Weidetiere – eine lange Geschichte
Die Verbindung zwischen Mensch, Landschaft und Weidetieren reicht weit zurück. Ulrich Mück spannte einen historischen Bogen von den wilden Weidetieren, die Graslandschaften bereits seit rund 25 Millionen Jahren prägen, bis zur Haltung von Hausrindern vor etwa 7.000 Jahren in Deutschland.
Auch um die Zeitenwende waren Weidetiere fest im Alltag und in der Kultur der Menschen verankert. Ochs, Esel, Hirten und Schafe begegnen uns beispielsweise in der christlichen Überlieferung. Bis ins 19. Jahrhundert waren Rinder und andere Weidetiere zudem ein zentraler Bestandteil der Landwirtschaft und Ernährung. Erst mit der zunehmenden Spezialisierung der Tierhaltung entwickelten sich Milch- und Fleischproduktion immer stärker auseinander.
Dauergrünland – ein wichtiger Kohlenstoffspeicher
Besonders eindrucksvoll waren die Ausführungen zur Bedeutung von Wiesen und Weiden für Boden und Klima. Dauergrünland speichert große Mengen organischen Kohlenstoffs im Boden. Die im Vortrag dargestellten Zahlen für Deutschland zeigen durchschnittlich rund 200 Tonnen Kohlenstoff je Hektar Dauergrünland gegenüber rund 101 Tonnen je Hektar Ackerland (jeweils bis 90 Zentimeter Bodentiefe).
Ein Grund dafür liegt im Wurzelsystem der Gräser: Sie sind an den Verbiss durch Weidetiere angepasst, treiben nach dem Abfressen erneut aus und bilden ein dichtes Wurzelwerk. Abgestorbene Pflanzenbestandteile tragen zur Humusbildung bei. Gleichzeitig schützt eine geschlossene Grasnarbe den Boden vor Erosion und unterstützt die Wasserspeicherung. Der Erhalt von Dauergrünland ist damit auch ein wichtiger Beitrag zum Boden- und Klimaschutz.
Weidetiere fördern die Artenvielfalt
Auch für die Biodiversität spielen Weidetiere eine besondere Rolle. Durch das Zusammenspiel von Fressen, Tritt und den Hinterlassenschaften der Tiere entstehen auf Weiden unterschiedliche Strukturen und Lebensräume. Davon profitieren Pflanzen, Insekten, Vögel und viele weitere Tierarten.
Besonders anschaulich ist das Beispiel der Kuhfladen: Laut der im Vortrag angeführten Fachliteratur nutzen in Mitteleuropa rund 500 verschiedene Insektenarten den Dung von Weidetieren als Lebensraum oder Nahrungsquelle. Diese Insekten wiederum dienen Vögeln, Fledermäusen und anderen Tieren als Nahrung. Weidetiere fördern so vielfältige natürliche Nahrungsketten.
Grünland gehört auf den Speiseplan
Ein weiterer Schwerpunkt war die Ernährungsökologie. Denn Gras und Kräuter können von Menschen nicht direkt als Nahrung genutzt werden. Wiederkäuer wie Rinder besitzen jedoch ein besonderes Verdauungssystem und können Grünlandpflanzen verwerten. So verwandeln sie für Menschen nicht essbare Pflanzen in hochwertige Lebensmittel wie Milch und Fleisch.
Gerade Flächen, die sich kaum für den Ackerbau eignen, können auf diese Weise sinnvoll landwirtschaftlich genutzt werden. Mücks zentrale Botschaft: Eine nachhaltige regionale Ernährung muss die unterschiedlichen Funktionen von Acker- und Grünland berücksichtigen. Milch und Fleisch aus Weidehaltung gehören deshalb mit in die Betrachtung einer vielfältigen regionalen Ernährung.
Heimische Weidehalter stärken – regionale Vermarktung ausbauen
Die Leistungen der Weidehaltung entstehen nicht von allein. Dahinter stehen Landwirtinnen und Landwirte, die ihre Flächen bewirtschaften, Tiere halten und viel Zeit und Engagement investieren. Damit diese Form der Landwirtschaft Zukunft hat, brauchen sie faire Preise, passende Schlachtstrukturen und verlässliche regionale Absatzmöglichkeiten.
Der Vortrag bestärkt die Öko-Modellregion Fränkische Schweiz darin, die heimische Weidehaltung weiter zu unterstützen und die regionale Fleischvermarktung auszubauen.
„Wenn wir unsere Weidehaltung und die damit verbundene Kulturlandschaft erhalten wollen, müssen wir auch die Rahmenbedingungen für unsere Landwirte verbessern. Unser Ziel ist es, heimisches Weidefleisch besser in Wert zu setzen und regionale Vermarktungsstrukturen weiter auszubauen. Dazu gehört auch die Entwicklung einer teilmobilen Schlachteinheit, die eine Schlachtung direkt vor Ort ermöglichen soll“, erklärt Aaron Beyer, Projektmanager der Öko-Modellregion Fränkische Schweiz.
Ein wichtiger Schritt ist bereits getan: Seit Sommer 2026 unterstützt Robin Körber mit seinem neu errichteten Schlachthaus in Leimersberg bei Gößweinstein gezielt die heimischen Direktvermarkter. Die Einrichtung ist speziell auf deren Bedürfnisse ausgelegt und schafft wichtige Voraussetzungen für eine regionale Schlachtung und Vermarktung.
Daran möchte die Öko-Modellregion anknüpfen: Bestehende Strukturen stärken, neue Möglichkeiten schaffen und dafür sorgen, dass die Wertschätzung für heimisches Weidefleisch auch bei den landwirtschaftlichen Betrieben ankommt.
Weidefleisch ist Fleisch mit Zukunft
Der Vortragsabend machte deutlich, wie eng Weidehaltung, Artenvielfalt, Bodenfruchtbarkeit, Klimaschutz und regionale Ernährung miteinander verbunden sind. Wer artenreiche Wiesen, eine lebendige Kulturlandschaft und hochwertige regionale Lebensmittel erhalten möchte, muss deshalb auch die heimischen Weidehalter unterstützen.
Die Öko-Modellregion Fränkische Schweiz bedankt sich bei Ulrich Mück für den informativen Vortrag und bei allen Gästen für das Interesse und den Austausch.