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Hanf.Wert.Bayern: Gemeinsam die Wertschöpfungskette von morgen gestalten

Knapp 40 Teilnehmende aus Wirtschaft, Forschung und Landwirtschaft diskutierten über die Zukunft der Hanffaser in Bayern

Hanf.Wert.Bayern – Impulse für Infrastruktur, Investitionen und industrielle Wertschöpfung
Hanf.Wert.Bayern – Impulse für Infrastruktur, Investitionen und industrielle Wertschöpfung
© C.A.R.M.E.N. e.V.

Ziel der Veranstaltung war es, Akteure entlang der gesamten Hanffaser-Wertschöpfungskette zusammenzubringen, von Forschung und Entwicklung über Landwirtschaft, Maschinenbau und Verarbeitung bis hin zu Unternehmen aus der Textil- und Baubranche sowie potenziellen Investoren. Im Mittelpunkt stand die Entwicklung gemeinsamer Perspektiven für regionale Wertschöpfungsstrukturen und die Diskussion möglicher Hanf-Hubs beziehungsweise Wertschöpfungszentren in Bayern.

 

Vom Anbau bis zum Endprodukt

Nach der Begrüßung und einer Einführung in den Projekthintergrund des Dialogforums Nutzhanf und Naturfasern verdeutlichte Ely Eibisch, Vizepräsident des Bayerischen Bauernverbandes und Vorstand von C.A.R.M.E.N. e.V. in seinem Impulsvortrag, warum Nutzhanf sowohl für die Landwirtschaft als auch für die industrielle Bioökonomie zunehmend an Bedeutung gewinnt. Deutlich wurde dabei, dass der Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten nur im engen Zusammenspiel aller beteiligten Akteure gelingen kann.

Ein besonderes Highlight der Veranstaltung war die Vorstellung der sächsisch-bayerischen Hanf-Jeans, die gemeinsam von FARMHUS materials und MAC Jeans entwickelt wurde. Dr. Heinz-Friedrich Schönleber und Dr. Jochen Steinwachs zeigten anschaulich, dass die Aufbereitung von regionalen Hanffasern zur Beimischung in der Herstellung von hochwertigen textilen Produkten bereits heute realisierbar ist. Gleichzeitig wurden die Herausforderungen entlang der Prozesskette deutlich: von der Erzeugung geeigneter Faserqualitäten über Aufschluss und Verarbeitung bis hin zu den spezifischen Anforderungen der textilen Industrie. Das Praxisbeispiel machte greifbar, welches Potenzial in Hanffasern aus regionalem Anbau steckt aber auch, an welchen Stellen die Wertschöpfungskette in Bayern noch geschlossen werden muss.

 

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten für Hanffasern
Im weiteren Verlauf der Veranstaltung beleuchteten Fachvorträge aus Praxis und Forschung unterschiedliche Nutzungspfade für Hanffasern und zeigten auf, welches Potenzial der Rohstoff für verschiedene Branchen bietet. Der Vortrag von Matthias Schwarz, Geschäftsführer von Rottal Hanf stellte die ganzheitliche Nutzung der Hanfpflanze in den Mittelpunkt und zeigte auf, wie Fasern und weitere Pflanzenbestandteile für die Herstellung von Bauplatten und anderen biobasierten Baustoffen eingesetzt werden können. Anschließend Präsentierte Susanne Scholcz vom TFZ Ergebnisse aktueller Feldversuche zur Optimierung des Hanfanbaus. Im Fokus standen dabei Einflüsse verschiedener Anbauverfahren auf Ertrag und Faserqualität sowie Erkenntnisse aus dem laufenden Projekt „VorfruchtHanf“, das den Mehrwert von Nutzhanf in Fruchtfolgen untersucht. Den Abschluss des Themenblocks bildete ein Vortrag von Mark Töpfer, Geschäftsführer von Natuvalis. Anhand praktischer Erfahrungen erläuterte er die Anforderungen an Anbau, Ernte und Verarbeitung in Bezug auf die Qualität von Nutzhanffasern für hochwertige textile Langfaseranwendungen und verdeutlichte, dass Bayern für den erfolgreichen Aufbau einer wettbewerbsfähigen Hanffaserwirtschaft eine gemeinsame Roadmap benötigt. Diese soll Akteure vernetzen, Entwicklungsschritte koordinieren und bestehende Fördermöglichkeiten gezielt bündeln, um den Aufbau regionaler Wertschöpfungsstrukturen nachhaltig voranzubringen.

 

Austausch auf Augenhöhe.

Den größten Raum nahm der offene Vernetzungs- und Arbeitsbereich ein. Anhand zahlreicher Materialmuster und Praxisbeispiele berieten sich die Teilnehmenden zu gemeinsamen Ideen für zukünftige Wertschöpfungsstrukturen.

Die knapp 40 Gäste nutzten die Gelegenheit zum intensiven Austausch. Das Teilnehmerfeld war bewusst breit aufgestellt: Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung und Entwicklung, landwirtschaftliche Betriebe, Dienstleistungsunternehmen, Verarbeiter sowie Unternehmen aus der Textil- und Baubranche brachten ihre unterschiedlichen Perspektiven ein. In einer offenen und konstruktiven Atmosphäre wurden Erfahrungen aus der Praxis geteilt, neue Kontakte geknüpft und bestehende Netzwerke weiter vertieft.

Im Mittelpunkt der Diskussionen standen gemeinsame Infrastruktur- und Investitionsbedarfe, Kooperationsmöglichkeiten entlang der Wertschöpfungskette sowie erste Ansätze für eine „Roadmap Hanffaser Bayern“, die den weiteren Ausbau regionaler Strukturen unterstützen soll.

 

Die Nachfrage entscheidet über den Erfolg

Zum Abschluss wurde eine zentrale Frage bewusst provokant in den Raum gestellt: Wann springen die Abnehmer endlich mit auf den Zug auf?

Denn das Potenzial von Hanffasern ist unbestritten, entscheidend für den Aufbau einer tragfähigen Wertschöpfungskette wird jedoch sein, dass Industrie und Markt die verfügbaren Rohstoffe verstärkt nachfragen und in ihre Produkte integrieren. Der aktuelle Trend deutet auf eine stärkere stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe gegenüber der energetischen Verwertung hin. Diese Entwicklung eröffnet auch für Hanffasern neue Chancen.

Die Veranstaltung machte deutlich: Das Wissen, die Innovationskraft und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit sind vorhanden. Nun gilt es, die bestehenden Kompetenzen zu bündeln, Investitionen anzustoßen und gemeinsam die nächsten Schritte zu gehen, damit Hanffasern künftig einen festen Platz in der bayerischen Bioökonomie einnehmen können.

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