Der Andrang war überwältigend, die Hofradltour erstmals überbucht. Dementsprechend viel Gewusel herrschte am Sonntag vor der Fritz Mühlenbäckerei in Aying, dem Ausgangspunkt des Ausflugs. Auch Bürgermeister Peter Wagner war gekommen, um die TeilnehmerInnen zu dem besonderen Nachmittag zu begrüßen.
Und dann ging’s los. Nach dem Motto „mittendrin statt nur dabei“ teilte Dirk Hauschild weiße Überbekleidung und Häubchen aus und schon durften die BesucherInnen bei laufendem Betrieb direkt hinein in die Backstube. Der Chef des Hauses persönlich erzählte vom Getreide, welches täglich frisch auf den hauseigenen Osttiroler Steinmühlen gemahlen wird, von langen Teigreifezeiten, handgedrehten Brezen und wie althergebrachte Handwerkstradition mit innovativer Technik ergänzt wird. Der wunderbare Duft von frischem Brot, der die Backstube erfüllte, machte Lust auf’s Probieren. Und so schlemmten sich die Gäste nach der Führung durch ein herrliches Angebot an Brot und süßem Gebäck.
Gut gestärkt machten sich die RadlerInnen auf zur ersten Etappe: 45 min in kleinen Grüppchen und familientauglichem Tempo über Seitenstraßen, Feld- und Waldwege zum Behamhof im Ortsteil Kleinkarolinenfeld. Dort angekommen führten Veronika und Markus Eichler die Gäste direkt in den Kuhstall, wo sie alles fragen durften, was sie schon immer über moderne Demeter-Milchviehhaltung wissen wollten. Speziell der Melkroboter weckte großes Interesse und vielen wurde bei Amortisationszeiten von 20 Jahren pro Stall klar, dass Landwirtschaft etwas für Langstreckenläufer ist und wie sehr rasch wechselnde Rahmenbedingungen für die Produktion das Geldbörsel der Bauern und Bäuerinnen direkt betrifft. Einmal tiefer eingetaucht in die Welt der heutigen Landwirtschaft hingen die BesucherInnen noch lange weiter an den Lippen der Familie Eichler, während sie sich durch Joghurts und verschiedene Käsesorten von Andechser probierten und entdeckten, wie unterschiedlich Milch frisch aus dem Stall bzw. aus dem Kühlregal des Supermarkts schmeckt.
Nach einer weiteren halben Stunde Radfahren erreichte die Gruppe den Hof der Familie Oswald in Göggenhofen. Nach dem Besuch der Angusrinder auf der Weide führten Hermann und Valentin Oswald stolz ihre neueste Anschaffung vor: Die mobile Getreideschäl- und Entspelzungsanlage. Dieses Gerät ermöglicht es kleinen Betrieben erst, ihren eigenen Dinkel und Hafer so aufzubereiten, dass das Getreide im Hofladen verkauft oder direkt zu Brot verarbeitet werden kann. "Es war in unserer Öko-Modellregion lange das fehlende Glied in der Wertschöpfungskette, weshalb die Anschaffung zur Hälfte aus dem ÖMR-Fördertopf für Kleinprojekte finanziert wurde." erklärte Herr Oswald. Mit dem Wissen im Hinterkopf, wie viele verschiedene Arbeitsschritte nötig sind damit aus einem Flecken Erde und ein paar Samenkörnern schließlich so ein wunderbares Dinkelvollkornbrot entsteht, welches Frau Oswald den Gästen im Garten der Familie auftischte, schmeckte Letzteres gleich noch besser.
Viele machten sich schließlich von hier aus auf den Heimweg - angenehm müde, gut gesättigt und voller Eindrücke. "Eine rundum gelungene Verstaltung!" - so das Resümé der TeilnehmerInnen.