Biogärtnerei Sturm

Netzwerken in der dritten Generation

Bio-Gärtnerei

Christine, Xaver und Schorsch Sturm (v. r. n. l.)
© Daniel Delang

Die Biogärtnerei Sturm ist ein Gärtnerbetrieb in der dritten Generation. Fragt man Schorsch Sturm, ob er gerne Gärtner geworden ist, lautet die Antwort: „Das kann ich gar nicht sagen, denn ich hatte keine Wahl.“ Der Vater hatte eine Gärtnerei, Schorsch, heute siebzig, musste damals in die Fußstapfen seines Vaters treten. Tragischerweise stirbt der Vater noch während der Gesellenausbildung des Sohnes. Die Mutter hätte damals auch alles aufgegeben, doch Schorsch entscheidet sich für die Gärtnerei, diesmal selbstbestimmt und überzeugt. Neben Stauden und Ziergewächsen beginnt er sehr bald auch Gemüse anzubauen. Und ist in den 70er-Jahren einer der ersten, die den sauren Regen und die Nitratbelastung im Boden auch mit der „modernen“ Landwirtschaft in Verbindung bringen. Er beginnt sich für Biolandbau zu interessieren und stellt schon in den 80ern seine Produktion um. Damals in Puchheim wird schnell die Fläche zu knapp. „Da habe ich die erste Fläche gepachtet, mühsam den Boden aufgebaut, dann wollte ihn der Bauer wiederhaben. Dann habe ich die nächste Fläche gepachtet, die wurde dann Baugebiet. Also war klar, wir kaufen einen Acker und ziehen um.“ Nach einigem Suchen findet die Familie Sturm eine passende Fläche, die Behörden stimmen dem Bau der Betriebsstätte zu und die Familie Sturm bekommt ihren neuen Hof, den sie bis heute bewirtschaftet.

Abseits der Leidenschaft zum Gärtnern besitzt Schorsch ein gutes Händchen für Direktvermarktung und initiiert im Laufe seines Berufslebens, das mit 70 Jahren noch lange nicht zu Ende ist, mehrere Märkte. Noch heute hat er Freude daran, die Märkte für die Verbraucher als Erlebnis und für die Erzeuger als niederschwellige Absatzmöglichkeit zu konzipieren und umzusetzen.
Mittlerweile haben sein Sohn Xaver und dessen Frau Christine den Betrieb übernommen. Xaver versorgt mit seiner Jungpflanzenzucht viele seiner Biokollegen in der Region. Rund 70 Sorten zieht er selbst groß, nur die veredelten Gewächshauskulturen kauft er zu. Auf acht Hektar wird zusammen mit einem knappen Dutzend Angestellten Gemüse kultiviert. Kohl, Wirsing, Lauch, Kürbis, Salate, Fenchel, aber auch Exoten wie die Puntarelle, ein italienisches Blattgemüse, das angebraten in Olivenöl mit Knoblauch und Tomaten eine wunderbare Pastazutat ergibt. Die Rezepte mit dem Gemüse haben in der Familie Tradition, und was Schorsch begonnen hat, führen Xaver und Christine fort. Auch im Hofladen und im Markt gibt es liebevoll aufbereitete Rezepte mit den Gemüsen – allesamt getestet und von der Familie für gut befunden.
Das Gemüse wird über den Hofladen, die Märkte, regionalen Fachhandel, Gastronomen wie die Tafernwirtschaft der Familie Hörger und Kitas, aber auch den Großhandel abgesetzt. Die gesunde Mischung macht den Charme aus und schützt vor Abhängigkeiten. Besonders am Herzen liegt ihnen auch die Bildungsarbeit: Kinder erfahren in Gruppen am Hof viel über Gemüse und eben jenes Kreislaufdenken, das es möglich macht, die Natur zu nutzen ohne sie zu übernutzen.
Die junge Betriebsstelle von Xaver und Christine gibt viel auf gesunde Kreisläufe: Das Wasser zum Gemüsewaschen und von den Dächern speist einen Teich, der wiederum zum Bewässern der Pflanzen verwendet wird. Eine pflanzliche Kläranlage sowie erneuerbare Energien am Dach und Holz zum Heizen tun ihr Übriges, dass die Familie sich jetzt auch in der Energiekrise und mit steigenden Energiepreisen gut gerüstet sieht. Denn Xaver und seine Frau haben sich direkt mit der Übernahme auf gesunde Wasser- und Energiekreisläufe fokussiert. So ist die Basis geschaffen für einen vielfältigen Betrieb, der die Region mit Biogemüse versorgt, mit den Kleinsten Bildungsarbeit betreibt, mit den Kollegen gute Beziehungen pflegt, die Natur achtet und etwa mit einer Streuobstwiese alter und seltener Sorten seinen Teil zur Biodiversität und Erhalt der Sortenvielfalt beiträgt.

Text: Petra Wähning

Region: Kulturraum Ampertal