Das Jubiläum markiert nicht nur eine Vertragsverlängerung, sondern steht für eine Entwicklung, die beispielhaft zeigt, wie regionale Wertschöpfung entstehen kann: initiiert von den Bayerischen Öko-Modellregionen, aufgebaut mit enger Begleitung durch das Management der Öko-Modellregionen – und heute getragen von einer selbstständig agierenden Gemeinschaft aus Landwirten, Verarbeitern und Vermarktungspartnern.
Der Impuls kam aus der Öko-Modellregion
Den Anstoß gab 2014 die Öko-Modellregionen Waginger See – Rupertiwinkel. Gemeinsam mit der Öko-Modellregion Isental (heute Mühldorfer Land) brachte sie damals alle Akteure an einen Tisch. „Wesentliches Ziel unserer Öko-Modellregion war von Anfang an, Biobäuerinnen und -bauern vor Ort mit regionalen Verarbeitern zusammenzubringen und faire Partnerschaften von unten aufzubauen“, erinnert sich Initiatorin Marlene Berger-Stöckl aus Waging.
Nach längeren Verhandlungen kam es zur Einigung: Barnhouse-Gründerin Sina Nagl stimmte dem ersten Vertragsabschluss mit regionalen Biolieferanten zu. Berechnungen der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) halfen dabei, kostendeckende Preiskorridore zu ermitteln. „Diese Berechnungen waren sehr hilfreich und haben auch die Geschäftsführung von Barnhouse überzeugt“, so Berger-Stöckl. Offiziell wurde der erste Vertrag 2016 im Beisein von Staatsminister Helmut Brunner und 30 Landwirten unterzeichnet.
Vertrauen vor Verhandlung
Ein entscheidender Erfolgsfaktor war der Aufbau tragfähiger Beziehungen. Michael Rittershofer, Öko-Modellregionsmanager vom Mühldorfer Land, beschreibt die Entwicklung der Zusammenarbeit in den vergangenen zehn Jahren: „Es ging irgendwann nicht mehr nur um regionale Ware und um Preise, sondern um Menschen. Wir haben gelernt, einander zuzuhören und die Position des anderen zu verstehen.“
Phasen mit intensivem Austausch schufen Vertrauen – die Grundlage für langfristige, mehrjährige Verträge mit kostendeckenden Preisen. Für Barnhouse war früh klar, dass Planungssicherheit auf beiden Seiten unverzichtbar ist. „Eine Partnerschaft auf Augenhöhe, faire Preise und mehrjährige Verträge, die unseren Landwirten Verlässlichkeit bieten – das ist das starke Fundament unserer Kooperation“, betont Geschäftsführer Martin Eras. „Darauf aufbauend können wir gemeinsam an Themen wie Bodenfruchtbarkeit, Mischkulturen, Biodiversität oder dem Einsatz ökologisch gezüchteten Saatguts arbeiten.“
Professionalisierung und Eigenständigkeit
Heute, zehn Jahre später, bewirtschaften 85 Betriebe im Umkreis von maximal 70 Kilometern Anbauflächen für die Liefergemeinschaft. Jährlich liefern sie etwa 2.500 Tonnen Bio-Getreide – überwiegend Hafer, aber auch Dinkel.
Mit dem Wachstum der Gemeinschaft stiegen aber auch die organisatorischen Anforderungen. Fragen der Mengenplanung, Qualitätssicherung, Mustererstellung und Abrechnung mussten strukturiert gelöst werden. Gerade die Abstimmung zwischen Anbauplanung im Frühjahr und Absatzprognosen für das Folgejahr erfordert hohe Verlässlichkeit und gegenseitiges Verständnis – insbesondere in einem zuletzt stark schwankenden Biomarkt.
Ein wichtiger Schritt erfolgte deshalb 2021: die Gründung einer eigenen Genossenschaft, der Barnhouse Bauern Tagwerk eG. Damit wurde die Verantwortung vollständig in die Hände der wirtschaftlichen Akteure gelegt.
