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Sebastien Lecuyer auf Gut Aukofen

Kartoffeln, Kultur und Weitblick

Sebastien Lecuyer auf Gut Aukofen
Sebastien Lecuyer auf Gut Aukofen
© Daniel Delang, Öko-Modellregionen Bayern

Neue Perspektiven – ein städtisch geprägter Landwirt blickt nach vorn
Sebastien Lecuyer selbst ist keiner, der von klein auf im Traktor saß. Seine Kindheit verbrachte er außerhalb der Landwirtschaft, sein soziales Umfeld war eher stätisch geprägt. Vielleicht ist gerade das die Grundlage für den offenen, neugierigen Blick, mit dem er heute als Landwirt wirkt. "Ich glaube, man muss ausprobieren, was funktioniert," sagt er und meint damit nicht nur die Vielfalt der Feldfrüchte, sondern auch die Haltung, mit der er sich den Herausforderungen des Alltags stellt.

Probieren, prüfen, perfektionieren
Seit rund zehn Jahren ist Sebastien in der Landwirtschaft aktiv – immer wieder als Suchender, der Möglichkeiten auslotet. Die Fruchtfolge ist breit: Kartoffeln, Mais, Dinkel, Weizen, Emmer, Hafer, Ackerbohnen, Soja, Kleegras. Besonders am Herzen liegen ihm die Kartoffeln – ihre Geschichte, ihr Wert in Europa, ihre Rolle in schwierigen Zeiten faszinieren ihn. Bei fünf Sorten – Anuschka, Laura, Simonetta, Otolia und Antonia – hat er seinen Schwerpunkt gefunden. Überzeugt ist er auch von der Bedeutung regionaler Kooperationen: Als einer der Lieferanten für die Biowertschöpfungskette Getreide arbeitete er mit der Poschenrieder Mühle und regionalen Bäckereien zusammen – ein seltener Kreislauf vor Ort.

Versuche gibt es immer wieder: Nussbäume, Kurzumtriebsplantagen, Aquaponik, neue Kulturen wie Chiasamen oder Mohn. "Ich habe gelernt, nicht alles auf einmal zu machen – sonst verzettelt man sich," sagt er und beschreibt damit seinen eigenen Lernprozess, vom Experiment zur Konzentration auf das Wesentliche zu finden.

Die Balance suchen
Im Zentrum seines Denkens steht stets der Ausgleich: "Der Aufwand, der Ertrag und der ökologische Nutzen – wenn das stimmt, dann passt es." Dieser Grundsatz bestimmt die Entwicklung des Betriebs genau wie Sebastien Lecuyers Umgang mit Investitionen und Innovationen. Für überhastete Schritte bietet die große Fläche zu viel Verantwortung; Entwicklungen wollen mit Bedacht gestaltet werden.

Raum für mehr
Die großzügigen Gebäude erzählen von der Geschichte des Hofs. Vor hundert Jahren arbeiteten hier rund hundert Menschen, heute stehen viele Räume leer oder müssen saniert werden. Neue Ideen entstehen: Vielleicht lässt sich in Zukunft neben der Landwirtschaft auch Kultur auf dem Gut etablieren, bezahlbarer Proben- und Veranstaltungsraum für Theatergruppen – eine Synergie von Lebensmitteln und Lebenskunst. Auch die Direktvermarktung seiner Produkte, vor allem der Kartoffeln und des Honigs, soll weiterwachsen. "Die Gebäude bieten so viel Potenzial," sagt Sebastien Lecuyer mit einem Blick auf die historischen Mauern, "es wäre schade, wenn wir diesen Raum nicht nutzen – für Landwirtschaft und für Menschen." Sebastien Lecuyer steht für den lernenden, suchenden, vorsichtig handelnden Öko-Landwirt einer neuen Generation auf Aukofen-Mintraching. Seine Arbeit und seine Haltung zeigen: Landwirtschaft ist ein fortwährender Prozess, bei dem Raum für Natur und Mensch entsteht – langsam, aber stetig, generationenübergreifend und offen für Neues.

 

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