Wieder Erfolg für regionales Bio-Bündnis

Gemeinderat Kirchanschöring stimmt für Verbleib in Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel

Projekt: Kommunales Engagement , Öffentlichkeitsarbeit

Besucher einer Obstwiesenführung stehen auf einer Obstwiese im Halbkreis um einen Vortragenden.

Aktionen der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel, wie hier eine Obstwiesenführung, soll es auch weiterhin geben.
© Anneliese Caruso

Kirchanschöring. Bei der praktischen Umsetzung von Maßnahmen des bayerischen BioRegio-Programms spielen die insgesamt 27 bayerischen Ökomodellregionen eine wichtige Rolle. Ökomodellregionen sind vom Land geförderte Bündnisse für den Ökolandbau. Sie sollen modellhaft zeigen, wie die Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung von regionalen Bio-Lebensmitteln vorangebracht und erhöht werden können, wodurch sich Chancen für heimische Betriebe ergeben. „Gleichzeitig werden in unserer Region ökologisch sinnvolle Projekte, wie etwa beim Gewässerschutz, mit allen interessierten Landwirten und mit den Gemeinden verfolgt und realisiert“, sagte Bürgermeister Hans Jörg Birner in der Gemeinderatssitzung. In dieser Sitzung warb er zugleich für die Weiterführung der hiesigen Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel (ÖMR).

In seiner jüngsten Sitzung hat der Gemeinderat Kirchanschöring beschlossen, weiterhin ein Teil der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel (ÖMR) bleiben zu wollen. Nach wenigen Wortmeldungen stimmte der Rat der Fortsetzung der ÖMR für weitere sieben Jahre ebenso zu wie der Übernahme der Kosten. „Für die Gemeinde Kirchanschöring würden sich unter den jetzt bekannten Voraussetzungen ab 2022 Beitragskosten zur ÖMR von rund 9.100 Euro pro Jahr ergeben“, informierte Birner.

Die ÖMR Waginger See- Rupertiwinkel wurde im Mai 2014 und damit als erste staatlich anerkannte bayerische Ökomodellregion ins Leben gerufen und durch das Bayerische Landwirtschaftsministerium gefördert. Der Förderanteil von zunächst 60 Prozent sank im Laufe der Jahre schrittweise nach unten und lag zuletzt bei nur noch 20 Prozent. Das heißt zugleich, dass der Eigenanteil, den die Gemeinden zu tragen hatten, die sich zu diesem Bündnis zusammengeschlossen haben, analog gestiegen ist. Ab April 2022 wäre die Förderphase dann aber endgültig ausgelaufen. Damit hätten die Gemeinden nach Ablauf der staatlichen Förderung die vollen Kosten übernehmen oder sich von der ÖMR verabschieden müssen. Bei diesen Kosten handelt es sich vorwiegend um Personalkosten, also um Kosten der wenigen Angestellten, die sich um die konkrete Realisierung der einzelnen Projekte kümmern.

Es kam aber anders: Die Ökomodellregionen der ersten Stunde, zu denen neben Ambach Sulzberg, Isental/ Mühldorfer Land, Nürnberg-Nürnberger Land-Roth und Steinwald Allianz auch die Region Waginger See-Rupertiwinkel gehört, haben sich im Januar 2021 zusammengetan, um die erfolgreiche und wichtige Arbeit beim Bayerischen Landwirtschaftsministerium nochmals aufzuzeigen und die Mitverantwortung des Staates bei der Weiterführung miteinzufordern.

Gespräche mit Ministerium verliefen erfolgreich

Die Gespräche seien erfolgreich verlaufen und hätten dazu beigetragen, dass die ursprünglich auslaufende Personalkostenförderung auch in den nächsten sieben Jahren erhalten bleibt. „Die neue Förderquote beträgt auch weiterhin 20 Prozent“, sagte Birner vor der Abstimmung. Zusätzlich sei eine neue Förderschiene über das Amt für Ländliche Entwicklung eingerichtet worden. „Aus diesem Topf können wir jetzt auch Gelder für projektbezogene Vorhaben abrufen.“ Die Ökomodellregion mit den Städten und Gemeinden: Laufen, Wonneberg, Tittmoning, Taching am See, Petting, Fridolfing, Saaldorf-Surheim, Teisendorf, Waging am See und Kirchanschöring biete weiterhin eine Chance für umstellungswillige Landwirte, Verarbeiter und Vermarkter und unterstütze den Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten. Die interkommunale Zusammenarbeit der zehn Gemeinden erleichtere auch den Abruf von Fördermitteln über andere Regionalinitiativen wie Leader, ILE (Integrierte ländliche Entwicklung) oder das Digitale Alpendorf. Zudem trage sie zu einem innovationsfreundlichen Klima in diesen Gemeinden bei. „Nicht zuletzt bietet uns die ÖMR eine Möglichkeit, als Alleinstellungsmerkmal für den Rupertiwinkel wahrgenommen zu werden.“ Unter anderem zeige das Interesse nationaler und internationaler Delegationen, dass die ÖMR eine Vorreiterrolle in ökologischer und touristischer Hinsicht einnehme, betonte Birner vor der Abstimmung im Kirchanschöringer Gemeinderat. Zur Weiterführung der ÖMR seien aber noch Beschlüsse anderer Kommunen notwendig.

Andreas Albanbauer erkundigte sich nach den Gesamtkosten, die durch die ÖMR bislang entstanden sind. Er wollte auch wissen, um wie viel Prozent die Anzahl der Betriebe gestiegen sei, die seit 2014 auf ökologische Landwirtschaft umgestellt haben. Er hatte Zweifel, dass das von der Staatsregierung verfolgte Ziel von 30 Prozent bis 2030 erreichbar ist, „wenn es so langsam weitergeht“.

Laut Birner verzeichnete die ÖMR-Waginger See-Rupertiwinkel in den letzten sieben Jahren einen Zuwachs von 8 Prozentpunkten der Betriebe auf über 13 Prozent (etwa 150 Betriebe). Dies entspricht einer Steigerung um mehr als 60 Prozent. „Ich kann aus dem Stegreif aber weder Angaben zu den Kosten noch zur tatsächlichen Wertschöpfung machen“, bedauerte Birner.

Nach dem Bayerischen Agrarbericht wirtschafteten im Jahr 2014 rund 6 600 Betriebe in Bayern auf circa 212 000 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche nach den Regeln des ökologischen Landbaus. Ende 2020 waren es 9 848 Betriebe, die knapp 375 000 Hektar bestellten. Der Anteil der ökologischen Betriebe hat sich zwar ebenfalls deutlich erhöht, aber nicht so stark wie in der hiesigen ÖMR.

Artikel von Anneliese Caruso aus der Südostbayerischen Rundschau vom 5.11.2021

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05.11.2021

Region: Waginger See - Rupertiwinkel