„Es braucht die Öko-Modellregionen heute, zwölf Jahre nach den ersten Gesprächen, im operativen Geschäft nicht mehr“, so Rittershofer. „Das ist genau unser Ziel gewesen – Hilfe zur Selbsthilfe. Wir haben angestoßen und begleitet, heute trägt sich das Projekt eigenständig.“
Damit ist das Vorhaben ein Musterbeispiel für die Rolle der Öko-Modellregionen als Impulsgeber und Moderator regionaler Entwicklungsprozesse. Wo es engagierte „Kümmerer“ braucht, bringen sich die Öko-Modellregionsmanagerinnen und -manager aktiv ein, vernetzen Akteure, moderieren Interessenlagen und unterstützen beim Aufbau verlässlicher Strukturen. Ziel ist es stets, Verantwortung in die Hände der Akteure vor Ort zu legen und Partnerschaften so zu stärken, dass sie langfristig eigenständig bestehen können – mit dem klaren Anspruch, sich schrittweise aus der operativen Rolle zurückzuziehen.
Mit sichtbarer Regionalität durch herausfordernde Zeiten
Vertragspartner sind heute die Barnhouse Bauern TAGWERK eG und die Barnhouse Naturprodukte GmbH als Verarbeiter. Ein wichtiger Akteur ist die Mühle Primavera Naturkorn GmbH, die für Barnhouse die Flocken herstellt.
Bemerkenswert: Für die gesamte Krunchy-Produktlinie verarbeitet Barnhouse ausschließlich Getreide aus dieser regionalen Lieferpartnerschaft. Dieses klare Bekenntnis zur Region ist angesichts preislich attraktiverer Beschaffungsmöglichkeiten am Weltmarkt keineswegs selbstverständlich.
Die Stabilität der Partnerschaft zeigte sich jedoch besonders in herausfordernden Zeiten. Während der Corona-Pandemie musste ein plötzlicher Nachfrageschub bewältigt werden, später folgte ein inflationsbedingter Absatzrückgang. Dank der gewachsenen Vertrauensbasis konnten beide Seiten flexibel reagieren.
„Sobald sich Rahmenbedingungen ändern, setzen wir uns zusammen und finden gemeinsam Lösungen“, beschreibt Rittershofer den kooperativen Ansatz. Diese Flexibilität, gepaart mit langfristigen Verträgen, schafft Sicherheit – für landwirtschaftliche Betriebe ebenso wie für das verarbeitende Unternehmen.
Und wenn es einmal eng wird, weil zum Beispiel das Getreide bis zur neuen Ernte nicht vollständig abgerufen werden kann oder überlieferte Mengen einen anderen Absatzkanal brauchen, steht auch die PrimaVera Naturkorn GmbH der Erzeugergemeinschaft mit Rat und Tat zur Seite.
Regionalität spielt bei Barnhouse aber auch im Marketing eine wichtige Rolle: Die beteiligten Landwirte sind mit Fotos auf den Verpackungen vertreten, jeder Betrieb wird auf der Unternehmenswebsite vorgestellt. “Diese Regionalität ist auch eine Verkaufshilfe für uns“ verrät Geschäftsführer Eras.
Beitrag zur Stärkung des ländlichen Raums
Das Beispiel aus Mühldorf zeigt, dass die Erzeugung hochwertiger ökologischer Lebensmittel für bäuerliche Familienbetriebe in der Region eine verlässliche und attraktive Einkommensperspektive eröffnen kann. Zugleich wird deutlich, wie solche regionalen Netzwerke entstehen können: Die Öko-Modellregionen initiieren, moderieren und begleiten. Wenn Vertrauen wächst und tragfähige Strukturen entstehen, übernehmen die Akteure selbst die Verantwortung.
So entstehen belastbare Partnerschaften, die über einzelne Vertragsperioden hinaus Bestand haben und den Zusammenhalt im ländlichen Raum nachhaltig stärken.
Zehn Jahre nach der ersten Vertragsunterzeichnung steht das Bio-Getreideprojekt damit nicht nur für eine erfolgreiche Lieferbeziehung, sondern für ein partnerschaftliches Verhältnis auf Augenhöhe – getragen von gegenseitigem Vertrauen, langfristiger Planungssicherheit und dem gemeinsamen Anspruch, den ökologischen Landbau in der Region weiterzuentwickeln.
Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber würdigte die Vertragsverlängerung als starkes Signal für den bayerischen Bio-Sektor. Solche Modelle zeigen, wie regionale Kooperation, ökologische Qualität und wirtschaftliche Stabilität miteinander verbunden werden können.
Von Kathleen Ellmeier
Bayerisches Kompetenzzentrum Ländliche Entwicklung