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Erstes Bauernhofkino im Landkreis Kelheim begeistert 50 Besucher

Premiere im Landkreis Kelheim: Die Öko-Modellregion Kelheim brachte das Kino erstmals direkt auf den Bauernhof

Projekte: WERTSCHÖPFUNGSKETTE BIO-STREUOBST, INFORMATIONSVERANSTALTUNGEN AUF BETRIEBEN MIT ÖKOLANDBAU FÜR EINHEIMISCHE BEVÖLKERUNG UND TOURISTEN
Personen vor einem Stadl mit Bio-Schildern
Sonja Rieger von der Öko-Modellregion Kelheim (3. von links) und Familie Stöckl mit Georg, Marianne und Lorenz Stöckl (4. bis 6. von links) luden zum Kinoabend ein. Auch der im Film porträtierte Michael Simml und seine Frau Agnes (beide links im Bild) waren persönlich vor Ort.
© Sonja Rieger

Schwül und heiß war der letzte Sommerabend vor dem angekündigten Wetterumschwung - beste Voraussetzungen für einen Kinoabend der besonderen Art. Es herrschte großer Andrang, denn die Besucherzahlen überstiegen die ursprünglichen Anmeldezahlen deutlich. Ganz wie im Kino: Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Die Veranstaltung startete mit der Hofführung auf dem Streuobstbetrieb der Familie Stöckl. Georg Stöckl stellte zunächst seinen Betrieb vor und berichtete über die Entwicklung des Hofes hin zum ökologischen Landbau. Sein Sohn Lorenz erzählte zudem die Entstehungsgeschichte von seiner Idee hin zur inzwischen zweifach prämierten Bio-Streuobst-Schorle, deren Namen "Lilo" sich aus seinem Namen sowie dem seiner Frau Lisa zusammensetzt. Von dem Geschmack der mittlerweile drei verschiedenen Sorten durften sich die Gäste vor Ort gleich selbst überzeugen.

Ein Blick in die Verarbeitung zeigt, wie das Obst schließlich zu Saft wird: In der hofeigenen Presse kann im Herbst auch mitgebrachtes Obst zu eigenem Saft verarbeitet werden. Im Verarbeitungsraum wird der Saft anschließend erhitzt und haltbar gemacht. Dort wird nicht nur Saft abgefüllt, sondern auch Obst zu Marmelade oder Mus eingemacht und des Weiteren in Trockenschränken zu Dörrobst getrocknet. Die Bio-Streuobstprodukte werden allesamt im eigenen Hofladen angeboten. Dieser ist aktuell noch im Obstlager untergebracht, der im Bau befindliche neue Hofladen wurde ebenfalls vorgestellt und soll in diesem Jahr noch eröffnet werden. Auch die Besichtigung des gekühlten Obstlagerraums standen beim Rundgang auf dem Programm: Bei den hochsommerlichen Temperaturen sorgte der Aufenthalt im acht Grad kühlen Lager für die Besucher für eine willkommene Abfrischung.

Nach der Hofführung versammelten sich die Besucher zur Filmvorführung. Der Veranstaltungsraum war gut gefüllt, als der Dokumentarfilm „Der Bauer, der das Gras wachsen hört“ begann. Der Film erzählt die Geschichte von Michael Simml, der bereits in den 1980er-Jahren im bayerischen Wald auf ökologischen Landbau umstellte – zu einer Zeit, als Bio-Landwirtschaft noch keineswegs selbstverständlich war.

Dass Michael Simml und seine Frau selbst vor Ort waren, machte den Kinoabend zu etwas Besonderem. In seiner humorvollen Einführung erzählte er, wie es überhaupt zur Entstehung des Films gekommen war. Anfangs habe er wenig Interesse an einem Filmprojekt über seinen Betrieb gehabt. Nachdem er aber feststellen musste, wie wenig die damalige Politik mit der praktischen Landwirtschaft vertraut war, ließ er sich doch von Regisseur Bertram Verhaag  zu den Dreharbeiten überzeugen. Der gesamte Film wurde innerhalb von nur acht Tagen gedreht.

Während des Films zeigte sich schnell, warum Simml als Protagonist so überzeugend wirkt: Mit seiner leidenschaftlichen und zugleich unterhaltsamen Art gelang es ihm auch in Rohr, die Gäste für seine Sicht auf Landwirtschaft zu begeistern. Im Mittelpunkt steht für ihn ganz klar der Organismus Boden, der als Zusammenspiel von Nährstoffen, Bodenlebewesen und Pflanzen den Erfolg einer nachhaltigen Landwirtschaft ausmacht.

Im Anschluss an den Film stand Simml den Besuchern für Fragen zur Verfügung, was vom Publikum ausführlich genutzt wurde. Es wurde rege diskutiert, nachgefragt und von praktischen Erfahrungen aus der Landwirtschaft bis hin zur Umsetzung im eigenen Gemüsegarten gesprochen. Mit seiner Begeisterung für den ökologischen Landbau konnte Simml die Gäste spürbar anstecken:

"Der Boden ist ein lebendiger Organismus, und das muss da drin sitzen wie’s Vaterunser – da gibt’s nichts anderes. Und dafür bin ich auf der Welt, dass ich mich für dieses Bodenleben einsetze. Das ist unsere Pflicht."   - Michael Simmel am 16.08.2028 in Rohr 

Dabei berichtete er nicht nur aus seinem eigenen Berufsleben, sondern auch davon, dass er bereits andere Landwirte bewegen konnte, auf ökologische Bewirtschaftung umzustellen. 

Für die passende Verpflegung sorgten die Gastgeber mit einer kleinen Brotzeit und Bio-Getränken, sodass aus dem Kinoabend schnell ein geselliges Beisammensein wurde. Nach dem offiziellen Programm bestand noch die Möglichkeit zu einem Rundgang durch den Streuobstgarten und der Gänseweide. Zum Abschluss des Abends nutzten einige Gäste noch die Gelegenheit, den Eintrieb der Gänse in den Stall mitzuerleben.

Die zahlreichen positiven Rückmeldungen noch während und unmittelbar nach der Veranstaltung bestätigten den gelungenen Abend. Das Bauernhofkino bot damit eine stimmige Mischung aus Film, Bio-Landwirtschaft und persönlichem Austausch. 

Der Kinoabend wurde von der Öko-Modellregion Kelheim organisiert. Die Öko-Modellregion ist ein Projekt des Landkreises Kelheim und setzt sich dafür ein, ökologische Landwirtschaft und regionale Wertschöpfung im Landkreis sichtbar zu machen und weiterzuentwickeln. Mehr Infos finden Sie unter  www.oekomodellregionen.bayern/landkreis-kelheim.

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