Wie weit sind wir auf dem Weg zu 30% Ökolandbau in Bayern?

Zum 2. Jahrestag zur Annahme des Volksbegehrens „Rettet die Bienen!“ bringt die LVÖ eine Pressemitteilung heraus

Projekt: Öffentlichkeitsarbeit

Feld mit Bio-Emmer (incl. Lerchenfenster) für die Firma Soto

Feld mit Bio-Emmer (incl. Lerchenfenster) für die Firma Soto
© Wolfgang Aicher

München, 8. Juli 2021. Ziel des Volksbegehrens Artenschutz vor zwei Jahren war es, die Arten­vielfalt in Bayern besser zu schützen und wiederherzustellen. Mit der Annahme des Volksbegehrens und der Begleitgesetze wurde beschlossen, diese Ziele auf mehreren Wegen zu verfolgen. Der Ökolandbau ist einer davon, denn er bietet zahlreiche Vorteile unter anderem auch beim Schutz von Lebensraum- und Artenvielfalt. Seit dem 17. Juli 2019 steht deshalb im Bayerischen Naturschutzgesetz, dass bis 2030 mindestens 30% der landwirtschaftlichen Fläche in Bayern ökologisch bewirtschaftet werden sollen. Zwei Jahre nach der Annahme des Volksbegehrens gilt es zu prüfen: Wie weit sind wir auf dem Weg zu 30% Ökolandbau in Bayern? Welche konkreten Maßnahmen wurden beschlossen und umgesetzt? Was muss noch getan werden?

Aktuell werden in Bayern rund 12% der landwirtschaftlichen Nutzfläche ökologisch bewirtschaftet. Seit 2019 kamen knapp 25.000 Hektar hinzu. „Ein Erfolg der Initiative BioRegio 2020 sowie der vereinten Anstrengungen der Bio-Anbauverbände, landwirtschaftliche Betriebe bei Umstellung, Anbau und Vermarktung ihrer Produkte zu unterstützen“, sagt LVÖ-Vorsitzender Hubert Heigl. „Doch um 30 % zu erreichen, brauchen wir mehr Zuwachs, denn 30% bedeuten knapp eine Million Hektar landwirtschaftlicher Fläche“, so Heigl weiter. Zwar sind die angekündigten Maßnahmen wie das neue Kompetenzzentrum für Öko-Gartenbau an der LWG, die weitere Finanzierung der Öko-Modellregionen oder das Forschungsnetzwerk aus Öko-Betrieben zu begrüßen“, sagt LVÖ-Vorsitzender Hubert Heigl. „Doch das Ziel ist ambitioniert. Um es zu erreichen, müssen die Anstrengungen in allen Bereichen systematisch, konsequent und mutig verstärkt werden. Wir brauchen mehr Tempo“, sagt Hubert Heigl.

Tempo steigern auf allen Ebenen
Insbesondere bei der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) muss jetzt darauf gedrungen werden, dass Öko-Betriebe und Umsteller nicht schlechter dastehen als jetzt“, so LVÖ-Vorsitzender Hubert Heigl. Tatsächlich droht durch die aktuelle GAP-Reform eine Benachteiligung der Öko-Landwirtschaft. Ein Viertel der Direktzahlungen wird künftig an Umweltauflagen gebunden (Eco-Schemes). Dadurch fallen die Direktzahlungen entsprechend niedriger aus. Dieser Schritt ist grundsätzlich zu begrüßen. Doch laut aktuellen Plänen sollen Öko-Bäuerinnen und -Bauern nicht wie alle anderen Betriebe an allen Eco-Schemes teilnehmen dürfen. So droht ihnen eine Mittelkürzung, die sie nicht ausgleichen können. Deshalb muss sich Bayern jetzt auf Bundes- und EU-Ebene für den Öko-Landbau stark machen. „Die Politik muss verhindern, dass die Landwirtinnen und Landwirte, die schon jetzt mehr für Umwelt, Klima und Biodiversität leisten, am Ende als Verlierer aus der Reform gehen. Für die Betriebe, die umstellen wollen, muss auch nach der GAP Reform ein attraktiver Förderrahmen bereitstehen“, stellt Hubert Heigl klar.

Beispiel Streuobst
Auch in Bayern gilt es konkrete Maßnahmen konsequent umzusetzen. Gemeinsam mit den Umweltverbänden aus dem Trägerkreis des Volksbegehrens wie dem LBV will die LVÖ den Ausbau des Ökolandbaus in Bayern voranbringen. So zum Beispiel auch beim Schutz und Ausbau der Streuobst-Wiesen. Auch dies ist ein Ziel aus dem Volksbegehren „Rettet die Bienen!“. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber hat angekündigt, pro Jahr 100.000 Streuobstbäume verschenken zu wollen. „Diese Bäume alle aufzupflanzen ist ein sehr ehrgeiziges Ziel. Wir werden es nur schaffen, wenn wir auch die Landwirtinnen und Landwirte mit ins Boot holen. Ökologischer Streuobstanbau muss deshalb attraktiver werden. Das für die Streuobstwiesen geplante Gesamtkonzept mit dem Ausbau der Absatzmärkte muss auch vorteilhafte Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft enthalten“, so LVÖ-
Vorsitzender Hubert Heigl. Die aktuelle GAP-Reform bietet hierfür eine gute Möglichkeit: auf den in der Konditionalität vorgesehenen Brachflächen könnte der Streuobstanbau unter Verzicht von Mineraldünger und Pestiziden erlaubt werden. So würden dort wertvolle, langjährige Biotope mit Wertschöpfungspotential entstehen.

