Gute Lebensmittel verbinden Menschen unabhängig davon, ob sie in der Stadt oder auf dem Land leben. Deshalb danken wir allen Beteiligten für ihr großes Engagement und freuen uns darauf, dieses starke Netzwerk auch in den kommenden Jahren weiter auszubauen.“