Solidarische Landwirtschaft: Was bedeutet das konkret für Verbraucherinnen und Verbraucher?
In der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) tragen mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebes, wofür sie im Gegenzug dessen Ernteertrag erhalten, sie werden Ernte-Teilende. Durch den persönlichen Bezug zueinander erfahren sowohl die Produzierenden als auch die Verbrauchenden die vielfältigen Vorteile einer nicht-industriellen, markt-unabhängigen Landwirtschaft. In Bayern gibt es aktuell 73 Solidarische Landwirtschaften, davon sind 5 in Unterfranken. In Würzburg hat sich die SoLaWü im Jahr 2019 gegründet, seitdem werden rund 275 Haushalte mit regionalem Bio-Gemüse versorgt. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ergibt das die Vorteile der kurzen Transportwege, der direkte Kontakt zu Erzeugern und anderen Mitgliedern, sowie die direkte Unterstützung der regionalen Landwirtschaft. Auf der anderen Seite sind die Vorteile für den Betrieb die planbaren Einnahmen durch feste Beiträge der Mitglieder sowie geringeres wirtschaftliches Risiko, da Ernte und Kosten gemeinschaftlich getragen werden. Damit erfahren beide Seiten eine höhere Wertschätzung für die Lebensmittel, die landwirtschaftliche Arbeit und sind unabhängiger von Supermärkten, Großhandel und Preisdruck.
Film ab – worum geht es?
Gezeigt wurde der Dokumentarfilm „Das Kombinat - Kann Wirtschaft auch solidarisch?“ aus dem Jahr 2023. Der Film beschreibt den Weg des Kartoffelkombinats, einer Genossenschaft, die sich dem Anbau von Gemüse verschrieben hat. Mit der Idee, ökologisch und fair produziertes Gemüse gemeinschaftlich anzubauen, wird die Münchner Genossenschaft die größte solidarische Landwirtschaft Deutschlands. Der Filmemacher Moritz Springer hat das Kartoffelkombinat neun Jahre lang mit der Kamera begleitet und so spannende Einblicke in die Herausforderungen und Chancen auf die Leinwand gebracht.
"Lebensmittel für Menschen anbauen, nicht für Märkte"
Im Gespräch mit Sebastian, Mitgründer der SoLaWü, und Bärbel vom Biohof Kraus-Egbers-Mosmann in Oberaltertheim wird deutlich, was die Solidarische Landwirtschaft von Anfang an ausgemacht hat: der Wunsch, Landwirtschaft jenseits von Ausbeutung zu gestalten. Sebastian kannte das Konzept bereits aus anderen Städten und wollte es auch in Würzburg etablieren. Über persönliche Kontakte fand er schließlich den passenden Betrieb in Oberaltertheim. Für Bärbel und ihren Familienbetrieb, der bereits seit rund 40 Jahren ökologisch wirtschaftet und damit lange als Exot galt, war das Modell eine willkommene Möglichkeit, neue Wege zu gehen. Eine Entscheidung, die sie bis heute nicht bereuen: Die Lebensmittel erfahren eine hohe Wertschätzung, und durch die gemeinsamen Mitmachaktionen der SoLaWü kehren auch mehr Leben und Bewegung auf den Hof zurück. Ein Wachstum in der Größenordnung des Münchner Kartoffelkombinats ist für sie jedoch nicht das Ziel – auch, weil die verfügbaren Anbauflächen begrenzt sind. Als Faustregel im Gemüsebau gilt: Etwa ein Hektar Fläche kann rund 100 Menschen mit Gemüse versorgen. Für die SoLaWü werden derzeit auf 2,5 Hektar vielfältige Gemüsekulturen angebaut. Das Angebot reicht von sommerlichen Salaten, Tomaten, Paprika und Zucchini über Herbstgemüse wie Kürbis und Mangold bis hin zu Winterkulturen wie Grünkohl, Wirsing, Chinakohl und Zuckerhut. Welche Sorten und Kulturen künftig angebaut werden, gestalten die Ernte-Teilenden aktiv mit: Sie können jedes Jahr Rückmeldung geben und ihre Wünsche für das kommende Erntejahr einbringen.
Wir bedanken uns vor allem bei Sebastian Hausmann sowie Bärbel Egbers für ihr Mitwirken. Ein herzlicher Dank geht auch an Landrat Thomas Eberth für seine einleitenden Worte.
Weiterführende Links:
- Verbraucher-Erzeuger-Gemeinschaft (Träger Verein der SoLaWü): https://veg-wuerzburg.de/die-veg/
- SoLaWü: https://veg-wuerzburg.de/die-solawue/
- Beispiel-Päckle: https://veg-wuerzburg.de/die-solawue/beispiel-paeckle/
- Hofladen Kraus-Egbers-Mosmann
- QuerBeet am Bürgerbräu in Würzburg: Freitag 11-18 Uhr, Samstag 8-12:30 Uhr
- QuerBeet in Oberaltertheim: Dienstag & Freitag von 09-11:30 Uhr & 15-18 Uhr