Pionier und Vorreiter Ökolandbau
Der Ökolandbau beweist seit vielen Jahren, dass Landwirtschaft ohne chemisch-synthetische Pestizide und Mineraldünger bestens funktioniert. Die Bio-Landwirtschaft gilt somit als Pionier, der Standards setzt beim Schutz von Bienen und Artenvielfalt, aber auch von Wasser, Böden und Klima. „Um das Potential des Ökolandbaus voll auszuschöpfen, braucht es eine klare Vision für eine nachhaltige Landwirtschaftspolitik in Bayern, in Deutschland und der EU, eine Vision, die die Richtung vorgibt und den Bäuerinnen und Bauern Verlässlichkeit für ihre Zukunftsplanung”, so Heigl weiter.

Weiterführende Informationen
Öko-Anbaufläche in Bayern
An der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Bayern hat der Ökolandbau einen Anteil von gut 12% oder 390.000 Hektar (Stand 1. Quartal 2021). Mehr Infos dazu unter
https://www.lfl.bayern.de/iem/oekolandbau/032791/index.php

Für die Erreichung des 30%-Zieles sollte bei gleichmäßigem Wachstum der Anteil 2022 bei 14% oder 443.000 Hektar liegen. Das heißt es bräuchte dieses Jahr zusätzlich 50.000 Hektar und in den kommenden Jahren durchschnittlich rund 60.000 Hektar pro Jahr (siehe Grafik). Zum Vergleich: In Deutschland lag 2020 der Bio-Anteil bei rund 10% der Fläche. Im Saarland sind 20% der Fläche im Bio-Anbau, in Hessen 15% und in Brandenburg 14%.
https://bzl-datenzentrum.de/pflanzenbau/oekologischer-landbau-grafik/

Bio-Gemeinschaftsverpflegung in Bayern
Das Corona-Jahr mit seinem Boom beim Absatz von Bio-Produkten hat gezeigt: auch die Verbraucherinnen und Verbraucher sind bereit zum Ausbau der Bio-Landwirtschaft ihren Beitrag zu leisten. Derzeit melden alle Bio-Anbauverbände Lieferengpässe bei vielen Warengruppen, insbesondere aber bei Obst, Gemüse und Fleisch. Ein Grund ist, dass die Menschen vermehrt zu Hause gekocht haben und weniger außer Haus konsumierten. Zu Hause haben die Verbraucherinnen und Verbraucher die Wahl. Kantinen, Mensen und Restaurants bieten leider nach wie vor sehr selten Bio an: derzeit sind es nur 1% der Außer-Haus-Verpflegungs-Betriebe. „Eine wichtige Maßnahme wäre in allen staatlichen Kantinen mindestens 25% Bio-Lebensmittel einzusetzen. Andere öffentliche und kirchliche Einrichtungen sowie private Großküchen sollten folgen. Das wäre ein deutliches Bekenntnis zum Ökolandbau und würde verlässliche Absatzmärkte schaffen“, sagt Hubert Heigl (LVÖ).
Dass hohe Bio-Anteile in der Gemeinschaftsverpflegung möglich sind, zeigen positive Beispiele aus dem Ausland, aber auch die bayerischen Bio-Städte wie Nürnberg, München und Augsburg und einige der Ökomodellregionen. So setzt die Stadt Nürnberg bereits jetzt zu 75% Bio-Produkte in der Verpflegung für Kitas und 20% in den Schulen ein. Bis zum Jahr 2026 will die Stadt diesen Anteil auf 90% beziehungsweise auf 75% steigern.

Bio-Markt in Deutschland
Laut Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) ist der Umsatz auf dem Bio-Markt in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen. Derzeit liegt der Marktanteil bei rund 13%.
Jahr Umsatzplus
2016 10%
2017 10%
2018 11%
2019 12%
2020 22%

Mehr Infos zum Bio-Handel gibt es auf der Homepage des BÖLW: https://www.boelw.de/themen/zahlen-fakten/handel/artikel/historisches-bio-plus-kunden-oeko-branche-bauen-um-politik-muss-nachziehen/

Heidi Kelbetz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
+49 89 4423190-16
heidi.kelbetz@lvoe.de

Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern e.V. (LVÖ)
Landsberger Straße 527, 81241 München
Zentrale: +49 89 4423190-0
Fax +49 89 4423190-29; Website: www.lvoe.de

Pressemitteilung der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern e.V. vom 08.07.2021

13.07.2021

Region: Waginger See - Rupertiwinkel